Geschlossene Einrichtungen

Hamburger Gewalttäter sollen ins Blockland

Die geschlossene Einrichtung im Blockland, in der straffällige Jugendliche ab 2017 intensivpädagogisch betreut werden sollen, wird voraussichtlich überwiegend mit Hamburger Problemfällen belegt sein.
22.03.2016, 00:00
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Hamburger Gewalttäter sollen ins Blockland
Von Jürgen Theiner
Hamburger Gewalttäter sollen ins Blockland

In der geplanten geschlossenen Einrichtung im Bremer Blockland sollen neben straffälligen jugendlichen Flüchtlingen auch jeder andere delinquente Jugendliche untergebracht werden.

dpa

Die geschlossene Einrichtung im Blockland, in der straffällige Jugendliche ab 2017 intensivpädagogisch betreut werden sollen, wird voraussichtlich überwiegend mit Hamburger Problemfällen belegt sein.

So sehen es die Planungen vor, die die Sozialbehörden der beiden Stadtstaaten in den vergangenen Monaten vorangetrieben haben. Ein vertrauliches Papier, das in der Senatskanzlei zirkuliert, enthält erstmals genauere Zahlen zur Aufnahmekapazität und zur Kostenverteilung zwischen Bremen und Hamburg.

Demnach sollen in einem Neubau auf dem Gelände der einstigen Jugendhaftanstalt 25 Plätze entstehen. Hamburg würde davon 16, Bremen neun finanzieren. Die Kosten für weitere zehn sogenannte „Notfallbetten“ teilen sich die Kommunen. Gerechnet wird mit einem Investitionsvolumen von rund 5 Millionen Euro. Hinzu kämen die laufenden Kosten. Als Betreiber ist der Hamburger Jugendhilfeträger PTJ (Pädagogisch-Therapeutische Jugendhilfe) im Gespräch. Vergleichbare Bremer Institutionen hatten dem Vorhaben schon am vergangenen Jahr eine Absage erteilt. Sie halten die gesamte Stoßrichtung des Projektes für verfehlt.

"Wegsperren" von jungen Delinquenten

Die Pläne für eine geschlossene Einrichtung insbesondere von hartnäckigen Wiederholungstätern aus der Gruppe jugendlicher Flüchtlinge gehen auf das Frühjahr 2015 zurück. Nachdem sich Raub- und Gewalttaten mit entsprechendem ethnischen Hintergrund gehäuft hatten, forderte der damalige Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) eine „robuste Unterbringung“ der mutmaßlichen Täter. Mit der Umsetzung dieser Forderung tat sich die rot-grüne Regierungskoalition jedoch schwer. Insbesondere die Grünen machten aus ihren Vorbehalten gegen ein „Wegsperren“ der jungen Delinquenten kein Hehl. Und das von Anja Stahmann (Grüne) geführte, zuständige Sozialressort des Senats schien sich mit der Umsetzung des Vorhabens lange Zeit nicht sonderlich zu beeilen.

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Eine Zusammenarbeit mit Hamburg, die über die Trägerschaft der dort ansässigen PTJ hinausgeht, zeichnet sich erst seit Ende 2015 ab. Anfang Dezember trafen sich die Sozialstaatsräte Jan Fries (Bremen) und Jan Pörksen (Hamburg) erstmals, um die Eckpfeiler einer Kooperation bei der geschlossenen Unterbringung einzuschlagen. Hamburg machte dabei aus seinen Interessen kein Geheimnis. Dort existiert zurzeit keine geschlossene Einrichtung für unbegleitete junge Ausländer, im Amtsjargon kurz: UmA, die wiederholt strafrechtlich in Erscheinung getreten sind. Die Hamburger Sozialbehörde strebe eine „nicht milieunahe Unterbringung“ dieser Problemfälle an, sagt ihr Sprecher Marcel Schweitzer. Also in möglichst großer Distanz zu den kriminellen Brennpunkten an Elbe und Alster. Bremen ist da offenbar weit genug weg.

Jugendliche mit besonderen Auffälligkeiten

Anders als das Bremer Sozialressort hat die Hamburger Behörde allerdings nicht nur die UmA im Blick. Ihre Plätze im Blockland will sie mit jeder Art von delinquenten Jugendlichen belegen, die besondere Auffälligkeiten zeigen, zum Beispiel eine extreme Verweigerungshaltung, besonders aggressives Verhalten oder gestörte Impulskontrolle. Wie angesichts dieser heterogenen Zusammensetzung der „Kundschaft“ ein intensivpädagogisches Gesamtkonzept aussehen könnte, ist dem Vernehmen nach noch nicht ansatzweise geklärt.

Wirklich geschlossen wird die geplante Besserungsanstalt übrigens die meiste Zeit nicht sein, wie dem aktuellen Planungsstand zu entnehmen ist. Demnach sollen die Jugendlichen während ihres Aufenthaltes drei Phasen durchlaufen. Nur bei der „roten“ handelt es sich tatsächlich um einen kurzzeitigen Freiheitsentzug im engeren Sinn. „Wir reden da von Tagen, höchstens von wenigen Wochen“, sagt eine Akteurin, die mit dem Projekt vertraut ist. In der „gelben“ und „grünen“ Phase sollen die Jugendlichen Schritt für Schritt wieder in die Freiheit entlassen werden.

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Unklar ist auch, wie die neue Einrichtung angesichts der sehr begrenzten Kapazitäten den Bedarf decken soll. Für Bremen geht die Polizei von 50 bis 100 Intensivtätern unter den minderjährigen Flüchtlingen aus. Die meisten von ihnen stammen aus den nordwestafrikanischen Maghreb-Staaten. Auf das Konto der rund 30 aktivsten Räuber und Gewalttäter gingen im vergangenen Jahr etwa 370 Straftaten. Wollte man auch nur diesen harten Kern im Blockland unterbringen, wäre das Bremer Kontingent dreifach überzeichnet.

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