Streit um Vermittlungspraxis Kritik an Bremer Tierheim hat erste Folgen

Bremen. Blockiert das Tierheim mit Absicht die Vermittlung von Hunden und Katzen? Ein Runder Tisch soll noch in diesem Monat die Vermittlungspraxis an der Hemmstraße unter die Lupe nehmen.
12.01.2010, 05:50
Lesedauer: 2 Min
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Kritik an Bremer Tierheim hat erste Folgen
Von Michael Brandt

Bremen. Blockiert das Tierheim mit Absicht die Vermittlung von Hunden und Katzen? Ein Runder Tisch soll noch in diesem Monat die Vermittlungspraxis an der Hemmstraße unter die Lupe nehmen. Mit am Tisch sitzen sollen unter anderem der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Frank Imhoff und der Vorsitzende des Tierschutzvereins, Wolfgang Apel. Wie berichtet, geht das Tierheim derzeit juristisch gegen eine Kritikerin vor.

'Sämtliche Ungereimtheiten müssen aufgeklärt werden', sagt der Seehauser CDU-Politiker Frank Imhoff. Er hatte sich bereits im vergangenen Jahr um die Vermittlungspraxis im Tierheim gekümmert und eine entsprechende Anfrage an den Senat gerichtet. Seiner Einschätzung nach sind aktuell rund 80 Fälle protokolliert, bei denen Bürgerinnen und Bürger kein Tier vom Tierheim bekommen haben. Aufgabe des Runden Tisches müsse es sein, dies gemeinsam mit den Fachleuten abzuarbeiten.

Auch Wolfgang Apel, Vorsitzender des Tierschutzvereins, ist für den Runden Tisch. Es sagt einerseits: 'Wir müssen überlegen, was an den Vorwürfen berechtigt ist.' Andererseits geht er aber auch davon aus, dass es sich wenigstens bei einem Teil um ungerechtfertigte Angriffe handelt: 'Das sind Gerüchte.'

Unmissverständlich macht Apel klar, dass das Tierheim an der Vermittlungspraxis nicht rütteln will. Dazu gehört in vielen Fällen, dass Tierheim-Mitarbeiter beim künftigen Besitzer einen Hausbesuch machen, um die Lebensbedingungen für den Vierbeiner in Augenschein zu nehmen. Apel: 'Wir haben hier Tiere, die haben eine schlimme Vergangenheit. Ich möchte nicht, dass die ein zweites oder drittes Mal zurückkommen ins Tierheim. Und wir haben damit Riesen-Erfolge.' Erneut kündigt Apel an, dass es Schulungen für die Beschäftigten im Umgang mit Kunden geben wird. Bis ins Letzte ist der Auftrag des Runden Tisches noch nicht geklärt. Laut Apel wird Tierheim-Geschäftsführerin Brigitte Münch ebenfalls teilnehmen. Offen war gestern, wie die Fraktion der Kritiker vertreten sein wird.

Heike Einwächter-Langer wird nicht am Runden Tisch sitzen. Dafür sind die Fronten zwischen ihr und dem Tierheim zu verhärtet. Wie berichtet, hatte die Tierheilpraktikerin in unserer Zeitung massive Kritik an der Vermittlung von Hunden und Katzen geäußert. Ihr Kernfrage: 'Warum werden die Tiere mit Absicht nicht vermittelt?' Sie hatte auf ihrer Internetseite außerdem die Kritik von Betroffenen gesammelt und veröffentlicht. Inzwischen ist sie vom Anwalt des Tierheims dazu aufgefordert worden, die Einträge von der Homepage zu nehmen. Sie allerdings weigert sich - ein Rechtsstreit steht an.

Der Konflikt hat dazu geführt, dass sich in den vergangenen Tagen eine Vielzahl von Kritikern zu Wort gemeldet hat und die Position von Heike Einwächter-Langer stützt. So berichtet etwa eine Leserin, sie habe vor Jahren den Versuch unternommen, zwei Katzen zu übernehmen, die noch in Quarantäne waren. Sie durfte nicht - trotz des Angebots, die notwendigen Tierarztkosten zu übernehmen.

Scheinbar kein Einzelfall: Eine 68-Jährige schildert, sie sei von Mitarbeitern an der Hemmstraße als zu alt eingestuft worden, um eine junge Katze zu übernehmen. Viele, die vom Tierheim in Bremen abgewiesen worden sind, sind an anderer Stelle fündig geworden, bei der Katzenhilfe zum Beispiel oder bei anderen Tierheimen in Brinkum oder sogar Hannover. Eine Frau schreibt: 'Ein Katzenleben bei einer gebrechlichen Oma mit Haus und Garten wäre besser als eines im Tierheimkäfig.'

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