Zweiteilung des Jemen Leibbrand glaubt an eine Zweiteilung des Jemen

Gespräch mit dem Chef der deutschen NGO „Vision Hope“, die seit 2002 im Jemen arbeitet und der nach acht Jahren Luftblockade wieder in die jemenitische Hauptstadt reisen konnte.
29.04.2022, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Leibbrand glaubt an eine Zweiteilung des Jemen
Von Birgit Svensson

Nach acht Jahren ist Matthias Leibbrand wieder in Sanaa, der Hauptstadt des Jemen. Zwar ist der Flughafen entgegen den Ankündigungen noch nicht wieder für den zivilen Luftverkehr geöffnet, aber die Uno fliegt Mitglieder von Hilfsorganisationen dorthin. Und Matthias Leibbrands Vision Hope ist ein „alter Hase“ im Jemengeschäft.

Seine NGO arbeitet ununterbrochen seit vielen Jahren im Armenhaus Arabiens, wie der Jemen aufgrund seiner jämmerlichen Situation allseits genannt wird.

Auch als der Bürgerkrieg in seiner schlimmsten Phase tobte, waren Leibbrands Mitarbeiter vor Ort und haben überall im Land Lebensmittel verteilt, Wasser beschafft, Brunnen gebohrt. Damals konnte er zwar nach Aden im Süden des Landes gelangen, nach Sanaa aber nicht. Dort wurde der Luftraum von einer Koalition um Saudi Arabien kontrolliert, Angriffe wurden geflogen.

Umfassendes Warenangebot

Wer nicht auf dem gefährlichen Landweg sein Leben riskieren wollte, blieb Sanaa über Jahre fern. Umso überraschter ist der Mann aus dem südbadischen Emmendingen, als er in der Hauptstadt ankommt. „Ich bin durch Sanaa gelaufen und war erstaunt, wie normal das Leben dort ist“, erzählt der 54-Jährige am Skype-Telefon. „Die Läden sind voll, das Warenangebot umfassend.“ Sanaa sei wesentlich moderner als vor acht Jahren. Der Norden insgesamt wirke stabiler, der Süden dagegen versinke im Chaos. „Man merkt sofort, dass es in dem Land keine einheitliche Führung gibt.“

Saudi Arabien möchte nun den Krieg im Jemen beenden. Seit 2015 ist das Königreich Kriegspartei im Konflikt zwischen den im Norden operierenden Huthi-Rebellen und der nach dem Sturz von Langzeitdiktator Ali Abdullah Salih 2012 international anerkannten Regierung von Abed Rabbo Mansur Hadi.

Verfahrene Situation

Die Situation am unteren Ende der Arabischen Halbinsel, Saudi Arabiens Nachbar, ist verfahren. Das Resultat gleicht einem Patt. Machten die Huthis Landgewinne, schlug die Koalition zurück und umgekehrt. Seit Anfang April gilt nun ein Waffenstillstand, der auf zwei Monate begrenzt ist. Premierminister Hadi ist zurückgetreten, um den Weg für einen achtköpfigen Präsidialrat frei zu machen, der zu gleichen Teilen aus Vertretern des Nord- und des Südjemen besetzt werden soll. Ziel sind Neuwahlen und eine neue Verfassung. Das alles wurde in der saudischen Hauptstadt Riad Ende März beschlossen, allerdings ohne Anwesenheit der Huthi-Rebellen, die große Teile des Nordens und vor allem die Hauptstadt seit 2014 kontrollieren.

„Alles, was die Gegenwart und die Zukunft des Jemen betrifft, muss innerhalb des Jemen entschieden werden. Verhandlungen außerhalb seiner Grenzen sind Mist und dienen höchstens der Unterhaltung“, so Huthisprecher Mohammed Abdul Salam.

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Vision Hope arbeitet überall im Land, auch in den gefährlichsten Regionen. Der seit acht Jahren tobende Bürgerkrieg habe jedoch vieles zerstört, was Vision Hope und andere zuvor mühsam aufgebaut hatten. Die Situation des Jemen ist und bleibt sehr kompliziert, auch wenn die jetzige Waffenruhe etwas Hoffnung bringt. Für Matthias Leibbrand sieht es ganz danach aus, dass der Zustand wieder hergestellt werde wie vor der Vereinigung des Südens und des Nordens, die im selben Jahr – 1990 – wie in Deutschland stattfand. „Die Huthis werden die Kontrolle über den gesamten Nordjemen erreichen“, ist sich Leibbrand sicher. Was aus dem Süden wird, darüber wagt er keine Prognose: „Ausgang offen.“

 

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