70 Jahre Kiregsende in Bremen Kein Blut, nur Tauwasser

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln wurde kritisch. Wo gab es noch etwas zu kaufen, ob mit oder ohne Lebensmittelmarken?
26.04.2015, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Wolfgang Bandel

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln wurde kritisch. Wo gab es noch etwas zu kaufen, ob mit oder ohne Lebensmittelmarken? Es hatte sich herumgesprochen, dass Karstadt in der Obernstraße gratis Lebensmittel abgeben würde, damit sie nicht dem Feind in die Hände fielen, der sie nicht so dringend benötigte wie wir. Also nichts wie hin, zu Fuß natürlich, denn die Straßenbahnen fuhren längst nicht mehr.

Durch die Trümmerlandschaft des Bremer Westens in sengender Sonne zu Karstadt. Vor Ort dann stand ich vor einer zerbombten Ruine und konnte sehen, dass im Keller auf provisorischen Tresen gefrorenes Gemüse verteilt wurde – und wirklich umsonst! Pro Kopf und Nase gab es einen Karton. Mir wurden Erbsen und Wurzeln gereicht. Da ich nicht daran gedacht hatte, eine Einkaufstasche mitzunehmen und es kein Papier zum Einwickeln gab, froren mir fast die Finger ab.

Auf dem Rückweg sorgte die Sonne dafür, dass die ergatterte Ware in ihrem Karton anfing aufzutauen. Den Heimweg nahm ich entlang des Panzenbergs. Hier sollen während des Krieges nach einem Bombenangriff mehrere Hundert Menschen umgekommen sein, weil im zur Zigarettenfabrik Lesmona gehörenden Nachbarkeller unbemerkt Kohlen anfingen zu brennen; die Kohlegase wurde den Arbeitern zum Verhängnis.

Die Luftangriffe hatten aufgehört, die Front näherte sich. In der Gröpelinger Heerstraße/Ecke Moorstraße dann plötzlich doch wieder Artilleriebeschuss! Nun lag ich mal wieder im Rinnstein, mein Paket unterm Arm und die ganze Seite nass. Zuerst dachte ich an eine Verletzung, es war aber nur das Tauwasser der Erbsen.

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