Menschenhandel im Bremer Rotlichtmilieu

Linke wollen über Prostitution aufklären

Bremen. In Bremen arbeiten laut Polizei 800 bis 1000 Prostituierte. "Das ist eine Wirtschaftsmacht, die noch vor dem Drogenhandel rangiert", sagt die Bremer Linken-Politikerin Monique Troedel. Ihre Partei hat nun eine Broschüre zum Thema veröffentlicht.
21.12.2010, 05:00
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Von Rainer Kabbert

Bremen. Prostitution - ein vernachlässigtes Thema? "Darüber redet man meist mit erhobenem Zeigefinger oder ablehnendem Desinteresse", meint Monique Troedel, Fraktionsvorsitzende der Linken in der Bremischen Bürgerschaft. Dagegen lieferte Troedel zusammen mit der Bremer Redakteurin Sabine Bomeier erschreckende Zahlen:

In Bremen arbeiten - auch nach Schätzungen der Polizei - 800 bis 1000 Prostituierte (davon 500 in Modelwohnungen und 110 in Bordellen), in Bremerhaven rund 150. Die Prostituierten kommen überwiegend aus Osteuropa, acht Prozent sind minderjährig. In Bremen werden so jährlich Einnahmen von 37 Millionen Euro erzielt. "Das ist eine Wirtschaftsmacht", sagte Troedel, "die noch vor dem Drogenhandel rangiert." Nach Zahlen des Innenressorts wurden 2009 im Bereich Zwangsprostitution 47 Ermittlungsverfahren eingeleitet.

In der Öffentlichkeit aber werde Menschenhandel und Zwangsprostitution als "normaler Vorgang" geduldet. Auch deshalb hat die Bremer Linke die Broschüre "Käufliche Liebe: die Frau als Ware" gestern vorgestellt. Ziel: Informationen über das heikle Thema liefern, damit sich Einstellungen und Verhalten gegenüber Prostituierten ändern. So könnten etwa Nachbarn bordellähnliche Wohnungen melden und Zwangsprostituierte so aus misslicher Lage befreit würden.

Die Frauen selbst haben nach Informationen von Troedel Angst, die Polizei einzuschalten, werden bedroht und misshandelt, sind auch meist nicht der deutschen Sprache mächtig. "Zwangsprostitution ist eine immerwährende Vergewaltigung", kritisiert die Bürgerschaftsabgeordnete.

Forderung nach Opferschutz

Nun fordert die Linke: Sexueller Missbrauch sollte ein Asylgrund sein, sicherer Opferschutz bei Kooperation mit der Polizei und psychosoziale Betreuung müssten gewährleistet, berufliche Perspektiven für die Zwangsprostituierten geschaffen werden.

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