Luft und Raumfahrt

Ideen fürs All

Bremen ist eine Raumfahrt-Stadt. Wie sehr, das hat sich in den vergangenen zwei Tagen im GOP-Theater gezeigt. Beim Disrupt-Space-Summit haben Raumfahrtunternehmer, junge Gründer, Investoren und Weltraumexperten über neue Ideen nachgedacht.
09.04.2016, 00:00
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Ideen fürs All

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Cora Sundmacher

Bremen ist eine Raumfahrt-Stadt. Wie sehr, das hat sich in den vergangenen zwei Tagen im GOP-Theater gezeigt. Beim Disrupt-Space-Summit haben Raumfahrtunternehmer, junge Gründer, Investoren und Weltraumexperten über neue Ideen nachgedacht.

Daniel Faber meint es ernst. In den Weltraum fliegen, auf Asteroiden landen, nach Rohstoffen bohren und damit auch noch Geld verdienen. Genau das will Faber mit seiner Firma Deep Space Industries machen, die er 2013 gegründet hat. Und dafür redet er. Viel und schnell. Gerade möchte der Amerikaner von seinem tollen Team und dessen Begeisterung sprechen, als Applaus ihn unterbricht. Fabers Zeit ist um.

Fünf Minuten hatte er, um das Publikum und vor allem die Investoren-Jury auf dem Disrupt-Space-Summit im Bremer GOP-Theater zu überzeugen. Von sich, aber hauptsächlich von seiner Firma, seiner Idee. Zwei Tage lang haben sich Raumfahrtunternehmer, Investoren, Gründer und Experten in Bremen getroffen. Sie haben sich kennengelernt, vernetzt und sich einer großen Frage gewidmet: Wie kann die Erforschung des Weltraums die Probleme auf der Erde lösen?

Dabei standen nicht die großen Akteure wie Airbus Defence and Space, Nasa oder Esa im Vordergrund, sondern die kleinen, jungen. „Wir wollen junge Leute ermuntern, in der Raumfahrt mitzumischen“, sagt Izan Peris, der mit Hilfe von Freunden und der WFB Wirtschaftsförderung Bremen die Veranstaltung organisiert hat. Der Spanier arbeitet selbst in der Raumfahrtindustrie und hat erlebt, dass viele seiner Kollegen frustriert sind. Viele Strukturen seien zu festgefahren. „Mit dem Disrupt-Space-Summit wollen wir nun eine Plattform bieten.“

Das hat schon im vergangenen Jahr sehr gut funktioniert. Beim ersten europäischen Start-up-Weekend zum Thema Weltraum kamen im April zeitgleich Teilnehmer in Bremen und Schanghai zusammen. 60 Stunden hatten sie Zeit, sich Ideen für Weltraum-Start-ups zu überlegen, um sie am Ende zu präsentieren. Vier Teams gibt es noch ­heute – sie arbeiten an der Marktreife ihrer ­Geschäftsidee.

Auf Asteroiden Metalle und Wasser abbauen – mit dieser Idee haben sich Daniel Faber und seine Firma Deep Space Industries beim Bremer Disrupt-Space-Summit durchgesetzt.

Auf Asteroiden Metalle und Wasser abbauen – mit dieser Idee haben sich Daniel Faber und seine Firma Deep Space Industries beim Bremer Disrupt-Space-Summit durchgesetzt.

Foto: Cora Sundmacher

Und auch dieses Jahr haben viele Teilnehmer unter Hochdruck gearbeitet. Denn neben bereits existierenden Firmen wie Deep Space Industries haben sich einige Teilnehmer auch besonderen Aufgaben gewidmet. Innerhalb von nur 24 Stunden haben sie in kleinen Teams vorgegebene Fragestellungen bearbeitet. Das World Food Programm der Vereinten Nationen wollte von den Weltraumexperten etwa wissen, wie Landwirte in Entwicklungsländern mit Hilfe von Satellitenbildern und Geo-Daten ihre Felder besser bestellen können. Eine Firma aus dem Silicon Valley hat die Aufgabe gestellt, innovative Geschäftsmodelle für den Einsatz von 3-D-Druckern auf der Internationalen Raumstation ISS zu entwickeln. Und auch Airbus Defence and Space mit Sitz in Bremen hat die Kreativität der Teilnehmer getestet. Der Konzern wollte wissen, wie ­globale Zusammenarbeit gefördert werden kann, die auf bereits bestehender Infrastruktur wie der ISS oder Satelliten aufbaut.

Für das Unternehmen ist die Beteiligung an dieser Veranstaltung auch eine Investition ins eigene Geschäft. „Man muss seine Innovationen selbst machen“, sagt ein Sprecher von Airbus Defence and Space. „Die Raumfahrt bleibt nicht auf der Stelle stehen.“ Da sei es wichtig, den Kontakt zur Start-up-Szene zu pflegen und so bei neuen Projekten dabei zu sein. Denn auch wenn andere Raumfahrtunternehmen potenziell immer Konkurrenten sind, so geht es eigentlich kaum ohne Kooperationen. „Bei manchen Projekten ist OHB etwa unser Partner, bei anderen unser Konkurrent“, sagt der Sprecher. Er bringt es auf eine einfache Formel: „Wenn du Weltraum machst, machst du das in der Regel nicht alleine.“

Das sind auch die Erfahrungen von Cem Avsar. Der Mitarbeiter im Fachgebiet ­Raumfahrttechnik der Technischen ­Universität Berlin ist nach Bremen gekommen, um Kontakte mit Firmen zu knüpfen. Er hofft auf mögliche Kooperationspartner für ­seinen Studiengang. Mit ­Yawen ­Huang-Wolff von der Firma Astro- und Feinwerktechnik hat er sich in der Mittagspause ­unterhalten. Das Berliner Unternehmen hat beispielsweise ein Stativ für die ISS entwickelt. Solche ­Begegnungen freuen Organisator Peris. Er sieht die gesamte Branche im Aufwind. „Im vergangenen Jahr ­haben ­Raumfahrt-Start-ups so viel Risikokapital bekommen, wie in den vergangenen 50 Jahren zusammen.“

Wie wichtig kleine und junge Technikfirmen für die Raumfahrtindustrie sind, zeigt auch eine Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft. Sie stellt fest, dass diese Unternehmen eine große Bedeutung für die Branche haben, die sich derzeit in einem Wandel befindet. Demnach geht es heute nicht mehr vorrangig darum, Technik zu entwickeln, sondern sich Anwendungsfelder zu überlegen. Eben so, wie es die Teilnehmer beim Bremer Disrupt-Space-Summit am Donnerstag und Freitag getan haben.

Am Ende des Treffens hat die Leidenschaft gesiegt. Auch wenn Faber seine Präsentationszeit etwas überzogen hat, sieht die Investoren-Jury in Deep Space Industries am meisten Potenzial. Firmen könnten so ihre Transportkosten reduzieren und die Ressourcen der Erde würden geschont. 2023 soll der Abbau von Metall und Wasser auf Asteroiden beginnen, so hofft Faber. Ein weiterer Schritt dahin ist nun getan.

Bremer Start-up-Monat Das Disrupt-Space-Summit war nur der Auftakt für einen ganzen Monat mit Veranstaltungen für Start-ups. Im April gibt es viele Angebote für die Gründerszene. Vom 22. bis zum 24. April geht es etwa um innovative Modelle für erneuerbare Energien, Recycling und umweltfreundlichen Transport. Am 29. April können sich Start-ups aus dem Technologiebereich beim Pioneers Bremen vernetzen.
„Wenn du Weltraum machst, machst du das in der Regel nicht alleine.“ Ein Airbus-Sprecher
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