Mehrwert durch "bremische Lösung" Interview: Bankenchefs zur Neelmeyer-Übernahme

Seit Dienstag ist bekannt: Die Bremer Kreditbank übernimmt das Bankhaus Neelmeyer. Nun sprechen die Vorstandchefs Axel Bartsch und Frank Schlaberg über Mitarbeiter-Reaktionen und einen möglichen Stellenabbau.
17.03.2016, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Interview: Bankenchefs zur Neelmeyer-Übernahme
Von Maren Beneke

Seit Dienstag ist bekannt: Bremer Kreditbank übernimmt das Bankhaus Neelmeyer. Nun sprechen die Vorstandchefs Axel Bartsch und Frank Schlaberg über Mitarbeiter-Reaktionen und einen möglichen Stellenabbau.

Lange wurde hinter vorgehaltener Hand auf dem Marktplatz drüber getuschelt, nun haben Sie bekannt gegeben, dass sich Ihre beiden Institute zusammentun: Was ist das für ein Gefühl?

Axel Bartsch: Das ist eine totale Befreiung. Die Gerüchtewelt ist uns nicht verborgen geblieben – das war keine gute Zeit für Kunden und Mitarbeiter, weil die Gerüchte für Verunsicherung gesorgt haben. Trotzdem ist es natürlich sinnvoll und notwendig, hinter verschlossener Tür zu verhandeln. In einem solch komplexen Prozess, was das Zusammengehen zweier Banken ohne Frage ist, hat man anfangs eine gemeinsame Idee. Aber beide Seiten müssen sich Stück für Stück annähern. Und das dauert seine Zeit.

Frank Schlaberg: Der Vorteil ist, dass niemand so wirklich überrascht war. Die Transaktion ist eine sehr gute Nachricht für Bremen, denn es gibt nun eine bremische Lösung. Kunden und Mitarbeiter verstehen, dass sich hier zwei Banken zusammentun, die perfekt zueinander passen: Die BKB ist gut im Firmenkundengeschäft aufgestellt, sie hat in diesem Segment mehr Produkte und einen breiteren Kreditrahmen als wir. Dadurch können wir auch unseren Kunden zukünftig ein breiteres Produktspektrum anbieten. Das Bankhaus Neelmeyer ist stark im gehobenen Privatkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung. Wir sind eine attraktive Bank. Durch den Zusammenschluss können wir den BKB-Kunden einen echten Mehrwert bieten und möglicherweise auch Neelmeyer über Bremen und Bremerhaven hinaus noch stärker bekannt machen.

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Wie lange haben Sie verhandelt?

Bartsch: Es gibt in Europa nicht so viele Banken, die in der glücklichen Lage wie die BKB Bank sind, sich verschiedene Institute für eine mögliche Übernahme anschauen zu dürfen. Von der ersten Idee, dass Neelmeyer ein geeigneter Kandidat sein könnte, bis zur Vertragsunterzeichnung am Montag, hat es einige Monate gedauert.

Steht bald der nächste Kauf an?

Bartsch: Zusammen erreichen die BKB und Neelmeyer eine gewisse Größe. Ob das schon ausreicht? Ich weiß es nicht. Wir schauen uns den europäischen Bankenmarkt auch weiterhin genau an. Es gibt aber keine konkreten Gespräche.

Wie haben die Mitarbeiter der jeweiligen Banken auf die Nachricht reagiert?

Bartsch: Die meisten haben sehr positiv reagiert. Bei uns hat es in der Mitarbeiterversammlung sogar Beifall gegeben.

Was bei der übernehmenden Bank keine Überraschung ist. Wie sorgenvoll sind die Neelmeyer-Angestellten darüber, dass es bald einen neuen Besitzer gibt?

Schlaberg: Unsere Mitarbeiter haben erkannt, dass der Zusammenschluss sinnvoll ist – nicht nur für die Kunden, sondern auch für die Mitarbeiter. Und ja: Auch bei uns gab es Applaus.

Wenn BKB und Neelmeyer zusammengehen, entsteht Bremens drittgrößte Bank. Alle Institute haben aktuell mit niedrigen Zinsen und den zunehmenden gesetzlichen Anforderungen zu kämpfen. Ist die Stärke, die ein Zusammenschluss mit sich bringt, der einzige Weg, um auf dem Markt bestehen zu bleiben?

Bartsch: Wir sind uns beide bewusst, dass wir allein eine schwierigere Zukunft haben als zusammen. Natürlich geht es beiden Instituten gut, und es stellen sich keine Existenzfragen. Aber unsere Aufgabe als Management ist es, über den Tag hinauszuschauen. Und wer in weitere Ferne blickt, der weiß, dass Banken in unseren Größenordnungen in dieser Situation die ein oder andere Herausforderung mehr haben als große Konzerne, die beispielsweise standardisierter agieren können und wollen als wir.

Würde es Ihre Banken allein auf sich gestellt unter den aktuellen Voraussetzungen in zehn Jahren noch geben?

Schlaberg: Ein ganz klares Ja. Denn unser Geschäftsmodell ist für Bremen einmalig und wir bieten unseren Kunden einen echten Mehrwert.

Bartsch: Das kann ich für unsere Bank auch sagen.

Welche Vorteile gibt es für Ihre Kunden? Senken Sie künftig die Kontoführungsgebühren oder die Dispozinsen?

Bartsch: Wir werden Größe gewinnen, aber klein bleiben. Klein bleiben bedeutet, dass wir individuell und flexibel reagieren können. Der Schwerpunkt beider Banken liegt in der Beratung – und da entscheidet am Ende nicht der Preis, sondern die Qualität.

Das bedeutet, die Kunden haben gar nichts davon.

Bartsch: Doch, natürlich. Zusammen können wir uns unser Geschäft – also den Schwerpunkt Beratung – besser leisten.

Schlaberg: Neelmeyer hat als Kernkundschaft die Bremer Kaufmannschaft. In diesem Kundensegment – und insbesondere im Asset Management – sind wir in den vergangenen zwei Jahren als Bank trotz des schwierigen Umfeldes stark gewachsen und wollen unsere Stellung weiter ausbauen. In Zukunft können wir noch mehr in die Beratung, die uns als Bank auszeichnet, investieren.

Die Informationen zum Kauf sind bislang spärlich. Wie wird die neue Bank aussehen – welchen Namen wird das neu geschaffene Institut tragen, wo wird es seinen Hauptsitz haben?

Schlaberg: Erst einmal sind nur die Verträge unterschrieben. Bis die Behörden entschieden haben, passiert gar nichts, denn bis dahin steht der Kauf und damit der Eigentümerwechsel unter Vorbehalt. Sicherlich werden wir erste Ideen für die Zeit nach dem Closing entwickeln.

Bartsch: Wir müssen die Markenkerne, soweit es geht, vollständig erhalten. Für die Produkte, für die Neelmeyer steht, wird auch in Zukunft die Marke Neelmeyer stehen – und umgekehrt. Konkretere Antworten auf die Fragen gibt es im Moment noch nicht. Fest steht: Wir werden und müssen die notwendigen Synergien heben.

Synergien ist oft nur ein Synonym für Stellenabbau. Viele Positionen in Ihren Banken dürften beispielsweise im Backoffice aktuell doppelt besetzt sein. Wie viele Stellen sollen durch die Übernahme gestrichen werden?

Bartsch: Es ist sehr wahrscheinlich, dass die eine oder andere Stelle im Zuge der Umstrukturierungen wegfällt. Auch hierzu können wir noch keine konkreten Zahlen nennen. So weit sind wir noch nicht.

Die BKB Bank ist in der Hand von britischen und US-amerikanischen Gesellschaftern. Es besteht die Sorge, dass der Druck auf die Mitarbeiter weiter steigen könnte. Wie begegnen Sie dieser Sorge?

Bartsch: Solche Äußerungen spielen mit Vorurteilen. Wir sind Wirtschaftsunternehmen, wir wollen Geld verdienen und brauchen dafür Kapital. Will eine einzelne Person, die vielleicht aus demselben Ort wie die Bank stammt, als Gesellschafter weniger Geld verdienen als einer, wie wir ihn haben? Das würde ich ganz stark bezweifeln. Es ist ein legitimer Anspruch eines jeden Aktionärs, Geld für sein Investment zu bekommen.

Wie viel Einfluss werden die Eigentümer auf die neue Bank geltend machen?

Bartsch: Zunächst einmal: Es gibt bei uns keinen Mehrheitsgesellschafter. Die Zusammenarbeit mit den Gesellschaftern und uns ist äußerst positiv und professionell. Hinter den Gesellschaften stehen auch nur Menschen, und die schätzen unser Haus und unsere Arbeit. Außerdem haben wir – im Gegensatz zu vielen anderen Instituten – Spielraum im Kapital. Wir tauschen uns über Strategien aus, aber die unternehmerischen Entscheidungen für die Bank werden natürlich in Bremen getroffen.

Wenn wir uns in einem Jahr zusammensetzen, um über den Fortschritt der neuen Bank zu sprechen: Wer von Ihnen wird dann in seiner Funktion als Vorstand wieder dabei sein?

Schlaberg: Meine Familie und ich sind vor zweieinhalb Jahren nach Bremen gekommen und fühlen uns hier sehr wohl. Ich stehe voll hinter der Transaktion, weil sie wahnsinnig viel Sinn macht. Ich werde dem Bankhaus in nächster Zukunft mit Sicherheit erhalten bleiben. Und über alles weitere muss dann in Ruhe gesprochen werden.

Bartsch: Sofern – gesundheitlich – nichts dazwischenkommt, lautet die Antwort für mich ja.

Das Gespräch führte Maren Beneke.

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