Förderkinder an der Oberschule Inklusion: Bremer Bildungsbehörde unter Druck

Bremen. 114 von 227 Bremer Förderschulkindern werden ab nächstem Schuljahr an eine Oberschule gehen. Die bisherigen Überlegungen der Behörde zur konkreten Umsetzung hält die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft für nicht ausreichend.
16.02.2010, 13:26
Lesedauer: 2 Min
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Von Meike Lorenzen

Bremen. 114 von 227 Bremer Förderschülern (ehemals Sonderschüler) werden ab dem nächsten Schuljahr an eine Oberschule gehen. Die Einbindung nennt sich im Fachjargon Inklusion und stellt Bremens Lehrer im Schulalltag vor neue Herausforderungen. In einer Pressemitteilung forderte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) massive Unterstützung durch die Bildungsbehörde.

Zwei Drittel der Eltern von Kindern mit Defiziten in den Bereichen Lernen, Sprache und Verhalten haben sich entschlossen, ihren Nachwuchs auf eine Regelschule zu schicken. Damit sind sowohl Kinder mit Behinderungen, Sprachstörungen, aber auch aggressive und verhaltensauffällige Kinder gemeint.

Nach Vorstellungen der Bildungsbehörde sollen die inklusiven Klassen sich aus 17 Regelschülern und bis zu fünf Förderschülern zusammensetzen. Betroffen sind nur die Oberschulen, die Gymnasien (Abitur in zwölf Jahren) bleiben von der Regelung ausgeschlossen. Zur zusätzlichen Betreuung will die Behörde einen Sozialpädagogen oder eine Sozialpädagogin auf Halbtagsbasis einstellen.

Der GEW ist das nicht genug. Sie fordert kleinere Klassen und maximal vier Schüler und Schülerinnen mit Lerndefiziten. Außerdem sei es sinnvoll, in dem Übergangsjahr eine ganze Förderschulkraft einzustellen, um ein pädagogisches Konzept zu erarbeiten, hieß es. Zusätzlich benötigten die Lehrer weitere pädagogische Mitarbeiter sowie ausreichende Fortbildungsangebote.

Noch ist unklar, inwieweit die Bildungsbehörde auf die Forderungen der GEW eingehen wird. Reagieren muss sie jedoch, denn auch von Seiten der Eltern wächst der Druck. Dass 33 von 162 fünften Klassen in Bremen nach den Sommerferien inklusiv sein sollen, beunruhigt viele Väter und Mütter. „Wenn man uns gesagt hätte, ab Sommer hat jede Schule eine inklusive Klasse, dann hätten wir gesagt, wir lehnen das ab“, sagt Antje Moebus, Vorstandssprecherin im Zentralelternbeirat.

Grundsätzlich unterstützen die Eltern den gemeinsamen Unterricht von Förder- und Regelschülern. Derzeit sehen sie allerdings nicht, wie diese pädagogische Herausforderung so schnell gestemmt werden soll. Dabei geben sie zu bedenken, dass alleine die Einführung der Oberschule noch viele unbekannte Aufgaben für die Lehrer mit sich bringe. „Da gibt es Gymnasiallehrer, die sollen plötzlich leistungsdifferenzierten Unterricht anfangen. Das ist für viele völlig neu“, so Moebus.

Das Konzept der Inklusion wurde von den Vereinten Nationen gefordert. Als erstes Bundesland hat Bremen den Inklusions-Anspruch in seinem Schulgesetz verankert.

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