Bildungssenatorin will Pläne in 2010 präsentieren Lehrer-Ausbildung wird runderneuert

Bremen. Grundschullehrer sollen besser ausgebildet werden. Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) will dazu die Studiendauer von vier auf fünf Jahre verlängern und das Studium um ein drittes Studienfach erweitern, erklärt sie im Gespräch mit dem WESER-KURIER.
23.03.2010, 06:48
Lesedauer: 2 Min
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Von Bernd Schneider

Bremen. Grundschullehrer sollen besser ausgebildet werden. Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) will dazu die Studiendauer von vier auf fünf Jahre verlängern und das Studium um ein drittes Studienfach erweitern. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte sie: 'Wir wollen mehr fachwissenschaftliche Anteile, aber wir wollen auch die didaktischen Bereiche stärken', also die Unterrichtsmethoden.

Ende 2010 will die Bildungssenatorin ein Konzept für die neue Lehrerausbildung vorlegen. Es soll zugeschnitten sein auf die Struktur des reformierten Bremer Schulsystems mit Gymnasium und Oberschule, die beide zum Abitur führen. Darauf sollen angehende Lehrer beider Schulformen vorbereitet werden. Viele Details sind dabei noch unklar. Was sich aber schon jetzt deutlich abzeichnet, ist die neue Struktur der Grundschullehrer-Ausbildung:

Sowohl Deutsch als auch Mathematik werden für angehende Grundschullehrer Pflichtstudienfächer. Derzeit müssen sich Studienanfänger für eines von beiden entschieden; wer Kindern Lesen und Schreiben professionell beibringen will, scheitert bislang an der Universität: Beide Fächer lassen sich noch nicht miteinander vereinbaren.

Kernfächer Deutsch und Mathe

'Ich möchte Deutsch und Mathematik gestärkt wissen', sagt Renate Jürgens-Pieper. 'In der Grundschule wird Mathematik derzeit sehr häufig fachfremd unterrichtet' - also von Lehrern, die dazu nicht ausgebildet sind. 'Der Anteil ist in Bremen extrem hoch.' Zum Teil erkläre dies wahrscheinlich auch die vergleichsweise schwachen Leistungen in nationalen und internationalen Tests.

Deutsch und Mathematik gelten zudem als Kernfächer; die Bildungsminister der Länder wollen sie gemeinsam stärken - bis zum Abitur. In Bremen haben Schüler mit überdurchschnittlichen Leistungen in diesen Kernfächern inzwischen bevorzugten Zugang zu den Schulformen Oberschule und Gymnasium.

Angehende Grundschullehrer sollen daneben noch ein drittes Fach studieren: Kunst-, Musik-, oder Religionspädagogik, Englisch, Sachunterricht oder 'inklusive Pädagogik', also Unterricht mit behinderten Kindern. So gibt es zwei Hauptfächer und ein Nebenfach. 'Diese Struktur sichert den Anschluss an die Ausbildung in anderen Bundesländern', erläutert die Senatorin. Angehende Grundschullehrer sollen zunehmend auch intensiver lernen, mit der Verschiedenartigkeit von Schülern umzugehen - weniger Frontalunterricht an der Tafel, mehr Aufgaben auf dem jeweiligen Niveau des einzelnen Schülers. An sehr vielen Grundschulen ist das längst Praxis; die Ausbildung soll nun verstärkt das Rüstzeug dafür liefern.

Nebeneffekt der vorgezeichneten Studienreform ist, dass Studierende 300 Kreditpunkte erwerben - Voraussetzung für eine weitere Laufbahn, etwa wenn sie promovieren oder später auf einen anderen Beruf umsatteln wollen. Längeres Studium, höhere Qualifikation, höhere Besoldung? Das wird dabei aber nicht herauskommen. Die Senatorin: 'Das können wir uns nicht leisten.'

'Eine hochwertige und zukunftsfähige Lehrerausbildung ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg von Bildung und Erziehung', sagte die Grünen-Abgeordnete Silvia Schön, als jetzt die Grundzüge der Reform im Wissenschaftsausschuss der Bürgerschaft vorgestellt wurden. Angehende Lehrer hätten so mehr Zeit für die Ausbildung, besonders für die 'bessere Integration von Schülern mit Migrationshintergrund sowie mit sonderpädagogischem Förderbedarf'. Die längere und damit intensivere Ausbildung, so die Vorsitzende des Ausschusses weiter, führe zudem zu einer Gleichstellung aller Lehrerausbildungen: 'Das Grundschullehramt wird auf diese Weise nachhaltig gestärkt.'

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