Innensenator will Mobilfunk-Anbieter in die Pflicht nehmen Kampf gegen Handy-Räuber

Bremen. Die Zahl der Handy-Diebstähle in Bremen ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Dabei ließe sich diese Entwicklung relativ einfach stoppen, ist sich Bremens Innensenator Mäurer sicher.
28.05.2014, 00:00
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Kampf gegen Handy-Räuber
Von Ralf Michel

Die Zahl der Handy-Diebstähle in Bremen ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Besonders erschreckend ist aus Sicht von Ulrich Mäurer (SPD), dass die Täter zunehmend auch Gewalt anwenden. Dabei ließe sich diese Entwicklung relativ einfach stoppen, ist sich der Innensenator sicher. Nur müssten die Handy-Provider dann mitspielen. Den notwendigen Druck dafür will Mäurer gemeinsam mit Innenministern anderer Bundesländer aufbauen.

Eine simple Zahlenreihe verdeutlicht das Problem: 2011 standen 2303 Handys auf der Fahndungsliste der Bremer Polizei. Ein Jahr später waren es bereits 3318, 2013 dann sogar 3573. Bis Mitte Mai dieses Jahres sind 1500 Geräte gelistet. „Bis Ende des Jahres werden wir die 4000er-Marke wohl durchbrechen“, vermutet Innensenator Ulrich Mäurer.

Er will dieser Entwicklung jetzt einen Riegel vorschieben. Das sei ohne Probleme machbar, betont er. Vorausgesetzt, die vier Mobilfunk-Anbieter in Deutschland – Telekom, Vodafone, O2 und E-Plus – ziehen mit. Auf der Innenministerkonferenz am 11. Juni will Mäurer seinen Kollegen einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten.

Besondere Dringlichkeit ist bei diesem Thema aus Sicht des Innensenators auch deshalb angesagt, weil die Täter zunehmen Gewalt anwenden. „Mehr als 30 Prozent der Raubtaten in Bremen haben inzwischen das Ziel Handy oder Smartphone.“ Und dies sei keineswegs nur ein Bremer Problem. Der Anstieg dieser Art von Raubdelikten sei bundesweit zu registrieren.

Abhilfe schaffen soll eine im Grunde simple Maßnahme: Jedes Mobiltelefon hat eine Gerätenummer, die sogenannte IMEI (International Mobile Equipment Identity), die untrennbar mit dem Gerät verbunden ist. Diese Nummer wird bei jedem Kontakt mit einem Sendemast zusammen mit der Telefonnummer übertragen, erläutert Mäurer. „Die Provider wären damit in der Lage, Geräte mit ihnen bekannten IMEI-Nummern von der Kommunikation auszuschließen.“

Alles was dafür aus seiner Sicht notwendig wäre, ist die Einführung eine zentralen Datei mit den IMEI-Nummern der gestohlenen, geraubten oder auch schlicht verlorenen Geräte, die bei der Polizei angezeigt werden. Bei den gestohlenen Handys würde zwar in der Regel sofort die SIM-Karte ausgetauscht. Damit wird jedoch nur die Telefonnummer, nicht aber die Gerätenummer geändert. Sobald das Telefon mit der neuen Karte in Betrieb genommen wird, taucht die Gerätenummer wieder mit auf. „Die Provider müssten sich verpflichten, alle auf der Liste geführten Geräte nicht in ihre Netze zu lassen.“

Dass man damit die echten Profis unter den Tätern oder auch Banden, die im Ausland operieren, nicht ausschalten könne, ist dem Innensenator klar. „Aber die Masse der Täter würden wir damit treffen, weil die Geräte damit praktisch nutzlos würden“, betont Mäurer. Es gehe bei dieser Maßnahme nicht darum, die Täter zu fassen. „Ziel ist es, den Markt auszutrocknen.“

Dass dies nicht längst geschehen sei, könnte aus Sicht Mäurers damit zusammenhängen, dass die Provider letztlich vom Diebstahl der Handys und der teuren Smartphones profitierten. „Das fördert den Umsatz. So ist es nicht primäres Ziel des Verkäufers, diese Taten zu unterbinden.“

Er setzt trotzdem auf ein Einlenken der Provider. Sollte dies nicht geschehen, wäre aber auch eine entsprechende gesetzliche Regelung denkbar, stellt der Innensenator klar. Dass es nicht erst zu einer gesetzlichen Verpflichtung kommen muss, zeigt das Beispiel der USA. Dort hätten Provider und Handyhersteller sich in einigen Bundesstaaten dazu bereit erklärt, künftig bei Mobiltelefonen die technischen Voraussetzungen zu schaffen, um Dieben per Knopfdruck das Geschäft zu vermiesen.

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