„Digitales Wirtschaftswunder kommt“ Interview mit Microsoft-Chefin Sabine Bendiek

Sabine Bendiek, Chefin von Microsoft Deutschland, äußert sich im Interview zu den Chancen neuer Technologien und der damit verbundenen Zusammenarbeit zwischen Microsoft und Werder Bremen.
18.10.2016, 00:00
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Interview mit Microsoft-Chefin Sabine Bendiek
Von Lisa Schröder

Sabine Bendiek, Chefin von Microsoft Deutschland, äußert sich im Interview zu den Chancen neuer Technologien und der damit verbundenen Zusammenarbeit zwischen Microsoft und Werder Bremen.

Frau Bendiek, sind Sie Fan von Werder Bremen?

Sabine Bendiek: Als gebürtige Hamburgerin ist es eine Herausforderung, Fan von Werder Bremen zu sein. Hamburg ist immer noch meine Heimat, ich habe dort einen großen Teil meines Lebens verbracht.

Dennoch haben Sie gerade eine Zusammenarbeit mit Werder abgeschlossen. Worum geht es dabei?

Digitalisierung ist ein wichtiges Thema im Profifußball: Das geht bei der Analyse der Mannschaft los und reicht bis zum Management der Fan-Basis. Werder setzt ab sofort auf unsere Cloud. Die Daten werden dabei in Rechenzentren gespeichert. Durch diese Lösung können zum Beispiel Spiele und Videos live gestreamt werden, der Verein kann mit seinen Fans interagieren. Werder Bremen hat gesehen, welches Potenzial die Digitalisierung im Sport hat.

Werder hat sich also in die Cloud gewagt. Ist die Digitalisierung in der Bundesliga denn schon richtig angekommen?

Mittlerweile gibt es eine Reihe von Vereinen, die auf unsere Plattform setzen. Real Madrid war für Microsoft der Vorreiter. Was dort passiert ist, haben sich viele Vereine genau angeschaut.

Welche Bedeutung hat der Sport für Sie als Geschäftsfeld?

In erster Linie geht es um die Sichtbarkeit: Für die Menschen wird klarer, was die Cloud eigentlich leisten und wofür man sie verwenden kann. Gleichzeitig wird deutlich, warum es Sinn macht, auf solche Technologien zu setzen. Profifußballvereine sind ja nichts anderes als mittelständische Unternehmen.

In München haben Sie gerade Ihre neue Deutschland-Zentrale eröffnet. Liegt da nicht eigentlich eine Zusammenarbeit mit dem FC Bayern viel näher?

Das liegt geografisch ganz nahe. Grundsätzlich sprechen wir mit vielen Fußballvereinen.

Anfang Oktober hat Microsoft eine Denkschrift mit dem Titel „A Cloud for Global Good“ für Wirtschaft und Politik herausgegeben, um eine Diskussion über die digitale Transformation anzustoßen. Wie waren bisher die Reaktionen?

Das Interesse ist sehr groß, die Reaktionen positiv. Viele finden es richtig, dass Microsoft als Unternehmen den Dialog sucht. Wir machen sehr klar, was die Standards sind, an denen wir uns messen. Wir sprechen darin über die Verantwortung, die wir, die Politik und die Gesellschaft übernehmen müssen. Die Frage ist: Wie schaffen wir es, diese Technologien zum Besten der Gesellschaft einzusetzen?

Digitale Transformation – was bedeutet das für die Unternehmen?

Das heißt, dass jede Industrie anfangen kann, neue Geschäftsmodelle und neue Dienstleistungen auf Basis von anderen Voraussetzungen anzubieten. Es geht darum, frühzeitig zu verstehen, wie dem Kunden ein Mehrwert geboten werden kann. Thyssen-Krupp ist dafür ein Beispiel. Das Unternehmen hat seine Aufzüge smart gemacht und kann so besser vorhersagen, wann eine Wartung notwendig ist, noch bevor es einen Ausfall gibt. Oder nehmen Sie Vorwerk: Die Firma bietet für den Thermomix digitale Kochbücher an. Diese neue Idee hat sich zu einem Zusatzumsatz entwickelt.

Wie steht es denn um die digitale Infrastruktur in Deutschland?

Wir sind in Deutschland bei der Nutzung von Cloud-Strukturen eines der Länder mit der geringsten Nutzung weltweit. Wir zeichnen uns durch sehr große Vorsicht im Bereich Datensicherheit und -schutz aus, was durchaus gesund ist. In Sachen Infrastruktur sind wir auf dem richtigen Weg. Wir müssen uns vielmehr auf die Ausbildung fokussieren, auf die Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen, mit Software umzugehen und sie zu entwickeln. Insbesondere in der Schule sehen wir eine Lücke. Wir haben noch ganz viel Bedarf, die Scheu vor Technologie zu adressieren – auch bei denen, die ausbilden.

Experten sagen, dass technologische Weichenstellungen hierzulande verpasst wurden. Sie prognostizieren dagegen, Deutschland könnte ein digitales Wirtschaftswunder erleben. Passt das zusammen?

Wir glauben an das digitale Wirtschaftswunder, weil wir an die Stärke der industriellen Basis in Deutschland glauben. Wenn wir uns die nächste große Welle ansehen – manche nennen sie das Internet der Dinge, andere die Industrie 4.0 – dann hat Deutschland einen tollen Startpunkt. Wir haben viele kluge innovative Köpfe. Was wir hinzufügen müssen ist der Mut, unternehmerisch Entscheidungen zu treffen und Dinge auszuprobieren.

Digitalisierung, Internet der Dinge, Industrie 4.0 – sind diese Entwicklungen schon beim Mittelstand angekommen?

Es gibt schöne Beispiele von Unternehmen, die weit vorausdenken. Es sind aber immer noch Leuchttürme. Ganz viele Studien zeigen, dass der Mittelstand in der Breite zu zögerlich ist, die digitalen Technologien konsequent umzusetzen. Das wollen wir mit unseren Partner und auch von der von Ihnen angesprochenen Denkschrift ändern. Wenn es darum geht, Konsumenten anzusprechen, ist Deutschland sicher nicht weit vorne.

Cloud-Computing sehen Sie als Voraussetzung, damit die Digitalisierung gelingt. Daten liegen dabei nicht mehr auf eigenen Servern, sondern auf Rechnern in der ganzen Welt. Sie sind vernetzt. Warum geht es nicht ohne die Datenwolke?

Wenn man Produkte klug macht, dann sammeln Sensoren viele Daten – und das tun sie ständig. Man braucht ein Modell, das diese Daten auffängt, analysiert, sie miteinander in Beziehung setzt und das wachsen kann. Die Anwendung wird dabei schlauer und treffsicherer, je mehr Daten sie sammelt. Das sind die Dinge, die die Cloud in sich vereint.

Microsoft hat in Deutschland mehrere Milliarden in seine Cloud-Infrastruktur investiert. Wie wird die Cloud made in Germany bisher angenommen?

Wir sehen ein großes Interesse – interessanterweise auch aus anderen Ländern. Es gibt eine Nachfrage über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg, besonders aber, wenn es um sensible Daten wie im Gesundheitswesen, im Banken- und Versicherungswesen geht oder um die Daten Dritter.

Skepsis gibt es dennoch. Warum sind Ihre Rechenzentren in Frankfurt am Main und Magdeburg sicherer als eine Cloud in Dubai oder im Unternehmen selbst?

Wir sind einer der weltweit größten Betreiber von Rechenzentren und die Microsoft Cloud Deutschland ist unsere Antwort auf die wachsende Nachfrage nach solchen Diensten in Deutschland und Europa. Es gilt immer zu bedenken, ob ein Unternehmen den Schutz in demselben Maßstab selbst hinbekommt. Zusammen mit der T-Systems als Datentreuhänder haben selbst wir keinen Zugriff auf die in der Microsoft Cloud Deutschland gespeicherten Daten. Und zumindest emotional ist Deutschland auch ein Standortvorteil.

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