Gastkommentar zum Klimawandel Vom apokalyptischen Müssen zum visionären Wollen

Um das Klimaziel von 1,5 Grad einzuhalten, muss der Impuls der Fridays-for-Future-Generation in gesellschaftlichem, politischem und wirtschaftlichem Handeln münden, meint unser Gastautor Arne Dunker.
10.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Arne Dunker

Das vergangene Jahr endete mit einem Hoffnungsschimmer: Die ersten Kohlekraftwerke gehen 2021 vom Netz, auch das der SWB im Hafen. Die Meteorologen halten für 2020 Trockenheit, Temperaturrekorde und einen weiteren Anstieg der Durchschnittstemperaturen fest. Nur 2018 war noch wärmer. Die Meteorologie ist zugleich die Wissenschaft, der wir beim Blick in die Zukunft am meisten vertrauen, nämlich wenn wir entscheiden, zum Schirm zu greifen, das Gartenfest abzusagen oder den Rasen zu sprengen.

Bei Warnungen vor drohenden Infektionswellen waren wir bisher prognoseresistent und beim Klimawandel hat es Jahrzehnte gedauert, bis wir die immer drängenderen Rufe der Wissenschaft an uns heranließen. Es ist höchste Zeit, dass sich die Welt und mit ihr unser Bundesland Bremen auf den Weg machen, das 2015 in Paris vereinbarte 1,5-Grad-Ziel einzuhalten. Darauf kommt es an, denn schon bei zwei Grad Erwärmung kann das Klimasystem aus den Fugen geraten.

Strategien wie die Wasserstofftechnologie bergen erhebliche Potenziale für Bremen und Bremerhaven. Bis 2050 muss unsere Gesellschaft CO₂-neutral sein. Das ist machbar und eine immense Chance für Wirtschaft und Lebensqualität gleichermaßen. Die jetzigen staatlichen Finanzhilfen müssen beides leisten: die Folgen der Pandemie eindämmen und die Transformation hin zu einer klimafreundlichen und krisenresilienten Wirtschafts- und Lebensweise vorantreiben. Dazu bedarf es neben hoher Investitionen auch eines Umsteuerns im Bildungssystem. Es ist von enormer Bedeutung, den Impuls der Fridays-for-Future-Generation aufzunehmen, damit die erzeugte Kraft der Schülerinnen und Schüler in gesellschaftlichem, politischem und wirtschaftlichem Handeln mündet. Die Jugend braucht das Handwerkszeug für die Bewältigung der epochalen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte.

„Non scolae sed vitae discimus“ – nicht für die Schule, sondern für das Leben sollten wir lernen. Der frische Wind, der durch die Klassenzimmer wehen muss, strömt nicht durch die gangbar gemachten Fensterflügel, sondern durch die Vermittlung einer konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Gestaltungskompetenz. Wir müssen der Generation, die durch die Folgen der globalen Erwärmung einerseits und die Schuldenlast der Corona-Krise andererseits besonders gefordert sein wird, mehr als iPads mit auf den Weg geben. Wir dürfen die Lehrkräfte mit der Vorbereitung unserer Kinder auf die Zukunft nicht allein lassen.

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Zur Person

Unser Gastautor

ist Geschäftsführender Gesellschafter im Klimahaus Bremerhaven und Vorstand der Deutschen Klima Stiftung.

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