Raumnot, Personal- und Materialmangel an der Bremer Uni Kunst-Studenten beklagen Mängel

Bremen. Seit Juni darf sich die Universität Bremen mit dem Titel "Exzellenz-Universität" schmücken. Doch viele Studenten haben nichts davon. Im Gegenteil: Sie beklagen sich über Personalmangel und überfüllte Räume.
26.11.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Kunst-Studenten beklagen Mängel
Von Max Polonyi

Bremen. Seit Juni darf sich die Universität Bremen mit dem Titel "Exzellenz-Universität" schmücken. Durch den Doppelabiturjahrgang hat sich die Zahl der Studienanfänger – entgegen dem Bundestrend – um neun Prozent auf 7500 erhöht. Alles im Lot auf Bremens größter Hochschule, oder? Nicht, wenn man die Studierenden fragt. Die beklagen sich über Personalmangel und hoffnungslos überfüllte Räume.

Es waren die Kunststudenten, die ihrem Ärger in den vergangenen Wochen immer wieder Luft gemacht haben: Sie protestierten lautstark in der Glashalle der Universität, plakatierten Wände und Flure ihres Fachbereichs und unterbrachen die Tagung des Wissenschaftsrates zu Beginn vergangener Woche, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. Raumnot, Personalmangel und Materialkosten, die zum Großteil selbst getragen werden müssen – "richtiges Studieren ist bei diesen Zuständen kaum möglich", sagt Marieke Boettcher. "Es muss sich etwas ändern, und zwar schnell."

Böttcher studiert Kunst-Medien-Ästhetische Bildung im dritten Semester an der Universität Bremen. Gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Anna Siewert sitzt sie in einem kahlen Raum im Gebäude Geisteswissenschaften 2 auf dem Campus der Hochschule. In der Mitte steht ein Tisch, der mit eingetrockneter Farbe besprenkelt ist. Ringsherum an den Wänden lehnen alte Staffeleien und unfertig bemalte Leinwände.

Lesen Sie auch

Das Zimmer macht nicht den Anschein eines Seminarraums, es gibt nur einen Tisch und drei Stühle. "Es ist auch kein Seminarraum, es ist ein Atelier für die Praxisarbeit", sagt Boettcher. "Doch seit Kurzem werden auch hier Seminare mit bis zu 30 Studierenden abgehalten."

Nicht nur Raum für Lehrveranstaltungen sei an der Universität Bremen derzeit ein rares Gut, es mangele ebenso an der Personalstärke und an Material. "Es werden drei verschiedene Videokurse angeboten, daran nehmen jeweils 15 Leute teil", erklärt Anna Siewert. "Es gibt aber nur insgesamt vier Kameras und fünf Schnittplätze." Pro Kurs stelle die Universität 20 Euro für Materialkosten zur Verfügung. "Bei 30, 40 oder auch 50 Teilnehmern kann sich jeder selbst ausrechnen, wie viel davon für den Einzelnen bleibt", so Siewert. Häufig blieben die Studierenden auf dem Großteil der Kosten für ihre Studienprojekte sitzen.

Hinzu käme, dass dem Lehrpersonal die Stunden gekürzt würden. Bei vielen Dozenten sei bislang noch nicht klar, ob ihre Verträge verlängert würden. "Wir können unser Studium nicht planen, weil wir nicht wissen, ob es einen Kurs im nächsten Semester überhaupt noch geben wird", so Siewert.

Lesen Sie auch

Schlechte Stimmung in der Kunst also. Dabei war das Jahr 2012 doch eigentlich ein positives Jahr für die Universität Bremen. Erst die Auszeichnung mit dem lang ersehnten Titel der "Exzellenz-Universität", verbunden mit zusätzlichen Millionen für die Forschung. Jüngst schrieben sich sogar 7500 Studieninteressierte für das erste Semester an der Universität ein – aufgrund des Doppelabiturjahrgangs in Bremen ein bundesweiter Spitzenwert. Zufrieden sind die Studierenden dennoch nicht. Die Frage drängt sich auf: Wird die Kunst von der Universität absichtlich finanziell benachteiligt, weil sie im Vergleich zu anderen Fächern wirtschaftlich brotlos erscheint?

"Das wäre eine falsche Unterstellung", meint Jan Cloppenburg, Referent für Hochschulpolitik beim Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta). Raumnot und Personalmangel gebe es quasi überall an der Uni, nicht nur im Kunstbereich. "Die Kunststudenten sind derzeit nur diejenigen, die mit besonderen Aktionen auf sich aufmerksam machen." Das Hauptproblem sei ganz simpel: "Es fehlt der Uni am Geld", so Cloppenburg. Da die Personalkosten einen Großteil der Kosten ausmachten, würde zunächst an ihnen gespart.

Cloppenburg sieht für die Zustände am Kunstinstitut kaum Schuld bei der Universitätsleitung. "Die größten Probleme kommen von außen", meint er. "Die Universität als öffentliche Institution benötigt mehr Geld vom Bund." Die derzeit herrschenden Missstände beschreibt er so: "Wenn Sie eine Bäckerei führen, bei der eines Morgens plötzlich deutlich mehr Kunden ihre Brötchen kaufen, brauchen Sie mehr Personal und einen größeren Laden."

Viele Studenten im Kunstbereich

Ähnlich sieht man die Situation in der Universitätsleitung. Heidi Schelhowe, die Konrektorin der Universität, sagt: "Wir verstehen die Studenten." Anders als beispielsweise in den technischen Fachbereichen gebe es derzeit eine deutliche Überbelegung im Kunstbereich. "Wir haben sehr viele neue Studierende aufgenommen und brauchen jetzt dringend neue Räume für Veranstaltungen", so Schelhowe. "Aber wir können im Moment nichts tun." Denn es fehle am Geld. Auf Basis der hohen Studierendenzahl müsse man jetzt erneut mit der Landesregierung über höhere Zuschüsse verhandeln. "Wir brauchen mindestens sechs bis sieben Millionen Euro mehr im Jahr", so die Konrektorin. Bremen müsse die Grundfinanzierung erhöhen, um beispielsweise Anbauten für die Geisteswissenschaftler zu ermöglichen. "Das Land ist aber finanziell auch etwas unter Druck", räumt Schelhowe ein.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+