Belastung an Schulen wächst Lehrer fordern 200 weitere Stellen

200 zusätzliche Lehrer sollten es sein. Aber noch ist bei einem Teil dieser Stellen nicht geklärt, wie sie finanziert werden sollen.
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Lehrer fordern 200 weitere Stellen
Von Sara Sundermann

200 zusätzliche Lehrer sollten es sein. Aber noch ist bei einem Teil dieser Stellen nicht geklärt, wie sie finanziert werden sollen.

Ein Lehrer, der gleichzeitig zwei Klassen beaufsichtigen soll, in zwei verschiedenen Räumen. Seine eigene Klasse, und eine Klasse, deren Lehrer ausgefallen ist. Solche Situationen seien inzwischen nicht mehr die Ausnahme, sondern kämen regelmäßig vor, sagt Arno Armgort, Vorsitzender des Personalrats Schulen: „Es kann nicht sein, dass das immer mehr zum Alltag wird: Damit die Schüler nicht nach Hause geschickt werden und die Eltern nicht zu Recht gegen Unterrichtsausfall protestieren, wird an den Schulen zu solchen Notmaßnahmen gegriffen.“

In solchen Situationen empfiehlt der Personalrat nun den Lehrkräften, eine sogenannte Gefährdungsanzeige zu stellen. Eine Gefährdungsanzeige soll dem Arbeitgeber verdeutlichen, dass trotz größter Sorgfalt die Gefahr besteht, dass Arbeitsaufgaben nicht mehr ordnungsgemäß erfüllt werden können. Damit wird auf inakzeptable Arbeitsbedingungen hingewiesen. Auf solche Anzeigen haben Mitarbeiter in Krankenhäusern, bei der Feuerwehr oder im Sozialamt schon zurückgegriffen.

Nun sollen es Armgort zufolge auch Lehrer tun: „Wenn die eigene Gesundheit gefährdet ist, oder wenn Lehrkräfte etwas tun sollen, wofür sie die Verantwortung nicht übernehmen können, empfehlen wir, solche Anzeigen zu stellen“, so Armgort. „Kein Lehrer kann dafür die Verantwortung übernehmen, was passiert, wenn er zwei Klassen gleichzeitig beaufsichtigen soll – die Schüler können in Streit geraten und sich verletzen oder das Schulgelände verlassen.“ Eine Gefährdungsanzeige gehe dann über die Schulleitung an die Schulaufsicht bei der Bildungsbehörde. „Zur Not muss man die Lage auch vor Gericht prüfen lassen“, kündigt Armgort an.

Hohe Arbeitsbelastung

Die Arbeitsbelastung sei stark gestiegen, stellt die Personalvertretung fest. Wegen der Inklusion gebe es mehr Konferenzen und Teambesprechungen, immer mehr Aufgaben jenseits des Unterrichts kämen hinzu. „Es gibt keine ausreichende Krankheitsreserve“, kritisiert Armgort. Der Personalmangel werde durch unbezahlte Mehrarbeit ausgeglichen. Die Zeiten, in denen Lehrer morgens unterrichten, nachmittags Stunden vorbereiten oder Tests korrigieren und ansonsten frei hätten, seien längst vorbei. Die Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher sei eine weitere Herausforderung und bedeute Mehrarbeit.

„Wir brauchen mindestens 200 zusätzliche Lehrerstellen, außerdem müssen mehr Sozialpädagogen und Sozialarbeiter eingestellt werden“, sagt Armgort. Gebraucht würden Deutsch-Lehrkräfte für Vorkurse für Zuwandererkinder, aber auch ganz normale Lehrkräfte für die Regelklassen. Diese Forderung ist das Ergebnis einer Personalversammlung, zu der rund 400 Lehrerinnen und Lehrer am Dienstag im Bürgerzentrum Vahr zusammengekommen sind.

Laut Auskunft des Senats auf eine Große Anfrage der Linksfraktion in der Bürgerschaft nimmt Bremen in diesem Jahr bis zu 4600 geflüchtete Kinder und Jugendliche auf. Für sie müsse es viel mehr Vorkurse geben, fordert auch die Linke.

Die 200 nun von den Lehrkräften geforderten Stellen würden zusätzlich zu den von Bürgermeister Carsten Sieling und Bildungssenatorin Claudia Bogedan (beide SPD) angekündigten 200 Lehrern an den Tafeln benötigt, betont Armgort. Unterdessen ist immer noch nicht klar, wie 80 der vom Senat angekündigten 200 Stellen finanziert werden sollen.

Wenn die Schulen nicht vernünftig mit Personal ausgestattet würden, drohten später hohe Folgekosten in anderen Bereichen, warnt Armgort: „Wenn Jugendliche keine guten Bildungschancen bekommen, muss später Arbeitslosigkeit in großem Ausmaß finanziert werden.“ Wenn der Lehrermangel nicht behoben werde, wachse die Gefahr sozialer Verwahrlosung in den benachteiligten Stadtteilen: „Wir wollen auch mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen auf die dramatische Situation an den Schulen aufmerksam machen.“ Ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben.

Die Bildungssenatorin reagiert auf die Kritik: „Natürlich brauchen wir zusätzliche Lehrer“, sagt Claudia Bogedan. „Der gesamte Senat arbeitet sehr intensiv daran, die Zahl der Geflüchteten unterzubringen und zu integrieren. Das ist eine riesige Herausforderung. Dabei müssen wir die finanziellen Spielräume Bremens berücksichtigen.“ Lehrer würden vor Ort eine enorme Leistung vollbringen. Bogedan: „Wir arbeiten an Entlastungsmöglichkeiten.“

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