Kurzhistorie der Christdemokraten Bremer CDU: Von der Splittergruppe zur Volkspartei

Die CDU startete in Bremen unter widrigen Umständen und mit kaum Unterstützung. Doch einige Persönlichkeiten prägten die Partei und entwickelten aus der Splittergruppe eine Volkspartei.
26.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer CDU: Von der Splittergruppe zur Volkspartei
Von Maurice Arndt

Die CDU ist eine Mitgliederpartei, die alle Schichten anspricht“, sagt Heiko Strohmann, Geschäftsführer der Bremer CDU, die übrigens jetzt erst ihren 74 Geburtstag feiert. Dieses Selbstverständnis besaß die Partei nicht immer. In Bremen war die Union in ihren Anfängen „nicht viel mehr als eine Splittergruppe“, so Strohmann. Einige prägende Persönlichkeiten formten jedoch auch die Bremer CDU zu einer Volkspartei.

Wenig Unterstützung des katholischen Milieus

Angetrieben von den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieg finden sich 1945 in vielen Regionen Deutschlands bürgerliche Kräfte zusammen und gründen unabhängig voneinander christlich-demokratische Gruppen und Parteien – für Katholiken und Protestanten. In Bremen ist daran zu der Zeit noch nicht zu denken. Einer Gruppe um den Politiker Georg Urban gelingt es zwar 1946, die CDU in Bremen zu gründen. Doch der Weg ist steinig. Es fehlt vor allem die Unterstützung eines katholischen Milieus, das in Bremen traditionell klein ist. Führende Vertreter der Bremischen Evangelischen Kirche lehnen eine überkonfessionelle Partei zudem ab. Ungebundene Wähler gibt es praktisch nicht. „Bürgerliche und Kaufleute hatten die liberale BDV und die Arbeiterschaft die starke SPD“, erläutert Strohmann.

Dass sich 1946 trotzdem eine Bremer Union gründet, liegt unter anderem an Philipp Jahn, der sich schon früh für die Gründung einer CDU stark macht. Er habe erkannt, dass es starke Bestrebungen für eine christlich-demokratische Partei gebe, wird über Jahn in einer Partei-Chronik berichtet. Jahn, der im thüringischen Eichsfeld aufwuchs, arbeitet ab 1900 als Holzarbeiter im Bremer Holzhafen. Obwohl er zur Arbeiterschaft gehört, zieht es ihn in katholische Verbände. Von 1931 bis 1933 sitzt er als Zentrumspolitiker in der letzten freigewählten Bürgerschaft. Von 1946 bis 1955 ist er dort als CDU-Politiker erneut vertreten.

Eine mitgliederstarke Partei wird die CDU in Bremen aber erst in den 1960er- und 1970er-
Jahren. Bei der Bürgerschaftswahl 1963 schießt sie von 14,8 auf 28,9 Prozent und erreicht ab 1971 konstant 30 Prozent. Das ist nicht zuletzt einer Neuausrichtung der Partei zu verdanken, den die Nachwuchsorganisation Junge Union (JU) um ihren Vorsitzenden Bernd Neumann, der später auch Landesvorsitzender der Partei wird, forciert. Sie fordert Bürgernähe und will Wähler außerhalb der bürgerlichen Klientel ansprechen. Auch die Themen der Partie ändern sich. Die gelernte Krankenschwester Marianne Hänecke, die 1963 in die Bremer Bürgerschaft einzieht, besetzt mit 33 Jahren als jüngste Abgeordnete soziale Themen sowie die Gesundheitspolitik für die CDU. Als eine der ersten weiblichen CDU-Abgeordneten gibt die Bremerin zudem Frauen in der politischen Landschaft eine Stimme.

Kampfabstimmung über Neuausrichtung

Die Neuausrichtung der Partei mündet 1968 in einer Kampfabstimmung um den Parteivorsitz, die Amtsinhaber Jules Noltenius gegen Ernst Müller-Hermann verliert und den neuen Vorsitzenden zum Ausruf „Opas CDU ist tot!“ verleitet. Uwe Hollweg von 1974 bis 1979 sowie der aus der JU aufgerückte Bernd Neumann ab 1979 bis 2008 setzen diesen Kurs als Parteivorsitzende in Bremen fort.

Die CDU – nun eine ernst zu nehmende politische Kraft – wartet jedoch noch vergeblich auf einen erfolgreichen Angriff auf das Rathaus und auf den Chefposten. „2007 haben wir uns neu aufgestellt“, erinnert sich Strohmann. Jörg Kastendiek, von 2009 bis 2013 Vorsitzender, hatte die Idee eines Quereinsteigers für das Bürgermeisteramt ins Spiel gebracht. Dieser wird schließlich mit Carsten Meyer-Heder gefunden, der die CDU erstmals zur stärksten Partei in der Bürgerschaft macht.

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