Oktober Krake-Unfall und Streit um Frauenquote

Bremen. Der Oktober im Rückblick: In Berlin flammt die Debatte um eine verbindliche Frauenquote für Deutschlands Führungsetagen wieder auf. Auf dem Bremer Freimarkt verletzen sich sechs Menschen, als sich eine Gondel vom Karussell Krake löst.
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Von Carolin Küter und Thomas Joppig

Bremen. Der Oktober im Rückblick: In Berlin flammt die Debatte um eine verbindliche Frauenquote für Deutschlands Führungsetagen wieder auf. Auf dem Bremer Freimarkt verletzen sich sechs Menschen, als sich eine Gondel vom Karussell Krake löst.

Streit um Frauenquote: Ein „Ammenmärchen“ nannte Rita Süssmuth (CDU) bei einer Rede im Bundestag 1995 den Glauben, das Einzige was Frauen benötigen würden, um in Führungspositionen zu kommen, sei die Qualität ihrer Arbeit und ihre Qualifikation. Deswegen forderte die damalige Bundestagspräsidentin zum ersten Mal eine Frauenquote. Im Oktober 2011, 16 Jahre später, flammt die Diskussion erneut auf. In der quotenfreien Wirtschaft hat sich vor allem an den Spitzen großer Konzerne wenig getan: Gerade einmal 3,7 Prozent der Vorstände in den DAX-Unternehmen sind Frauen.

„Das ist einfach unterirdisch“, findet Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie erneuert Süssmuths Anliegen und fordert eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent. Ihre Kabinettskollegin Kristina Schröder (CDU), zuständig für den Bereich Frauen und Familie, hält nichts davon und setzt auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft.

Bereits im März hatte Schröder die Spitzen der deutschen Wirtschaft aufgefordert, bis Oktober zu festzulegen, wie hoch der Frauenanteil in ihren Führungsetagen sein soll. Am 17. Oktober wurden die Ergebnisse präsentiert: Bis 2020 wollen die 30 Dax-Unternehmen den Frauenanteil in ihren Führungsetagen auf bis zu 35 Prozent erhöhen.

Bei deser freiwilligen Selbstverpflichtung zeigen sich recht große Unterschiede: Während Volkswagen bis 2020 lediglich elf Prozent Frauen in der oberen Führungsetage anstrebt, will die Firma Adidas ihren Anteil an weiblichen Führungskräften auf 35 Prozent aufstocken - diese Zahl soll sogar fünf Jahre früher, also bereits 2015, erreicht werden.

Ursula von der Leyen ist entsetzt: „In diesem Schneckentempo können wir nicht weitermachen.“ Ministerin Schröder zeigt sich dagegen zufrieden mit den vorgelegten Zahlen. Eine Wette habe sie gewonnen, sagt sie bei der Präsentation, denn keiner der Konzerne habe es gewagt, eine einstellige Vorgabe zu präsentieren. Ganz so leicht will Schröder es der Wirtschaft dann aber doch nicht machen. Sie fordert, dass alle Unternehmen den Frauenanteil in den Führungsetagen bis 2013 mindestens verdreifacht haben sollen. Gelingt dies nicht, drohe eine „flexible Quote“, die je nach Branche andere Maßstäbe vorgebe.

Krake-Unfall auf dem Freimarkt: Eigentlich hätte der Freimarkt in diesem Jahr kaum besser laufen können. Das gute Wetter bescherte den Schaustellern auf der Bürgerweide und dem Marktplatz mit 4,4 Millionen Besuchern einen neuen Rekord: Doch ein Ereignis hat das fröhliche Jahrmarktstreiben überschattet. Drei Tage vor Ende des Volksfests löste sich am Karussell „Krake“ während der Fahrt eine Gondel und prallte gegen das Absperrgitter. Neun Menschen wurden verletzt – darunter eine 27-Jährige, zwischenzeitlich in Lebensgefahr und muss sich einer Notoperation unterziehen. Sie sei auf dem Weg der Besserung, teilten die Ärzte eine Woche nach dem Unfall mit.

„Das war Glück im Unglück“, sagen Schausteller rückwirkend. Denn die Gondel befand sich in Bodennähe, als der Unfall geschah. Wäre sie abgebrochen, während er Arm des Karussells gerade oben umherschleuderte, hätte es wohlmöglich mehr Verletzte und sogar Tote geben können.

Dass der Unfall ausgerechnet in der „Krake“ passierte, sorgt unter den Marktbeschickern für Erstaunen. Betreiber Christian Uhse gilt in Schaustellerkreisen als gewissenhaft. Sein Fahrgeschäft hatte er erst fünf Jahre zuvor aufwendig umgebaut. Seinerzeit wurde auch die Verbindung hergestellt, die während des Unfalls gerissen war.

Ein Haar-Riss in einer der Metallverbindungen soll der Grund für den Unfall sein. Der Riss befand sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft unter einer Öse und war deshalb bei externen Kontrollen unbemerkt geblieben. Die Ermittler gehen davon aus, dass entweder Materialermüdung oder ein Konstruktionsfehler schuld am Unglück sind. „Bei einem solchen Bauteil muss ich davon ausgehen, dass es nach fünf Jahren noch in Ordnung ist“, sagte Uhse.

Viele Rummelbummler ließen sich jedoch auch nach Bekanntwerden des Unfalls nicht vom Karussellfahren abschrecken. Die übrigen Fahrgeschäfte auf der Bürgerweide waren auch an den letzten Freimarktstagen gut besucht. Die „Krake“ blieb jedoch außer Betrieb. Das abgesperrte, aber dennoch erleuchtete Karussell bot den Jahrmarktsbesuchern ein verstörendes Bild.

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