Pläne für Sitz in Martinistraße Kühne setzt sich neu in Szene

Die Altstadt erhält an der Wilhelm-Kaisen-Brücke ein neues städtebauliches Entrée. Bis 2019 errichtet der Logistik-Konzern Kühne+Nagel im Einmündungsbereich der Martinistraße einen Neubau.
28.01.2016, 19:58
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Kühne setzt sich neu in Szene
Von Jürgen Theiner

Die Altstadt erhält in den kommenden Jahren an der Wilhelm-Kaisen-Brücke ein neues städtebauliches Entrée. Bis 2019 errichtet der Logistik-Konzern Kühne+Nagel (K+N) im Einmündungsbereich der Martinistraße den Neubau seiner Bremer Niederlassung.

Rund 26 Millionen Euro werden auf dem Grundstück in drei Abschnitten verbaut.
Geplant ist, dass zunächst am Brückenkopf das künftige Hauptgebäude entstehen soll. Dieser erste Bauabschnitt wird mit seinen elf Geschossen fünf Meter höher als das Bestandsgebäude aus den 1960er-Jahren aufragen, nämlich 39 Meter. Nach der Fertigstellung sollen die Beschäftigten aus dem Altbau in das neue Gebäude umziehen.

Ist dann der vorhandene Baukörper abgerissen, werden entlang der Martinistraße ein dreigeschossiger, transparenter Mittelbau und ein weiteres Bürogebäude entstehen.
Der Gesamtkomplex mit der Bezeichnung August-Kühne-Haus soll ab 2019 rund 800 Beschäftigte von Kühne+Nagel in Bremen beherbergen. Aus gemieteten Büroflächen an der Martinistraße und einem Standort an der Hans-Böckler-Straße ziehen rund 250 Mitarbeiter in den Neubau.

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Damit das Projekt realisiert werden kann, verkauft die Stadt 971 Quadratmeter Gelände am Kopf der Wilhelm-Kaisen-Brücke und im angrenzenden Straßenraum an Kühne + Nagel . Dort muss die vorhandene Rechtsabbiegerspur der Martinistraße verlegt werden. Der Kaufpreis, den Kühne + Nagel bezahlt, beträgt rund eine Million Euro. Anders gesagt: etwa 1000 Euro pro Quadratmeter. Für baureife Grundstücke im Innenstadtbereich liegt das Preisniveau eigentlich beim dreifachen Betrag.

Die Stadt und das Unternehmen machen allerdings geltend, dass auf dem Areal noch zahlreiche wertmindernde Altlasten vorhanden seien. „Das Grundstück wird nicht verramscht“, beteuerte der Sprecher der Baubehörde, Jens Tittmann, am Donnerstag bei der Vorstellung des Projekts. Und auch K+N-Regionalleiter Uwe Bielang trat dem Eindruck entgegen, seinem Unternehmen sei ein Vorzugspreis zugestanden worden. Bielang: „Wir hätten an anderer Stelle deutlich billiger bauen können.“

"Respektvoller Umgang" mit räumlicher Situation

Der Neubau der Konzernniederlassung entsteht an einer städtebaulich exponierten Stelle. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich auf dem Areal die sogenannte Kapff’sche Burg, ein neugotisches Wohn- und Geschäftshaus direkt an der damaligen Lüderitz-Brücke. Es markierte die Verlängerung der Wachtstraße zur Weser hin. Diese Lage greift der Neubauentwurf des Hamburger Architektenbüros „MPP Meding Plan + Projekt“ auf. Auf Höhe der Wachtstraße soll der niedrige, passagenartige Mittelteil des künftigen Gebäude-Ensembles die alte Sichtbeziehung in Richtung Marktplatz andeuten.

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Senatsbaudirektorin Iris Reuther attestierte dem Entwurf auch aus diesem Grund einen „respektvollen Umgang“ mit der räumlichen Situation am Rande der Altstadt. Die Maßstäblichkeit gegenüber der umgebenden Bebauung bleibe gewahrt. Bei der Projektpräsentation wurde aber auch deutlich, dass es in einer Grundsatzfrage Meinungsverschiedenheiten zwischen Stadt und Bauherrn gab. Das Bauressort des Senats wollte Kühne+Nagel ursprünglich dazu verpflichten, für die Gestaltung des Neubaus einen Architektenwettbewerb auszuloben. Das Unternehmen hatte indes frühzeitig klar gemacht, dass es dazu nicht bereit war. „Wir wollten kein Wettbewerbsergebnis, mit dem wir funktional schlecht hätten leben können“, so K+N-Regionalleiter Uwe Bielang. Er bestritt allerdings, dass das Unternehmen Druck ausgeübt und mit dem Rückzug aus Bremen gedroht habe, falls die Stadt auf einen Wettbewerb gepocht hätte.

Baubeginn vielleicht noch in diesem Jahr

Senatsbaudirektorin Iris Reuther versuchte dieser Episode Positives abzugewinnen. Immerhin sei es gelungen, den Logistikkonzern zur Mitwirkung in einem sogenannten Gestaltungsgremium zu bewegen. In diesem Gesprächskreis wirkten neben Behördenvertretern, Investor und MPP auch zwei externe Architekturexperten mit. Dem Resultat habe er seinen „denkmalpflegerischen Segen geben können“, sagte Landeskonservator Georg Skalecki. Konkret sei beispielsweise ein anderes Fassadenmaterial durchgesetzt worden.

Statt einer Glas-/Stahl-Optik soll es nun eine beige-graue Betonfassade geben, eingefärbt mit Wesersandstein-Mehl. Dadurch werde das Gebäude besser mit seiner Umgebung harmonieren, so Skalecki. Auch Jens Tittmann sprach von einem „tollen und wertvollen Entwurf“ als Ergebnis der Beratungen im Gestaltungsgremium. Das heiße allerdings nicht, dass bei Projekten vergleichbaren Kalibers künftig auf Architektenwettbewerbe verzichtet werden soll. Tittmann: „Ein solcher Wettbewerb wäre auch im Fall von Kühne+Nagel eigentlich angebracht gewesen.“

Mit den Arbeiten für den Neubau soll nach den Vorstellungen des Unternehmens noch im laufenden Jahr begonnen werden. Den Bauantrag hat Kühne+Nagel bereits eingereicht. Der Logistiker wird nach der Fertigstellung an der Martinistraße rund 11.000 Quadratmeter Bürofläche zur Verfügung haben und damit nach den Worten von Regionalchef Bielang „für künftiges Wachstum gerüstet sein“.

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