Botanika im Bremer Rhododendronpark Linnert streicht Mittel für Entdeckerzentrum

Bremen. 750.000 Euro hat das Umweltressort für die Botanika in seinen Haushaltsentwurf gestellt - die hat Finanzsenatorin Karoline Linnert nun gestrichen. Jetzt müssen für die Realisierung des Entdeckerzentrums neue Geldgeber gesucht werden.
15.12.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Rainer Kabbert

Bremen. Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) setzt den Rotstift an: 750000 Euro hatte das Umweltressort für die Botanika in seinen Haushaltsentwurf gestellt - gestrichen. Nun müssen für die Realisierung des Entdeckerzentrums neue Geldgeber gesucht werden. Die Beteiligten hoffen, das Projekt später vielleicht doch noch realisieren zu können.

Bremen. Das Entdeckerzentrum der Botanika soll modernisiert, das Thema pflanzliche Vielfalt emotionaler und interaktiver präsentiert werden. Zwei Millionen Euro kostet das neue Ausstellungskonzept. Zusagen über 1,25 Millionen Euro schienen sicher, jetzt musste nur noch der Haushaltstitel im Umweltressort (750000 Euro) die Etatberatungen überstehen. Doch in Verhandlungen mit dem Finanzressort konnte dieser Titel nicht durchgesetzt werden, erläutert Edo Lübbing von Gaertner, im Umweltressort Leiter des Fachbereichs Umwelt. Der Betrag wurde im Etat gestrichen.

Nun müssten neue Finanzierungsformen gesucht werden, sagt der Fachbereichsleiter. Als Vorteil sieht er, dass ein durchgerechnetes Konzept sowie eine 85-seitige Broschüre über die geplanten Neuerungen vorliegen. "Das Umweltressort will das Projekt nicht sterben lassen und es doch noch realisieren", so Lübbing. Auch wenn der Zeitplan jetzt vermutlich nicht mehr eingehalten werden könne.

Widerspruch zum Bildungsziel

Politische Kreise zeigen sich verwundert über die Streichung des Haushaltstitels. Denn der Senat habe Bildung als Schwerpunktthema gesetzt, und genau dieses Feld decke das Entdeckerzentrum ab. Umweltschutz und Biologie früh und interessant vermitteln - das hätten Politiker immer wieder gefordert. Doch wenn es um die Bereitstellung von Mitteln gehe, halte man sich zurück.

Offenbar wird diese Zurückhaltung bei der Finanzierung von Bildungsprojekten nicht im gesamten Senat geteilt. Ein Insider spricht von einem "angespannten Verhältnis zwischen Umweltressort und Finanzressort", das sich wohl auch auf Haushaltsentscheidungen auswirke - sogar wenn beide Ressorts von grünen Politikern geleitet werden, von Finanzsenatorin Karoline Linnert und Umweltsenator Joachim Lohse.

Botanika-Geschäftsführerin Petra Schäffer nimmt die Streichung der Dreiviertelmillion durch das Finanzressort als Ansporn, nun noch mehr Überzeugungsarbeit in Sachen Entdeckerzentrum zu leisten. Im politischen Raum besteht ihrer Ansicht nach Konsens, das Thema Wissenswelten auszubauen. Dazu gehören für sie auch Botanika-Konzepte wie die grüne Schule, in der - angelehnt an die Bildungspläne des Landes - biologisch-ökologische Themen vermittelt werden. Das Thema Wissenswelten hat laut Schäffer auch große Bedeutung für den Tourismus: Interessierte aus der Region würden ebenso angesprochen wie Bustouristen aus weiterer Entfernung.

Das Konzept des neuen Entdeckerzentrums, erarbeitet von den Machern des Universum, deckt sechs Themenbereiche ab. Mit einem neuen ästhetischen Zugang sollen Farben und Düfte der Pflanzen thematisiert werden, ihre Formen und Inhaltsstoffe, ebenso wie Wachstum und Verbreitung. Dabei sollen alle Sinne angesprochen werden, etwa wenn in einem Spektroskop die Fotolyse der Pflanzen visualisiert wird. Präsentiert werden auch heimische und exotische Tiere wie Feuersalamander, Bienen und Chamäleons. Die Ausstellungsexponate, abgedruckt in einer detaillierten Publikation, sind in Computersimulationen bereits zu besichtigen. 2014 sollten sie real zu sehen sein.

Positive Renonanz im Senat

An der Erarbeitung des Konzepts - das auch mit 500000 Euro durch die Bundesstiftung Umwelt finanziert worden wäre - haben sich Universum und Hochschule genauso beteiligt wie die Senatsressorts Wirtschaft, Umwelt und Bildung. Offenbar ist die Idee in der rot-grünen Regierung auf positive Resonanz gestoßen - nun alles umsonst, weil die Widerstände des Finanzressorts in den Etatberatungen am Ende zu groß waren?

Dabei hätte sich der nun gestrichene Betrag von 750000 Euro wohl noch verringert, wenn die Gesamtfinanzierung von zwei Millionen Euro abgesegnet worden wäre. Lübbing von Gaertner hat auf die Möglichkeit hingewiesen, für ein durchfinanziertes Projekt Drittmittel einzuwerben, etwa über die EU-Regionalförderung. Auf diese Weise wäre der bremische Anteil für das neue Entdeckerzentrum zusammengeschmolzen.

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