Verkehrssenator: Steuerung läuft ausschließlich in meinem Ressort

Loske reagiert frostig auf Winterdienst-Kritik

Bremen. Verkehrssenator Reinhard Loske (Grüne) ist am Donnerstag auf Konfrontationskurs zu Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) gegangen. 'Die Steuerung des Winterdienstes läuft hier im Ressort. Und nur hier', sagte er in der Baudeputation.
04.02.2010, 19:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Elke Gundel

Bremen. Verkehrssenator Reinhard Loske (Grüne) ist gestern auf Konfrontationskurs zu Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) gegangen. 'Die Steuerung des Winterdienstes läuft hier im Ressort. Und nur hier', sagte er in der Baudeputation. Als Dieter Focke (CDU) mit Blick auf Böhrnsens Ankündigung, der Winterdienst werde einer Fehleranalyse unterzogen, fragte, ob sich der Senat vorab nicht abgestimmt habe, sagte Loske: 'Mit mir und mit meiner Behörde hat es keine Kontaktaufnahme gegeben.'

Gleichzeitig stärkte Loske den Winterdienst-Mitarbeitern demonstrativ den Rücken und bedankte sich ausdrücklich für ihre 'gute Arbeit'. Der Winterdienst in Bremen ist auf mehrere Schultern verteilt. Das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) kümmert sich grob gesagt um Autobahnen, Bundesstraßen und einige Stadtteile, die Entsorgung Nord (ENO) ist zuständig für den Großteil des Stadtgebietes südlich der Lesum, Stadtgrün für Bremen-Nord.

Die Kritik hatte sich an der Strategie der ENO entzündet, wie dem anhaltenden Schneefall am Dienstagvormittag zu begegnen sei. Die Räumfahrzeuge rückten laut ENO gar nicht erst aus. Begründung: Das Streusalz reiche nur noch für einen Einsatz. Bei andauerndem Schneefall verpuffe der Effekt eines einmaligen Streuens aber sofort wieder. ENO-Geschäftsführer Volker Ernst sagte in der Deputationssitzung, seit 18. Dezember seien 180 Mitarbeiter und 90 Fahrzeuge praktisch jede Nacht im Einsatz. Vor dem Winter seien die Salzlager mit 4000 Tonnen gefüllt gewesen, was in normalen Jahren völlig ausreiche. Inzwischen seien schon 12000 Tonnen Salz und Sand gestreut worden. Bestellungen über 1000 Tonnen Salz seien seit Wochen offen. 'Wir kriegen täglich 50 bis 100 Tonnen Salz. Das reicht für einen Einsatz.'

Auch Holger Horstmann, beim ASV zuständig für den Winterdienst, bekommt den Engpass beim Salz zunehmend zu spüren. Dass die Lieferanten ihre Verträge nicht erfüllen, erlebe er 'erstmals'. Es gebe mittlerweile bundesweit Probleme. Bislang seien allerdings zumindest die Autobahnmeistereien beliefert worden - deshalb konnten die Bremer Autobahnen bis jetzt freigehalten werden. Nun lande auch bei den Autobahnmeistereien weniger Streusalz. 'In den nächsten fünf bis sechs Tagen müssen wir mit unseren Resten hinkommen.' Die Vorräte reichten höchstens für einen Einsatz pro Nacht. Ab Dienstag war deshalb der Winterdienst auf der A1 eingeschränkt, die dritte Spur nicht mehr gestreut und deshalb gesperrt worden. Diese Regelung, so die Ankündigung des Verkehrsressorts, gelte vorerst bis heute. Auch der Winterdienst der BSAG ist praktisch ständig im Einsatz. Ergebnis der Mühen: Anders als in anderen Städten fahren alle Busse und Bahnen.

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