Mit Witz schwierige Sachverhalte besser platzieren "Humor ist Zeichen von Vertrauen im Team"

Die Humortrainerin Eva Ullmann wirbt bundesweit in Workshops und Vorträgen für mehr Heiterkeit bei der Arbeit. Auch Vorgesetzte können damit viele schwierige Sachverhalte besser platzieren oder soziale Spannungen abbauen, glaubt sie.
02.05.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Martin Wein

Die Humortrainerin Eva Ullmann wirbt bundesweit in Workshops und Vorträgen für mehr Heiterkeit bei der Arbeit. Auch Vorgesetzte können damit aus ihrer Sicht viele schwierige Sachverhalte besser platzieren oder soziale Spannungen abbauen, glaubt sie. Auch im Unterricht helfe thematisch passender Humor, komplexe Zusammenhänge zu vermitteln. Martin Wein sprach mit ihr über Arten der Heiterkeit und wieso Klassenkasper trotzdem nicht punkten.

Frau Ullmann, Humor und Arbeit – ist das nicht an sich schon ein Widerspruch?

Eva Ullmann: Das könnte man meinen. Ganz anders bei den Briten, die Humor als Teil ihres Alltags für selbstverständlich halten. Zum Glück sieht auch die deutsche Realität heute deutlich anders aus. Ich erlebe viele Menschen auch hierzulande im Arbeitskontext als sehr humorvoll. Allerdings bestehen häufig Zweifel, welcher Humor passend ist.

Lachen ist gesund, sagt der Volksmund.

Das kann man nicht per se sagen. Bei manchen Erkrankungen sollte man nicht lachen, etwa bei einem offenen Abszess. Es gibt sogar Leiden, bei denen Lachen Teil der Krankheit ist. Insgesamt aber ist wohlwollender Humor gut für die Seelenhygiene. Das ist klinisch nachgewiesen.

Wird im Arbeitsalltag insgesamt zu wenig gelacht?

In vielen Situationen herrscht übertriebene Ernsthaftigkeit. Da würde uns allen eine heitere Gelassenheit guttun, um weniger gestresst und insgesamt gesünder durch den Tag zu kommen. Oft ist Humor auch ein Zeichen von Vertrauen im Team und wirkt als Ventil in heiklen Projekt-Phasen oder nach Begegnungen mit schwierigen Kunden.

Humor und Führung kann allerdings schnell auch nach hinten losgehen.

Das ist ein schmaler Grat. Deshalb lohnt es sich gerade für Führungskräfte, aktiv zu erkunden, welche Art von Humor sicher ist und welche eher Probleme macht als eine Situation zu entspannen.

Was bringt denn überhaupt Humor im Arbeitsumfeld?

Wer den Einsatz von Humor beherrscht, ist insgesamt viel schlagfertiger. Zum Beispiel ist es sehr entlastend, eigene Patzer später mit einer humorvollen Erwiderung zu erzählen, die einem erst später eingefallen ist. Mit einer humorvollen Herangehensweise bekommt man viel leichter Aufmerksamkeit auch für komplizierteste Sachverhalte. Außerdem lassen sich angespannte Situationen mit dem richtigen Humor entkrampfen.

Humor ist allerdings etwas sehr Individuelles. Kann man das überhaupt lernen?

Muss man gar nicht. Alle Menschen haben Humor, aber viele setzen ihn nicht gezielt ein und steuern ihn falsch. Vielfach ist er in Vergessenheit geraten. Man kann ihn natürlich nicht einfach befehlen: „Mensch, hab mal ein bisschen mehr Humor!“ Das wäre der Killer schlechthin.

In welcher typischen Situation ist Humor denn sinnvoll?

Begeistert hat mich die Durchsage eines Busfahrers, der im vollen Gefährt die Fahrgäste in den hinteren Teil bitten wollte. Als er mit der üblichen Ansage nicht durchdrang, sagte er: „Alle Fahrgäste mit sauberer Unterwäsche treten bitte nach hinten durch“. Eine Führungskraft könnte in einem Meeting zum Beispiel sagen: „Oh, ich sehe, ihr seid völlig begeistert von meinem neuen Projekt.“ Wenn Dinge nicht funktionieren, wirkt eine irritierende und überraschende Bemerkung oft Wunder.

Wann wirkt so etwas künstlich?

Wenn es nicht aufgeht. Wer keine Witze erzählen kann, der muss das vorher üben. Oder er sollte lieber witzige Anekdoten oder Bilder verwenden. Nur eines geht überhaupt nicht: Einen Witz erklären wollen. Kein Brite würde das tun! Der würde einfach so lange warten, bis der Groschen gefallen ist. Außerdem wirkt ausufernder Humor eher anstrengend. Klassenclowns sind eine Plage.

Wann ist Humor angemessen und wann nicht?

Er ist dann angemessen, wenn man in einer Situation Menschen zum Lachen bringen möchte, das auch funktioniert und man hinterher wieder ernst wird. Das kann vor einer Schulklasse sein oder in einer Vorstandssitzung oder im Krankenhaus vor einer Operation. Es muss ja kein schwarzer Humor sein. So etwas geht auch liebevoll und positiv. Insofern ist Humor immer angemessen, aber die gewählte Form nicht immer passend. Gerade wenn die Spannung zunimmt, greifen die Leute häufig auf abwertenden und aggressiven Humor zurück, der sich über andere lustig macht, anstatt sozialen und wertschätzenden Humor einzusetzen.

Was tun, wenn’s schiefgeht?

Locker bleiben! Über einen Scherz werden niemals alle lachen. Konzentrieren Sie sich auf diejenigen, die es tun. Manche müssen erst auftauen und lachen dann beim zweiten oder dritten Versuch.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+