Bremer Krankenhauslandschaft Kassen: Es gibt zu viele Klinikbetten

Bremen. Die Kassen fordern Änderungen in der Krankenhauslandschaft: Kliniken sollten geschlossen werden, meint Christoph Straub, Chef der Barmer GEK. Auch in Bremen fordern Kassen den Abbau von Betten und stoßen damit bei Politikern auf Verständnis.
03.01.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Rainer Kabbert

Bremen. Die Kassen fordern Änderungen in der Krankenhauslandschaft: Kliniken sollten geschlossen und Bettenzahlen verringert werden, meint Christoph Straub, Chef der Barmer GEK. Zudem sei das Nebeneinander von Krankenhäusern und Arztpraxen unzeitgemäß. Auch in Bremen fordern Kassen den Abbau von Betten und stoßen damit bei Politikern auf Verständnis.

Zu viele Betten und Kliniken in Bremen? "Dieses Thema verfolgen wir schon seit Jahrzehnten", erinnert sich der Bremer AOK-Vorstandsvorsitzende Norbert Kaufhold. "Vom Grundsatz her" stimmt der Kassenchef der Forderung seines Kollegen Christoph Straub zu, dem Vorstandsvorsitzenden der Barmer GEK. Der plädiert für Klinikschließungen und Abbau von Betten. In Bremen, ist Kaufhold überzeugt, gebe es sowohl unwirtschaftliche Krankenhäuser als auch einzelne unrentabel arbeitende Fachabteilungen.

Der Verband der Ersatzkassen sieht es ähnlich und beruft sich dabei auf den Bremer Krankenhausrahmenplan 2010-2015. Der gibt für die Stadt Bremen eine Auslastung der Betten von 80 bis 90 Prozent vor. Tatsächlich waren 2008 mehrere Fachabteilungen unter dieser Linie belegt. Der Auslastungsgrad etwa von Thoraxchirurgie, Orthopädie und Gynäkologie lag unter 60 Prozent, bei der Handchirurgie war nicht einmal die Hälfte der Betten ausgelastet.

In Niedersachsen ist die Situation offenbar ähnlich. Hier kritisiert der Rechnungshof, dass das Land zu viel Geld in unwirtschaftliche, nicht zukunftsfähige Krankenhäuser steckt. Nicht mehr in jedem Landkreis müsse die volle medizinische Versorgung vorgehalten werden, meinen die Rechnungsprüfer - und fordern bei den Landesinvestitionen einen Vorrang der Notfallversorgung, Fusionen von Kliniken, die Schließung von Fachabteilungen sowie eine engere Zusammenarbeit mit Bremen.

Die Forderung der Kassen nach Einsparungen wird mit Blick auf Kostenblöcke im Gesundheitswesen verständlich: Spitzenreiter war 2010 mit 58 Milliarden Euro die Behandlung in Krankenhäusern, mit weitem Abstand gefolgt vom Kostenblock Medikamente (30 Milliarden Euro). Allerdings kann sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft nicht mit den Forderungen Straubs anfreunden: "Die Kliniken haben ihre Hausaufgaben gemacht", meint Vorstand Thomas Reumann. Sie seien keineswegs die Kostentreiber, sondern schon "wie eine Zitrone" ausgepresst.

Im bundesweiten Vergleich ist Bremen jedoch reich ausgestattet. Auf 10000 Einwohner kommen hier über 79 Betten, im Bundesdurchschnitt sind es nur 61,5 Betten. AOK-Chef Kaufhold weist allerdings auf die besondere Situation im Zwei-Städte-Land Bremen hin - in das Oberzentrum kommen eben auch viele Patienten aus dem niedersächsischen Umland.

Am Überfluss an Betten in Bremen und Bremerhaven ändert das nichts. Und so unterstützt auch Gesundheitsstaatsrat Joachim Schuster die Forderung nach Abbau von Betten. Von Bedeutung ist diese Einschätzung, weil seine Senatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) spätestens Ende Juni über Anträge des Diako (Urologie) und des St.-Joseph-Stifts (Nuklearmedizin) auf neue Leistungsangebote entscheiden muss.

Schusters Haltung ist eindeutig: "Es darf nicht mehr Betten in Bremen geben, denn das würde teurer werden." In der Urologie müssten Betten abgebaut werden, meint der Staatsrat, eine Ausweitung in diesem Fach durch das Diako würde dem widersprechen. Schuster ist auch verwundert über die Forderung der Bremer Kassen, eine Urologie im Diako aufzubauen. Denn 2005 sei es ja Wunsch der Kassen gewesen, den urologischen Versorgungsauftrag dem Klinikum Bremen-Mitte (Klinikverbund Gesundheit Nord/Geno) zu übertragen.

Beim Thema Nuklearmedizin argumentiert das Gesundheitsressort eindeutig: keine Lösung mit Erhöhung der Bettenzahl. Bisher stehen für diese Strahlenheilkunde im Klinikum Bremen-Mitte 15 Betten bereit. AOK-Direktor Olaf Woggan unterstützt den Antrag des St.-Joseph-Stifts, kann sich aber auch unterschiedliche Lösungswege vorstellen, etwa durch Abwanderung der dortigen nuklearmedizinischen Kompetenz zum Klinikum Bremen-Mitte.

Die Geno hält sich beim Thema Anträge von Diako und St.-Joseph-Stift für neue Leistungsangebote zurück: "Kein Kommentar", sagt Sprecher Daniel Goerke. Die Forderung von Barmer-Chef Straub nach Abbau der Trennung zwischen stationärer und ambulanter Behandlung teilt die Geno jedoch: "Wir würden es begrüßen, mehr ambulante Behandlungen durchführen zu dürfen", sagt Goerke. AOK-Chef Kaufhold sieht Bremen hier sogar als bundesweiten Vorreiter: seine Kasse habe schon seit geraumer Zeit Verträge über ambulante Operationen abgeschlossen.

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