Rede von Christian Weber ausgefallen Irritation bei Polen-Besuch

Eigentlich sollte der Bremer Bürgerschaftspräsident Christian Weber bei der Gedenkfeier zur Befreiung des deutschen Konzentrationslagers Stutthof eine Rede halten - aber dazu kam es nicht.
12.05.2016, 00:00
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Irritation bei Polen-Besuch
Von Carolin Henkenberens

Eigentlich sollte der Bremer Bürgerschaftspräsident Christian Weber bei der Gedenkfeier zur Befreiung des deutschen Konzentrationslagers Stutthof eine Rede halten - aber dazu kam es nicht.

Er war am Montag nach Polen gereist, um zum 71. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Stutthof eine Ansprache zu halten. 65.000 Menschen sind in dem Lager bei Danzig damals umgekommen. Weber wollte der Opfer des Nazi-Terrors gedenken. Er wollte über deutsch-polnische Versöhnung, ein vereintes Europa und Bremens Verbindung zur Partnerstadt Danzig sprechen.

Dazu kam es nicht. Der Moderator habe ihn zwar begrüßt, sagt Weber, aber nicht ans Rednerpult gerufen. Mit dem Manuskript in der Hand habe er auf seinen Einsatz gewartet. „Irgendwann merkten wir, dass wir nicht erwünscht sind.“ Die deutsche Generalkonsulin in Danzig, Cornelia Pieper, erhielt nach der Feier ebenso keine Erklärung. „Keine Entschuldigung, nichts“, sagt Weber.

Schon bei der Platzwahl habe Weber sich gewundert: Er habe ganz am Rand sitzen müssen – ungewöhnlich für offizielle Gäste. Auch bei der Kranzniederlegung habe niemand der deutschen Delegation Aufmerksamkeit geschenkt, zwischen Pfadfindergruppen legten die Vertreter zwei Kränze nieder.

Weber mutmaßt, dass die nationalkonservative Regierung in Warschau seinen Auftritt verhindern wollte. „Man liest viel über die Gesetzesänderungen seit dem Amtsantritt der Kaczynski-Partei“, sagt Weber. „Und plötzlich spürt man es selbst.“ Er weiß, dass er nur spekulieren kann über die wahren Gründe. Aber es sei ja auch kein Grund genannt worden. Weber fasst den Vorfall als „Affront“ auf, vor allem gegenüber der deutschen Konsulin. „Frau Pieper vertritt ja den deutschen Außenminister in Polen.“

Das Auswärtige Amt hatte am Mittwoch noch keine Kenntnis von diesem Vorfall. Die Generalkonsulin in Danzig war nicht erreichbar. Ähnliche Vorfälle habe es seit Amtsantritt der Szydlo-Regierung noch nicht gegeben, sagte eine Sprecherin.

„Ich glaube nicht, dass es ein Versehen gewesen ist."

Der einstige Bremer Bürgerschaftsabgeordnete Hermann Kuhn (Grüne), der ein Buch über die Geschichte des Vernichtungslagers geschrieben hat, war ebenfalls mit nach Stutthof gereist. Er sagt: „Ich glaube nicht, dass es ein Versehen gewesen ist. Aber ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen.“

Immerhin: Die Städtepartnerschaft zwischen Bremen und Danzig, die seit fast 40 Jahren besteht, sieht Weber nicht bedroht. „Der Danziger Bürgermeister hat uns am Abend sehr freundschaftlich empfangen.“ Im von der EU geförderten Solidarnosc-Museum habe man einen schönen Diskussionsabend verbracht, der Direktor Basil Kerski sei auch dabei gewesen. Ein Kontrastprogramm zur Kühle am Vormittag.

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