Test auf dem deutschen Markt Lagerraum-Anbieter macht gute Erfahrungen in Bremen

Die sogenannte Selfstorage-Anlage des französischen Unternehmens Homebox am der Pfalzburger Straße ist kaum zu übersehen – und lockt viele Kunden. Die Resonanz ist gut, in der ersten Deutschland-Filiale.
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Lagerraum-Anbieter macht gute Erfahrungen in Bremen
Von Felix Frank

Acht riesige Fahnen wehen vor der Halle an der Pfalzburger Straße. „Lagerboxen zu vermieten“ steht in weißer Schrift auf dem knallroten Grund. Die sogenannte Selfstorage-Anlage des Unternehmens Homebox ist kaum zu übersehen – und lockt viele Kunden. „Wir haben eine starke Resonanz“, sagt Pierre Jouitteau, Geschäftsführer der Bremer Niederlassung. Die Lage sei perfekt. „Wir sind ganz nah an der Autobahn und am Stadtzentrum.“

Ende August eröffnete Homebox, der französische Marktführer im Bereich Vermietung und Betreuung von Lagerräumen, in Bremen seine erste deutsche Filiale. Der Beginn ist vielversprechend: Jouitteau habe bislang mehr als 60 Kunden registriert, knapp 20 Prozent der Boxen seien bereits vergeben. Der Geschäftsführer rechnet damit, das Umsatzziel für 2015 schon im Oktober zu erreichen.

Lange, breite Gänge ziehen sich durch die beheizte Halle. Hier lassen sich auch unhandliche Gegenstände wie Paletten durch die Gegend transportieren. Bewegungsmelder kontrollieren die Beleuchtung im hellen Homebox-Lager – alles hochmodern. Links und rechts befinden sich Wand an Wand die Lagerräume. Rote und weiße Türen wechseln sich ab. Je nach nach Wunsch kann der Kunde zwischen ein und 50 Quadratmeter großen Boxen wählen. Nach oben sind sie luftdurchlässig. So kann das Hallen-Belüftungssystem die Luftfeuchtigkeit innerhalb der Boxen regulieren – die Habseligkeiten der Mieter lagern hier trocken. Und sicher.

32 Kameras überwachen den Lagerbereich. Nur mit ihrem personalisierten Zugangscode können die Kunden die Halle betreten. Vor den Boxen hängen zusätzlich Schlösser. Wird eine Tür unerlaubterweise geöffnet, ertönt ein Alarm. Wie laut das Signal sein kann, demonstriert Jouitteau. Sehr laut. Zudem informiert das System einen Sicherheitsdienst.

Jederzeit können die Mieter auf ihre gelagerte Ware zugreifen. Der 24-Stunden-Service sei ein großes Plus gegenüber der Konkurrenz, sagt Jouitteau. Er hat in Bremen zwölf Wettbewerber ausgemacht. Ihm ist nicht bekannt, dass ein anderer Anbieter seinen Kunden rund um die Uhr Zutritt zu den Lagerräumen ermöglicht. Eine weitere Stärke beinhaltet der Service der Warenannahme – ein praktisches Angebot besonders für gewerblichen Kunden.

Die vertraglichen Vereinbarungen sind flexibel. Die Mindestmietzeit beträgt einen Monat, die Kündigungsfrist acht Tage. Wenn die Kunden merken, dass die gewählte Box zu klein oder zu groß ist, können sie tauschen. „Wir haben alles getan, damit die Kunden selbstständig sein können“, sagt Jouitteau.

Für Homebox ist Bremen der Start für die Expansionspläne in Deutschland. Das 1996 gegründete Tochterunternehmen des französischen Konzerns Groupe G7 sieht den Standort als hervorragenden Testmarkt. „Die Bedürfnisse unserer Kunden in der Weserstadt repräsentieren die Bedürfnisse potenzieller Kunden in ganz Deutschland“, sagt Jouitteau. Anfang 2016 sollen die nächsten beiden Anlagen eröffnen, eine davon in Berlin. Außerdem will Homebox in zwei weiteren Ländern, unter anderem der Schweiz, aktiv werden. Das Unternehmen hat Großes vor: Derzeit ist es an

70 Standorten in Europa vertreten, in den kommenden drei Jahren soll die Zahl auf 150 steigen. Momentan hat Homebox etwa 170 000 Privat- und Geschäftskunden. Auch diese Zahl dürfte in Zukunft dann in die Höhe schnellen.

In der 6500 Quadratmeter großen Halle an der Pfalzburger Straße bietet Homebox aktuell 420 Boxen an. In zwei Jahren sollen sie komplett vermietet sein, sagt Jouitteau. Die Fläche ist damit aber längst nicht ausgeschöpft. Der hintere Teil der Halle, knapp 3500 Quadratmeter, ist unbebaut. Noch. Der Plan: Wenn der jetzige Bestand an Lagerräumen vermietet ist, sollen in dem Abschnitt auf zwei Etagen weitere Boxen entstehen. Insgesamt will Homebox in Bremen dann 1100 Lagerräume anbieten.

Die meisten der Kunden in Bremen, knapp 70 Prozent, sind Unternehmen. Ungewöhnlich für die Branche. „Normalerweise sind drei Viertel Privatkunden“, sagt Wolfgang Köhnk, Vorstand des Verbunds Deutscher Selfstorage-Unternehmen.

Ob Umzug, Renovierungsarbeiten oder ein längerer Auslandsaufenthalt – aus verschiedenen Gründen entscheiden sich Privatkunden für die Selbsteinlagerung. Eine Fünf-Quadratmeter-Box, eine gängige Größe für Privatkunden, kostet pro Monat 99 Euro. Transporthilfsmittel wie Sackkarren und Palettenheber stehen kostenfrei zur Verfügung.

Noch besteht das Bremer Homebox-Team nur aus einer Person: Pierre Jouitteau. Doch der 34-jährige Geschäftsführer, der zuletzt in der Produktionsplanung bei Unilever gearbeitet hat und zuvor unter anderem Geschäftsführer einer Kühlwagen-Vermietungsfirma in Rotterdam war, sucht wegen der rasant steigenden Kundenzahl Verstärkung. Der gebürtige Franzose, der seit sieben Jahren in Deutschland lebt, ist mit dem Start in Bremen zufrieden: „Ich will mich nicht beschweren, wie es läuft.“

Ein wachsender Markt

Die Idee der Selbsteinlagerung kommt aus den USA. Das Geschäft boomt – auch in Deutschland. Nach einer aktuellen Studie des europäischen Selfstorage-Verbands Fedessa gibt es bundesweit 143 Selfstorage-Anlagen, im vergangenen Jahr waren es 131. In Zukunft werde der Markt weiter wachsen. Nach Angaben des Verbands Deutscher Selfstorage-Unternehmen habe sich die Zahl der Anlagen in Deutschland in den vergangenen zwölf Jahren verzehnfacht. Die Statistik berücksichtigt alle Niederlassungen von Verbandsmitgliedern.

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