Terminalbetreiber Eurogate wächst weiter Jade-Weser-Port auf Kurs zur Gewinnschwelle

Die Eurogate-Gruppe, nach eigenen Angaben Europas führendes Containerumschlagsunternehmen, hat im Jahr 2014 insgesamt 14,9 Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen - die bislang höchste Umschlagsmenge in der Firmengeschichte.
14.04.2015, 08:05
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Jade-Weser-Port auf Kurs zur Gewinnschwelle
Von Peter Hanuschke

Trotz des Verlustbringers Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven blickt der Eurogate-Konzern insgesamt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück: Deutschlands größter Containerterminalbetreiber, der in Europa an elf Standorten vertreten ist, steigerte 2014 sein Betriebsergebnis (Ebit) um 10,2 Prozent auf 76,5 Millionen Euro. Der Containerumschlag erreichte den höchsten Wert in der Firmengeschichte

und erhöhte sich um 4,2 Prozent auf insgesamt 14,8 Millionen Standardcontainer (TEU) – dafür sorgten vor allem Bremerhaven (5,77 Millionen), Hamburg (2,28) sowie die italienischen Häfen Gioia Tauro (2,93) und La Spezia (1,1).

Als „noch völlig unbefriedigend“ beschrieb Emanuel Schiffer, Vorsitzender der Eurogate-Gruppengeschäftsführung, am Montag beim Jahresrückblick die Situation am einzigen deutschen Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven. Den Verlust für den Jade-Weser-Port (JWP) wollte Schiffer nicht genau beziffern: Er sei aber geringer als noch ein Jahr zuvor – da waren es 38 Millionen Euro. Was die Geschäftsentwicklungen für den JWP angeht, blickt Schiffer allerdings optimistisch in die Zukunft: „Spätestens 2016 wollen wir den Break-even-Point schaffen.“

Beitragen, den Punkt, an dem Erlös und Kosten gleich groß sind, zu erreichen, soll die neue Generation der Großcontainerschiffe – für die Eurogate-Gruppe insgesamt eine der großen Infrastruktur-Herausforderungen der nächsten Jahre. „Wilhelmshaven ist unsere Antwort auf die fortschreitende Schiffsgrößenentwicklung“, so Schiffer. „Wir gehen davon aus, dass in fünf Jahren alle Fernost-Nordeuropa-Dienste mit Schiffen zwischen 15 500 und 22 000 TEU betrieben werden.“ Und mit den Großcontainerschiffen werde Wilhelmshaven „sehr schnell fliegen“, sagte Thomas Eckelmann, ebenfalls Vorsitzender der Eurogate-Gruppe.

Erste Anzeichen, dass der Tiefwasserhafen von den Containerriesen künftig regelmäßig angelaufen wird, gab es bereits in den ersten Monaten dieses Jahres: Der Eurogate-Terminal in Wilhelmshaven wird von der neuen 2M-Allianz, die sich aus der dänischen Mærsk- und der italienisch-schweizerischen MSC-Reederei zusammensetzt, genutzt – seit anderthalb Monaten mit zwei Hauptschiffsliniendiensten im Fernost-Europa-Verkehr und mit drei Feeder-Liniendiensten. Außerdem startete Mærsk einen dritten Dienst mit Fahrtgebiet Mittlerer Osten. Dass dennoch auch die beiden größten Containerhäfen Hamburg und Bremerhaven weiter angelaufen werden, davon geht Schiffer aus – allerdings unter erschwerten Bedingungen. Und daran werde auch nicht die mögliche Vertiefung von Weser und Elbe etwas ändern.

Auf der Elbe gibt es nach Angaben Schiffers schon heute zwischen der Insel Neuwerk und dem Hamburger Hafen ein Begegnungsverbot für die Riesen. Wartezeiten seien so unvermeidbar. Jedes Großcontainerschiff brauche zudem jedes Mal eine Ausnahmegenehmigung. Im Hafen müssten beim Ein- und Auslaufen sämtliche Ausleger der Containerbrücken hochgefahren werden. „Jedes Mal gehen drei Stunden Produktionszeit verloren.“ Die geplante Elbvertiefung um einen Meter reiche für die Mega-Schiffe nicht aus, um mit mehr Ladung die Elbe befahren zu können. Dass dennoch Hamburg und Bremerhaven die nächsten Jahre angelaufen werden, liege daran, „weil die Reeder mehr Angst davor haben, Ladung zu verlieren, als etwa einen Tag in Hamburg zu warten.“

Für einen weiteren Ausbau des Jade-Weser-Ports, wie es die niedersächsische Landesregierung überlegt, sieht Schiffer vor dem Hintergrund der steigenden Schiffsgrößen derzeit allerdings keine Notwendigkeit. „Wir haben in den drei Häfen Bremerhaven, Hamburg und Wilhelmshaven Reservekapazitäten von zusammen zehn Millionen TEU.“

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