Tattoo Show Bremen "Hell's Angels" in Bremen Arena

Bremen. In der Halle 3 der Bremen Arena hat sich bei der "Tattoo Show Bremen" am Sonnabend auch die Rockerbande "Hell's Angels" präsentiert. "Wir sind über unsere Vertragspartner gut im Bilde", sagte Peter Rengel von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen.
09.05.2010, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christine Kröger

Bremen. "Hell's Angels West Side" - es war schon auf der weißen Sportjacke des auffallend muskulösen Mannes zu lesen, der sich gleich am Eingang der "Tattoo Show Bremen" als Fan der Rockerbande outete. Der Schriftzug auf seiner Jacke ist rot, das versteht sich, wegen ihrer "Clubfarben" werden die "Höllenengel" in der Szene auch die "Rot-Weißen" genannt. Und diese Farben waren am Sonnabend in Halle 3 der Bremen Arena nicht zu übersehen.

An einem Stand gab es ausschließlich "Unterstützerware" für die "Hell's Angels". Seine Besucher schienen bester Laune. Sie schauten direkt auf zwei blitzblank polierte Harleys, und Bikermusik dröhnte aus den Boxen. Eine Bikerin mit mächtig vielen Piercings trug ein Shirt mit zwei roten Engeln und einem "Eisernen Kreuz", das die Kapuze nur zur Hälfte verdeckte. Neben ihr standen gut bürgerlich ausschauende Frauen, die Babys mit Schleifchen in den Haaren auf dem Arm hatten. Begleitet waren die Frauen von männlichen Muskelprotzen mit Glatzköpfen, langen Mähnen oder Irokesen.

Aus der Hosentasche eines Mannes baumelte ein Schlüsselbund. "Hell's Angels MC West Side" stand darauf. Andere trugen Shirts mit Aufdrucken wie "Big Red Machine" oder "Red White District Bremen". So wollten die Rocker anderen Besuchern vielleicht demonstrieren, wem Bremens Straßen ihrer Meinung nach gehören.

Die Polizei nennt die "Hell's Angels" eine extrem gewaltbereite und schwer bewaffnete Rockerbande. Dass die Veranstaltung zahlreiche Mitglieder und Anhänger dieser Gang anlocken würde, wussten die Betreiber der Bremen Arena - und sie fanden offenbar nichts dabei: "Wir sind über unsere Vertragspartner stets gut im Bilde", sagte Peter Rengel von der WFB Wirtschaftsförderung Bremen. Die "Hell's Angels" seien in Bremen schließlich nicht verboten, die Veranstaltung in den Vorjahren zudem stets "ruhig und friedlich" verlaufen. Auch die Polizei rechne mit keinerlei Komplikationen.

Vertragspartner von Rengels WFB und Veranstalter der zweitägigen Tätowiermesse ist das Tätowierstudio "Fantastic Art" aus Ottersberg. Als dessen Chef gilt in der Szene Hans-Jörg K., auch wenn seine Lebensgefährtin Kristine B. als Inhaberin firmiert. Hans-Jörg K. heißt in der Rockerszene "Jörg, der Tätowierer" und ist seit vielen Jahren "Fullmember" (Vollmitglied) des "Charter West Side", wie sich die "Hell's Angels" in Bremen nennen.

Am 16. Dezember 2008 dürfte der 38-Jährige in weniger guter Stimmung gewesen sein als gestern: An diesem Tag verurteilte das Landgericht Verden ihn und ein gutes Dutzend seiner "Clubbrüder" zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zuvor hatten die "Höllenengel" gestanden, im März 2006 fünf Mitglieder der verfeindeten "Bandidos" in Stuhr hinterrücks überfallen und brutal misshandelt zu haben. Schon vor diesem Urteil hatten Richter Hans-Jörg K. der Nötigung und des Betruges für schuldig befunden.

In der Öffentlichkeit betonen die Rocker immer wieder, dass sie mit Drogen nichts zu tun haben. Doch stellten Beamte des Landeskriminalamtes Niedersachsen bei Hans-Jörg K. Kokain sicher, als sie ihn im Juni 2008 von seiner Harley-Davidson-Maschine holten und wegen des Überfalls in Stuhr festnahmen.

Mindestens ebenso gerne wie ihre angebliche Enthaltsamkeit beim Konsum illegaler Drogen behaupten die Rocker, nichts mit der rechtsextremen Szene gemeinsam zu haben. Die "Tattoo Show Bremen" zeugte gestern einmal mehr vom Gegenteil. Hier konnte sich auch der rechte Bremer Szeneladen "Sportsfreund" präsentieren. Aufdrucke wie "Herr der Ringe" nebst Schlagring oder "Spezialist für Körperverletzung" sollten wohl vor allem die Hooligans unter den Kunden von Inhaber Marten O. ansprechen.

Eine naheliegende Idee: In der Bremen Arena tummelten sich gestern neben Rockern zahlreiche rechte Fußballschläger, die in szenetypischem Outfit einschlägiger Labels wie "Thor Steinar" oder "Lonsdale" durch die Gänge der "Tätowiermesse" schlenderten.

Die Initiative "Ladenschluss" macht seit Langem gegen "Sportsfreund" und andere rechte Szeneläden mobil. Ins Leben gerufen hat sie der Stephaniekreis der evangelischen Kirchengemeinde St. Michaelis und St. Stephani, zahlreiche Verbände, Organisationen und Kommunalpolitiker unterstützen die Kampagne.

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