Dramatische Situation in Bremen

Kliniken fehlt immer mehr Geld

Bremen/Hannover. Jedes dritte Krankenhaus macht Verluste. Das geht aus dem Krankenhausbarometer des Deutschen Krankenhausinstituts hervor. In Bremen ist die Lage des kommunalen Klinikverbunds Gesundheit Nord (Geno) besonders kritisch.
17.01.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Hans–Ulrich Brandt und Jörn Hüttmann

Bremen/Hannover. Jedes dritte Krankenhaus macht Verluste. Das geht aus dem Krankenhausbarometer des Deutschen Krankenhausinstituts hervor. In Bremen ist die Lage des kommunalen Klinikverbunds Gesundheit Nord (Geno) besonders kritisch. Für 2012 wird dort inzwischen mit einem Minus von bis zu 35 Millionen Euro gerechnet. In Niedersachsen befürchten für das laufende Jahr 70 Prozent der Kliniken Verluste.

Geno-Sprecher Daniel Goerke, zuständig für die vier kommunalen Bremer Kliniken mit 7500 Beschäftigten, redete gestern nicht um "die wirtschaftlich sehr schwierige Lage" herum. Zwar würden genaue Zahlen für 2012 erst im März/April vorliegen, doch anhand der hochgerechneten Ergebnisse für das dritte Quartal, so Goerke, "muss von einem Verlust in Höhe von 30 bis 35 Millionen Euro ausgegangen werden".

Hauptverursacher sei das Klinikum Bremen-Mitte mit einem Minus von 25 bis 30 Millionen Euro, größtenteils bedingt durch den Keimskandal und den damit verbundenen Vertrauensverlust bei den Patienten. Das Krankenhaus Bremen-Nord verzeichne ein Minus von sieben bis acht Millionen Euro. Hier müsse, so der Geno-Sprecher, das medizinische Angebot überprüft werden. Während die Klinik in Bremen-Ost 2012 "eine schwarze Null" geschrieben habe, falle die Bilanz im Krankenhaus Links der Weser mit einem Plus von zwei bis drei Millionen Euro positiv aus. Zum Vergleich: 2010 konnte die Geno bei allen vier Häusern noch einen Gesamtgewinn von drei Millionen Euro vermelden. 2011 war es bereits ein Verlust von 4,5 Millionen Euro. Einer der Gründe für die schlechte Finanzlage, so Goerke, seien die viel stärker als die Einnahmen steigenden Personal- und Energiekosten. Klar sei deshalb, dass der Klinikverbund finanzielle Unterstützung brauche.

Gesundheitssenator Hermann Schulte-Sasse konnte gestern zum aktuellen Stand der Gespräche mit dem Senat aus terminlichen Gründen nicht Stellung nehmen. In einem Interview mit unserer Zeitung kurz vor Weihnachten hatte er die Lage für die Geno ebenfalls als "ernst" bezeichnet und hinzugefügt: "Aus eigener wirtschaftlicher Stärke heraus schafft es die Geno nicht." Von einer Teil- oder Komplettprivatisierung der vier städtischen Kliniken wollte Schulte-Sasse aber nichts wissen.

Die Krankenkassen sehen dagegen die Klinikfinanzierung bundesweit völlig aus dem Gleichgewicht. AOK-Vorstand Uwe Deh: "Es fehlen eine bedarfsorientierte Krankenhausplanung und ein wettbewerbliches Vertragssystem zwischen Krankenhäusern und Krankenkassen." Zudem gebe es in Bremen eine Sondersituation, was die Finanzierung der Kliniken angeht, sagte der Sprecher der AOK Bremen/Bremerhaven, Jörn Hons: "Die Finanzierungssätze der Krankenhäuser liegen 1,2 Prozent über dem Bundesschnitt." Ob das für eine kostendeckende Finanzierung ausreiche, hänge von den Organisationsstrukturen sowie den Personalkosten der Häuser ab. "Deshalb ist die Diskussion auch im Zusammenhang mit den kommenden Tarifverhandlungen zu sehen."

Bundesweit rutschen immer mehr Krankenhäuser ins Minus. Etwa ein Drittel der gut 2000 Kliniken ist bereits in den roten Zahlen. Der Anteil der Kliniken mit Verlusten stieg von 21 auf 31 Prozent im Jahr 2011. Das ist das Ergebnis des neuen Krankenhausbarometers des Deutschen Krankenhausinstituts, das gestern in Berlin veröffentlicht wurde. Die Internet-Liste "kliniksterben.de" illustriert die Lage: Fast täglich werden dort Berichte über geschlossene Abteilungen oder Proteste gegen drohende Klinikschließungen eingestellt.

Die Umfrage des Krankenhausinstituts bei den Kliniken zeigt, dass sich deren Wirtschaftslage trotz stark steigender Kassenausgaben für Klinikbehandlungen in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. Bei fast 60 Prozent der Krankenhäuser gingen die Umsätze zurück. Ihre Wirtschaftslage schätzten vergangenes Jahr nur gut ein Viertel der Kliniken als gut ein. Noch pessimistischer seien die Erwartungen für 2013: 22 Prozent erwarten eine Verbesserung, 40 Prozent hingegen eine Verschlechterung. Als Grund nennt die Krankenhausgesellschaft politisch gewollte Kürzungen sowie hohe Personal-, Energie- und Sachkostensteigerungen.

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