Hiroshima-Jahrestag

Kommentar: Eine Mahnung für alle Zeiten

Nach dem Aus für den INF-Vertrag droht ein neues atomares Wettrüsten zwischen den USA und Russland. Die Vision einer atomwaffenfreien Welt hat dennoch Berechtigung, meint Norbert Holst.
04.08.2019, 19:01
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Kommentar: Eine Mahnung für alle Zeiten
Von Norbert Holst
Kommentar: Eine Mahnung für alle Zeiten

Mit schwimmenden Laternen gedenken die Menschen in Hiroshima den Opfern der Atombombe von 1945.

dpa

Am Dienstagmorgen um 8.15 Uhr wird wieder die Glocke vor dem Ehrenmal des Friedensparks in Hiroshima läuten – wie in jedem Jahr. Es war genau zu dieser Zeit, als 1945 die Stadt durch den ersten Einsatz einer Atombombe in Schutt und Asche gelegt wurde und 140 000 Menschen den Tod fanden. Drei Tage später warfen die USA eine zweite Bombe über Nagasaki ab. Am Dienstag gibt es vielerorts in Deutschland Mahnwachen, um an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki zu erinnern – auch in Bremen.

Ausgerechnet wenige Tage vor dem Gedenktag haben die USA und Russland den INF-Vertrag beerdigt. Im Dezember 1987 hatten Amerikaner und Sowjets vereinbart, Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von bis 5500 Kilometer abzuschaffen. Mit dem Auslaufen des Vertrags ist eine zentrale Säule der europäischen Sicherheitsarchitektur verschwunden.

Es droht ein atomares Wettrüsten. Die Rüstungsspirale ist schon auf Touren gekommen, als das INF-Abkommen noch galt. Die Russen haben mit dem extrem niedrig fliegenden Marschflugkörper 9M729 eine Rakete im Arsenal, die auch nukleare Sprengköpfe tragen kann. Die Amerikaner entwickeln einen neuen Typ von Atomwaffe mit vergleichsweise geringer Sprengkraft, die einen Konflikt begrenzbarer machen sollen.

Der Kalte Krieg ist einst in ein – wenn auch sehr riskantes – Gleichgewicht des Schreckens umgeschlagen. In der Zeit von Ronald Reagan und Michael Gorbatschow kam es zu Entspannung und Abrüstung. Nun belauern sich Nato und Russland wieder misstrauisch. Ein regionaler Konflikt, etwa um den Einfluss in der Ukraine, könnte unabsehbare Folgen für Europa haben.

Die Zeit ist unsicherer und komplexer geworden. Auch wenn das Ziel derzeit nicht sonderlich realistisch erscheint: Die Vision einer atomwaffenfreien Welt hat nach wie vor ihre Berechtigung. Die Opfer von Hiroshima und Nagasaki gebieten es.

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