Englands David Cameron Hilfloser Premier

Als Premierminister David Cameron vor Kurzem ankündigte, dass er eine dritte Amtszeit in Downing Street 10 ausschließe, rieben sich die Briten verwirrt die Augen. Weiß der konservative Politiker mehr als sie? Noch ist der 48-Jährige nicht für ein zweites Mandat wiedergewählt.
03.05.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Als Premierminister David Cameron vor Kurzem ankündigte, dass er eine dritte Amtszeit in Downing Street 10 ausschließe, rieben sich die Briten verwirrt die Augen. Weiß der konservative Politiker mehr als sie? Noch ist der 48-Jährige nicht für ein zweites Mandat wiedergewählt. Erst am 7. Mai entscheidet sich, ob er weitere fünf Jahre in Downing Street wohnen und arbeiten wird oder die Koffer packen muss. Und der Ausgang ist völlig offen. Dass Cameron mit seinen Äußerungen das Rennen um seine Nachfolge in den Reihen der Tories eröffnet und damit laut Medien riskiert hat, seinen Führungsanspruch innerhalb der Partei zu untergraben, gehört zu einer ganzen Serie von Pannen, die dem Premier in regelmäßigen Abständen unterlaufen.

Mittlerweile schieben es viele Konservative auf ihren Chef, dass die Tories trotz Wirtschaftsaufschwungs und sinkender Arbeitslosigkeit nicht in Führung liegen, sondern zugunsten der kleinen Parteien verlieren. Doch Cameron hatte in den vergangenen fünf Jahren viele Kämpfe auszufechten, unter anderem innerhalb der Tories, wo er den konservativen, EU-skeptischen Flügel beruhigen musste, der regelmäßig gegen seine „zu liberale Politik“ rebellierte – etwa, als er die Homo-Ehe durchsetzte.

Cameron wagte einen Spagat, der nicht immer glückte. Bei der Abstimmung über einen Syrien-Einsatz holte er sich statt einer Mehrheit eine politische Ohrfeige. Im von ihm angezettelten Machtkampf um den designierten EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker verlor der Engländer letztlich gegen seine europäischen Partner. Zwar schüttelte das internationale Publikum den Kopf über das blamable Auftreten, auf der Insel feierten ihn aber viele für den Aufstand und die „harte Hand“ gegenüber Brüssel. Gleichwohl gilt er als Getriebener von den EU-Hassern der Unabhängigkeitspartei Ukip. Um deren Erstarken zu verhindern und Hinterbänkler in den eigenen Reihen zu besänftigen, stellte er den Briten ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft für 2017 in Aussicht.

Hinzu kommt, dass ihm noch immer zahlreiche Briten vorwerfen, das Schottland-Referendum im Herbst vergangenen Jahres unterschätzt zu haben, als plötzlich die Abspaltungsbefürworter aufholten und Cameron erst in letzter Minute mit großen Zugeständnissen die Schotten zum Bleiben überreden konnte. Damit hat er die Büchse der Pandora geöffnet: Nun fordern auch Waliser, Engländer und Nordiren mehr Autonomie-Rechte.

Keine Frage, Cameron macht derzeit im Wahlkampf eine recht unglückliche Figur. So wollte sich der Premier kürzlich volksnah zeigen – ein Attribut, das Beobachter nicht unbedingt dem Absolventen der privaten Eliteschule Eton zuschreiben würden, auch wenn er zu Beginn seiner Amtszeit bei Tory-Anhängern als smart und charismatisch gefeiert wurde. Cameron, selbst begeisterter Hobby-Koch, saß also im Garten eines Wählers, bekam einen Hotdog serviert, und was machte der Premierminister? Er verspeiste Wurst und Brötchen mit Messer und Gabel. Die Presse lästerte, in sozialen Medien zogen die Briten über den Premier her. „Nur Silber-Service für die Privilegierten“, so ein Kommentar auf Twitter. Der Politiker, Absolvent der Universität Oxford, sei „zu fein, um sich die Hände schmutzig zu machen“, heißt es hinter vorgehaltener Hand bei einigen Tories. David Cameron kämpft derzeit nicht nur um seine zweite Amtszeit, sondern auch um sein politisches Schicksal. Dafür stellte er die Tories kürzlich sogar als „die wahre Partei der arbeitenden Leute“ dar. Die Kritik, er gebe nicht genug, reißt trotzdem nicht ab. Und Cameron? Er klagt: „Ich weiß nicht, was ich noch tun soll“, sagte er gerade erst in einem Interview, und wirkte recht hilflos dabei.

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