Wahlen in Corona-Zeiten

Erik Wankerl: „Das Individuum steht mehr im Vordergrund“

In diesem Jahr wird der Wahlkampf unter anderen Bedingungen stattfinden müssen. Experte Erik Wankerl erläutert im Interview, was den diesjährigen Wahlkampf besonders macht und wie er diesen führen würde.
16.02.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Erik Wankerl: „Das Individuum steht mehr im Vordergrund“
Von Frieda Ahrens

Der Wahlkampf dieses Jahr wird wegen Corona größtenteils im Internet stattfinden. Was macht das für einen Unterschied?

Erik Wankerl: Es ist momentan nicht möglich, von Haus zu Haus gehen oder große Veranstaltungen mit den Wählerinnen und Wählern durchzuführen. Der Wahlkampf verlagert sich in die sozialen Medien. Diese Kanäle werden genutzt, um mit Wählern in Dialog zu treten, häufig durch Live-Funktionen bei Instagram und Facebook.

Geht damit einher, dass sich inhaltlich etwas ändern muss?

Gerade in sozialen Medien ist Authentizität sehr wichtig. Bei einer klassischen Wahlveranstaltung wird viel inszeniert, man hat Reden und Skrip­te einstudiert. Das geht bei Social Media nicht so einfach. Das Individuum Politiker steht mehr im Vordergrund, weniger die Partei. Ich sehe darin aber auch eine Chance: Auf beiden Seiten wird eine Verjüngung stattfinden. Einerseits werden durch Social Media eher junge Menschen erreicht, andererseits wird es jungen Politikerinnen und Politikern einfacher fallen, sich auf sozialen Kanälen durchzusetzen, da sie deren kommunikative Regeln bestens kennen.

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Wie erreichen die Parteien trotzdem die ältere Generation?

Das wird schwieriger. Unter Einhaltung der Hygienevorschriften könnte man auf dem Marktplatz Infostände aufstellen. Klassische Werbemittel wie Plakate und Postwurfsendungen könnten eine Renaissance erleben, Zeitung und Fernsehen sind weiter wichtig.

Wird dadurch die Reichweite steigen?

Nein, nicht wirklich. Im Internet kann man, wenn man es gut macht, schnell eine sehr große Reichweite erzielen. Im Marketing gilt: Bei einer kleinen, definierten Zielgruppe von 200 Personen kann eine Postwurfsendung mit einem gut gemachten Flyer Sinn machen. Bei 20.000 Personen wird das kostentechnisch und logistisch schwieriger, zumal bei dieser Zahl auch die Kosten explodieren.

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Und was ist mit Plakaten?

Plakate folgen strengen gestalterischen und kommunikativen Regeln. Im Alltag eilen wir an ihnen vorbei, und es bleiben nur wenige Sekunden, um ihre Kernbotschaft zu er­fassen. Was nimmt man da eigentlich mit? Plakate sind meistens nur eine Aufmerk­samkeitsstütze, zur tieferen weiteren Aus­einandersetzung mit dem Thema geht es dann oft ins Internet. Sie eignen sich, um Interesse zu wecken – aber nicht, um zu informieren.

Was wäre denn Ihr Masterplan als Wahlkampfmanager in dieser Zeit?

Das wichtigste Thema ist Vertrauen. Gegenüber der Politik ist das in den letzten Jahren immer weniger geworden. Das heißt für die Kommunikation: ein bis drei klare, differenzierte und relevante Botschaften, die nicht an den Bedürfnissen der Bürger vorbeigehen. Die müssen transparent und verständlich im Internet aufbereitet sein. Außerdem müssen die Top-Kandidaten sicht­bar und auf verschiedenen sozialen Kanälen vertreten sein. Grundsätzlich sollten zeitgemäße Kampagnen immer als Multi-­Channel aufgebaut werden. Das bedeutet, dass alle klassischen und digitalen Kanäle vernetzt sind. Auch im Wahlkampf ist das wichtig. Die Kandidaten müssen nahbar sein, ich muss als Wähler mit ihnen in Kontakt treten können. Politiker müssen eindeutig zeigen, wofür die Partei steht und was das zentrale Thema ist.

Das Gespräch führte Frieda Ahrens.

Info

Zur Person

Erik Wankerl (45) ist Kreativdirektor in den Bereichen Strategie und Konzept bei der Bremer Markenagentur Moskito.

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