Hans Eulenbruch auf der Anklagebank

Harms-Prozess beginnt

Es ist ein Prozess, auf den ganz Bremen schauen wird: Ab kommenden Montag verhandelt die Große Strafkammer des Bremer Landgerichts den Fall der Brandkatastrophe am Wall.
27.07.2016, 20:04
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Harms-Prozess beginnt
Von Jürgen Hinrichs
Harms-Prozess beginnt

Das Kaufhaus Harms am Wall stand im Mai in Flammen und war am nächsten Morgen nur noch eine Ruine.

Frank Thomas Koch

Es ist ein Prozess, auf den ganz Bremen schauen wird: Ab kommenden Montag verhandelt die Große Strafkammer des Bremer Landgerichts den Fall der Brandkatastrophe am Wall.

In der Nacht vom 6. zum 7. Mai vergangenen Jahres waren an dem Boulevard in der Innenstadt drei Häuser vom Feuer vernichtet worden, darunter das Traditionskaufhaus Harms am Wall. Der Inhaber des Kaufhauses und sein mutmaßlicher Komplize sind wegen besonders schwerer Brandstiftung, Vortäuschen einer Straftat und versuchten Versicherungsbetrugs angeklagt. Ihnen droht eine Haftstrafe von mindestens fünf Jahren.

Das Feuer war am späten Abend im Dachgeschoss vonHarms am Wall ausgebrochen und hatte sich in Windeseile durch das Haus gefressen. Nur mit größter Mühe konnten 150 Feuerwehrleute verhindern, dass der Brand sich über den ganzen Straßenzug ausdehnt. Nicht zu retten waren letztlich aber nicht nur Harms am Wall, sondern auch zwei Nachbargebäude. Verletzt wurde niemand.

Die Schadenshöhe liegt nach Schätzungen der Ermittler in einem zweistelligen Millionenbereich. Der Wall musste vier Monate für den Autoverkehr gesperrt werden. Die Ruinen der drei Häuser stehen noch. Es ist weiterhin unklar, wann sie abgerissen werden und für Neubauten Platz machen.

Komplize sitzt hinter Gittern

Für Polizei und Feuerwehr stand sofort fest, dass es sich um Brandstiftung handelt. In Verdacht geriet Kaufhaus-Inhaber Hans Eulenbruch, der noch in der Nacht stundenlang vernommen wurde. Zwei Wochen nach der Tat nahm die Polizei Eulenbruch fest. Nur Stunden später wurde er allerdings wieder freigelassen, weil der Haftrichter die Beweislage für zu dünn hielt.

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Anders sieben Monate später, da hatte die Staatsanwaltschaft nach sehr aufwendigen polizeilichen Ermittlungen noch einmal nachgelegt und konnte das Gericht davon überzeugen, Eulenbruch und einen zweiten Mann in Untersuchungshaft zu nehmen. Der mutmaßliche Komplize soll ein langjähriger Geschäftspartner des Hauptangeklagten sein. Er sitzt bis heute hinter Gittern, seine Haftbeschwerde hatte das Oberlandesgericht im Juni zurückgewiesen.

Eulenbruch ist dagegen vor gut zwei Monaten unter Auflagen entlassen worden. Bei ihm sieht das Gericht keine Fluchtgefahr. Der Haftbefehl wurde allerdings nur außer Vollzug gesetzt, er besteht also weiter, mit der ganzen Schwere der darin enthaltenen Vorwürfe.

Eulenbruch wollte Tat vertuschen

Beide Männer bestreiten die Tat. Eulenbruch hatte sich zwei Tage nach der Brandnacht vor die Ruine des Kaufhauses gestellt und der Presse seine Version erzählt. Demnach ist er Opfer eines Überfalls geworden – zwei Männer, die ihn in seinem Büro bedrängt und beraubt haben. Um die Tat zu vertuschen, hätten sie Feuer gelegt. Eulenbruch ist nach seinen Schilderungen in die Toilette gesperrt worden. Er habe mit seinem Handy mehrfach den Notruf gewählt, es sei aber ständig besetzt gewesen. Schließlich, so der Angeklagte, habe er sich befreien können. Mit der Überwachungsanlage unter dem Arm sei er knapp dem Feuer entkommen.

Die Überwachungsvideos werden in dem Indizienprozess eine große Rolle spielen. Von der Brandnacht gibt es eine Sequenz, die in dem Gebäude einen maskierten Mann zeigt. Auf einem anderen Video, das drei Wochen vor der Tat aufgenommen wurde, sind die Angeklagten zu sehen. Die Staatsanwaltschaft hat das Gespräch, das die beiden Männer bei dem Treffen geführt haben, von einem Lippenleser rekonstruieren lassen und stützt unter anderem darauf ihre Anklage.

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"Vorwürfe sind unbegründet"

Erich Joester, der Verteidiger von Eulenbruch, hält die Vorwürfe gegen seinen Mandanten für unbegründet. „Er hatte kein Motiv für die Brandstiftung und hat durch das Feuer im Gegenteil nur Verluste erlitten“, sagte Joester, nachdem Eulenbruch aus der Haft entlassen worden war. Mit dem Haus, das ihm nicht gehört habe, habe er sein Geschäft verloren und alle seine Investitionen.

Das Geld der Versicherungen für die Ware wäre zum größten Teil für die Gehälter der Mitarbeiter aufgebraucht worden. Um seine Position zu untermauern, hat Joester einen Sachverständigen beauftragt, der die Bücher von Harms am Wall und die Versicherungsverträge prüfen soll. Das Ergebnis fließt in ein Gutachten, das vor Gericht eingebracht wird.

Der Prozess beginnt am Montag, 1. August, um 9 Uhr im Saal 218 des Bremer Landgerichts. Vorsitzende Richterin der Großen Strafkammer ist Andrea Schneider. Sie hat nach Auskunft des Gerichts bislang 31 Verhandlungstermine angesetzt.

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