Online gesehen, lokal gekauft Locafox nominiert für den Innovationspreis

Seit Juni 2016 ist die Plattform Locafox online und verbindet den Online-Handel mit dem stationären Handel. Sie zeigt ihrem Nutzer Daten, Preise und Verfügbarkeiten der gewünschten Produkte vor Ort an.
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Locafox nominiert für den Innovationspreis
Von Carolin Henkenberens

Seit Juni 2016 ist die Plattform Locafox online und verbindet den Online-Handel mit dem stationären Handel. Sie zeigt ihrem Nutzer Daten, Preise und Verfügbarkeiten der gewünschten Produkte vor Ort an.

Nach Feierabend noch schnell eine Jeans besorgen? Oder endlich das neue Smartphone kaufen, von dem man im Internet schon mehrere Testberichte gelesen hat? Wer ein Produkt in einem Geschäft in seiner Nähe kaufen möchte und schon ungefähr weiß, was er sucht, hat jetzt eine neue Hilfe: die Plattform Locafox.

Auf der Internetseite begrüßt ein Bild von Bremen bei Sonnenuntergang, die Weser glitzert gelb-blau. In die Suchmaske lässt sich nun eintippen: „Jeans“ oder „Samsung“. Prompt erhält der Nutzer Angebote von Hosen oder Smartphones samt Foto, genauer Daten, dem Preis und der Verfügbarkeit.

Bei der Jeans funktioniert das zwar noch nicht ganz einwandfrei, weil die ersten Treffer Bermudashorts abbilden, aber die Plattform ist ja auch noch jung; sie ist erst seit Juni 2016 in Bremen am Markt. Beim Samsung-Handy klappt das besser.

Verknüpfung mit Google Maps

Eine Karte zeigt dem eiligen Kunden an, an welcher Kreuzung er abbiegen muss, damit er noch rechtzeitig vor Ladenschluss das Geschäft erreicht. Mit Google Maps kann er sich direkt dorthin navigieren lassen. Alternativ kann der Kunde den Artikel kostenlos reservieren und bis Geschäftsende abholen.

Die Plattform Locafox verbindet den Online-Handel mit dem stationären Handel. Sie ist eine Antwort auf die geänderten Einkaufsgewohnheiten der Kunden. Der Gesellschaft für Konsumforschung zufolge informieren sich 41 Prozent der Kunden im Internet über Artikel, die sie im Laden kaufen wollen.

„Die heutigen Kunden sind weitaus informierter und selbstbewusster“, bestätigt Jan König vom Handelsverband Nordwest. Sie kennen die ungefähren Preise, Testergebnisse oder Qualitätsmerkmale.

Online-Shop oder Homepage

Deshalb gelte: Geschäfte müssen heutzutage auf jeden Fall online auffindbar sein. „Wer keinen eigenen Online-Shop hat, muss wenigstens eine Homepage haben“, sagt König. „Gerade mit Social Media erreicht man ganz andere, jüngere Zielgruppen.“ Doch gerade kleine Läden haben oft nicht die Kapazitäten, einen professionellen Online-Auftritt zu gestalten oder sogar eine Seite in den sozialen Netzwerken mit Informationen zu bestücken.

Kleine Läden, aber auch große Handelshäuser können sich auf Locafox darstellen. Weil dafür ein täglich aktualisierter Bestand der Waren und Preise notwendig ist, bietet Locafox auch ein Kassensystem an.

Das kann die Daten, welches Produkt zu welchem Preis gerade verfügbar ist, an die Plattform übermitteln. Mindestens einmal täglich sollen die Geschäfte ihre Waren aktualisieren. Das soll verhindern, dass ein Kunde in ein Geschäft kommt und der Artikel seit zwei Tagen nicht mehr vorhanden ist.

Mit dem Einkaufen sind Emotionen verbunden

„Wir glauben, dass bestimmte Produkte lieber vor Ort gekauft werden, weil mit dem Einkaufen Emotionen verbunden sind“, erklärt Michael Wendt, einer der Mitgründer des Berliner Start-ups Locafox. „Die Leute gehen ja nicht zu Starbucks, weil der Kaffee für 4,50 Euro so gut oder günstig ist, sondern weil mit dem Besuch des Cafés Emotionen verbunden sind.“

Es gebe sinnvolle Anwendungen für Online-Shopping, bei wiederkehrenden Einkäufen wie Tintenpatronen für den Drucker zum Beispiel. „Wir von Locafox glauben aber, dass Verbraucher situationsbedingt entscheiden, ob sie etwas online oder im Laden kaufen.“

Locafox hat sich im Jahr 2013 gegründet und ist 2014 online gegangen. Gründer sind neben Michael Wendt, Karl Josef Seilern (CEO), Fabian Friede, Lukas Zels und Rob Morgan. Seilern war zuvor bei Rocket Internet, dem Inkubator für Online Start-ups der Brüder Samwer, und auch die anderen Gründer haben Erfahrung in der Gründerszene.

Locafox hat 70 Mitarbeiter

Mittlerweile hat Locafox 70 Mitarbeiter und ist in allen größeren Städten vertreten. Dort kooperiert das Unternehmen mit Zeitungsverlagen. In Bremen ist der WESER-KURIER an der Plattform beteiligt. Nutzer aus Bremen und Bremerhaven können bislang 380 000 Produkte von 57 Geschäften in der Suchmaschine auf www.locafox.de finden. Unter anderem sind Saturn, Media Markt und Thalia dabei.

„Unser Ziel ist es, eine möglichst realistische Übersicht des Einzelhandelsangebotes ins Internet zu bringen“, erklärt Wendt. Der Vorteil für den Einzelhändler: Wenn er sich auf der Plattform präsentiert, erhält er möglicherweise mehr Aufmerksamkeit als nur über seine eigene Internetseite. Für seinen Auftritt auf Locafox zahlt der Händler eine Pauschale, der Preis richtet sich auch nach der Zahl der generierten Klicks und der Reservierungen.

Doch wie kommt die Idee bei Händlern an? „Kleinere Händler haben manchmal Angst vor dem direkten Wettbewerb“, berichtet Wendt. Oft zeigten die Daten aber, dass ihre Preise sehr wohl wettbewerbsfähig mit Online-Shops seien. Viel schwerwiegender sei ein anderes Problem, sagt Jan König vom Handelsverband Nordwest. Viele inhabergeführte Geschäfte hätten oft nicht einmal einen Nachfolger. Für sie stellt sich die Frage nach der Erneuerung nicht.

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