Streit um Design Kita Bremen will 145.000 Euro für Werbesäulen ausgeben

Bremen. 'Kita Bremen' kauft sich Werbe-Stelen für 145000 Euro. Der städtische Eigenbetrieb, zuständig für die öffentlichen Kindergärten, will sein Erscheinungsbild verbessern. Das Projekt hatte bereits für Streit und Zorn gesorgt und war daraufhin eingedampft worden.
18.02.2010, 18:40
Lesedauer: 2 Min
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Kita Bremen will 145.000 Euro für Werbesäulen ausgeben
Von Michael Brandt

Bremen. 'Kita Bremen' kauft sich Werbe-Stelen für 145000 Euro. Der städtische Eigenbetrieb, zuständig für die öffentlichen Kindergärten, will demnächst sein Erscheinungsbild verbessern. Vor jedem Hort-Eingang wird eine Stele mit Logo errichtet. Auf zusätzliche Design-Kugeln soll - zumindest vorerst - verzichtet werden. Das Projekt hatte bereits im vergangenen Jahr für Streit und Zorn gesorgt und war daraufhin eingedampft worden.

Stelen, Kugeln und eine Namensänderung - das war der Dreiklang, mit dem Kita Bremen im vergangenen Jahr das Marketing erneuern wollte. Rund 280000 Euro sollte die Erneuerung des Erscheinungsbilds kosten. Die Umtaufe auf 'Bremen Kidz' wurde allerdings schon recht bald nach der internen Präsentation wieder gestrichen. Und die Idee insgesamt sorgte für einige Aufregung, auch bei den Lesern unserer Zeitung. Schließlich wurde nach kurzer und heftiger Auseinandersetzung die Notbremse gezogen und das Vergabeverfahren noch in letzter Minute angehalten.

In dieser Woche hat der Betriebsausschuss von Kita Bremen getagt - praktisch das Aufsichtsgremium - und sich erneut mit dem Thema befasst. Dort wurde die abgespeckte Variante beschlossen: Auf die Design-Kugeln, die offenbar aus dem Logo von Kita Bremen stammen, wird verzichtet. Im Herbst 2009 hatte der Betriebsausschuss den Kostenrahmen auf maximal 148000 Euro heruntergeschraubt. Das soll jetzt mit etwas mehr als 145000 Euro knapp eingehalten werden.

Rosi Fein, Leiterin von Kita Bremen, bestätigt die Entscheidung des Ausschusses. In den kommenden Monaten könne jetzt Stadtgrün Bremen gemeinsam mit der Herstellerfirma die Stelen installieren. Die Firma, die offenbar 2009 auch schon für den umfangreicheren Auftrag ausgeguckt war, verzichtet den Unterlagen zufolge auf eine Entschädigung.

Trotz der politischen Beschlüsse könnten sich zu den Stelen demnächst doch noch die umstrittenen Kugeln gesellen, die das Projekt unter dem Strich auch wieder verteuern würden. Laut Geschäftsführerin Fein wird zurzeit am Jahresabschluss des Betriebs für 2009 gearbeitet. Wenn sich daraus ergebe, das Geld übrig sei, könnten die Kugeln noch kommen. Eine Prognose, ob das klappt, mochte sie gestern noch nicht abgeben.

'Rausgeschmissenes Geld'

'Ich halte das für rausgeschmissenes Geld', sagt dazu hingegen die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Sandra Ahrens und erklärt, dass sie gegen eine Anschaffung der Kugeln durch die Hintertür stimmen werde. Lieber sollte Kita Bremen für das Geld Spielgeräte an die Wege zu den Einrichtungen stellen: 'Etwas, wovon auch die Kinder etwas haben.'

Auch gegen das Marketing-Projekt insgesamt regt sich parlamentarischer Widerstand. Magnus Buhlert, FDP-Abgeordneter, ist gegen die Werbe-Säulen: 'Man muss fragen, ob die Geschäftsführung von Kita Bremen die richtigen Prioritäten setzt. Für das Geld kann man etliche Kindergartenplätze schaffen.' Wie berichtet, fehlen in Bremen nach Berechnungen der Sozialbehörde bis 2012 rund 550 Plätze. Angesichts solcher Zahlen stelle sich laut Buhlert die Frage, warum Kita Bremen überhaupt Werbung betreiben müsse. Schließlich werde zum Beispiel für Schulen auch nicht geworben. Die FDP ist im Betriebsausschuss von Kita Bremen nicht vertreten

Mustafa Öztürk, Sozialpolitiker der Grünen, betont, dass seine Fraktion grundsätzlich damit einverstanden sei, für die Stelen 145000 Euro auszugeben. Das ursprüngliche Marketing-Konzept hätte seiner Rechnung nach unter dem Strich mehr als 300000 Euro gekostet. 'Dafür hätte man Küchen in den Kindergärten renovieren oder Spielzeug kaufen können.' Bei den 145000 Euro, so der Abgeordnete, müsse es jetzt bleiben. Die Kugeln nachträglich noch anzuschaffen, 'das wird nicht machbar sein'.

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