Corona-Kontaktverfolgung Bremen trennt sich von der Luca-App

Die Luca-App galt als smartes Werkzeug zur Kontaktnachverfolgung bei Corona-Infektionen in Hotels und Gaststätten – in Bremen erwies sie sich als ineffektiv und teuer. Nun wird der Vertrag auslaufen.
14.01.2022, 14:30
Lesedauer: 3 Min
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Bremen trennt sich von der Luca-App
Von Joerg Helge Wagner

257.000 Euro hat das Land Bremen im März vorigen Jahres investiert, um zwölf Monate lang die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung bei Corona-Infektionen nutzen zu können. Eine Fehlinvestition, wie es scheint: Nach Schleswig-Holstein beendet Bremen nun als zweites Bundesland die Zusammenarbeit mit den Betreibern der App. Das bestätigte am Freitag Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke).

Nach gründlicher Prüfung werde Bremen den Vertrag über die Nutzung der Luca-App fristgerecht zum 28. Februar kündigen. Damit läuft der Vertrag am 31. März aus. „Der Einsatz der Luca-App hat im vergangenen Jahr bei der Kontaktnachverfolgung keinen großen Mehrwert gezeigt", bilanziert Bernhard. "In Bremen wurden nur wenige Abfragen durch das Gesundheitsamt vorgenommen und somit hat sich das System für uns nicht bewährt." Grundsätzlich wolle sie aber an der gesetzlichen Grundlage der Kontaktnachverfolgung festhalten.

Dafür werde man sich jetzt ganz auf die Gast-Bremen-App und die Corona-Warn-App stützen, ergänzte Bernhards Sprecher Lukas Fuhrmann gegenüber dem WESER-KURIER. "Gast-Bremen kann dasselbe wie Luca und wird von fast allen Bremer Gastronomen genutzt." Allerdings war auch mit dieser App der Erfolg bei der Nachverfolgung ähnlich bescheiden wie bei Luca, mit deren Hilfe zehn Fälle aufgeklärt wurden. Vorteil der Gast-Bremen-App: Sie wurde einmalig vom Wirtschaftsressort finanziert, es entstehen keine Folgekosten.

FDP empfiehlt Corona-Warn-App

Kritik an der bisherigen Bremer Strategie äußerte umgehend die oppositionelle FDP: „Trotz der Warnungen vieler Experten, unter anderem wegen Sicherheits- und Datenschutzbedenken, entschloss sich der Bremer Senat im letzten Jahr zum Abschluss eines Lizenzvertrages für die Luca-App", moniert die stellvertretende Landesvorsitzende Bettina Schiller. Dabei gebe es mit der Corona-Warn-App bereits eine staatlich finanzierte App, die bislang schon 40 Millionen Mal heruntergeladen wurde. "Der Funktionsumfang der Corona-Warn-App wurde kontinuierlich angepasst und erweitert", betont Schiller. "Sie ist datensicher und datenschutzfreundlich, da die Nutzerdaten nur dezentral auf den Gera?ten der Anwender gespeichert werden.“

In der Gastronomie und Hotellerie, wo die Luca-App vor allem zum Einsatz kommt, herrscht dennoch eine gewisse Skepsis über deren Aus in Bremen. "Nahezu alle Gastronomen können die verwenden", sagt Detlef Pauls, Landesvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). "Das macht ja auch Sinn, schon wegen der auswärtigen Restaurant- und Übernachtungsgäste." Von denen habe sich schließlich kaum jemand die Gast-Bremen-App heruntergeladen.

"Die können sich doch über einen QR-Code einchecken", sagt Oliver Trey, Vorsitzender der Bremer Gastro Gemeinschaft. "Die Kosten der Luca-App waren nicht verhältnismäßig", findet der Gastwirt. "Gast-Bremen hat gerade mal ein Zwanzigstel gekostet. In meinen Betrieben habe ich nur diese App, und das funktioniert." Aktuell seien bei Gast-Bremen 1862 Betriebe angelegt, es gebe aber deutlich mehr QR-Codes der App. Möglich ist, dass ein Gastronom mehrere Betriebe führt, für jeden einen eigenen QR-Code generiert und trotzdem nur einen Betrieb bei Gast-Bremen angelegt hat. Große Einzelbetriebe wiederum können für jeden Saal oder die Bar eigene QR-Codes anbieten.

Blockade durch Datenschutz?

Der in Bremen kritisierte geringe Nutzen von Luca liege nicht zwingend am Konzept der App, sagt wiederum Hotelier Pauls. Eine einzige Nachfrage des Gesundheitsamtes habe es bislang in einem seiner beiden Hotels gegeben. "Als ich per E-Mail fragte, von welchem Gast sie denn die Daten brauchen, wurde mir geantwortet, dass sie den Namen aus Datenschutzgründen nicht nennen dürften." Das habe die Kontaktnachverfolgung dann unmöglich gemacht.

Schon Ende Oktober gab es erste Zweifel an der Effizienz der Luca-App, die vor allem in Gaststätten, Restaurants und Hotels zur Erfassung der Gäste genutzt wird. Nach damaligen Angaben von Fuhrmann wurde bei sieben positiven Corona-Fällen mit der Luca-App versucht, sie nachzuverfolgen, lediglich in vier Fällen war die Nachverfolgung erfolgreich. 95 Kontaktpersonen konnten dadurch ermittelt werden.

Die Zahlen bezogen sich auf den gesamten Zeitraum seit der Einführung. Wobei die App laut Fuhrmann erst ab Juni im richtigen Einsatz war, weil es vorher aufgrund des Lockdowns wenige Möglichkeiten gab, sie zu nutzen. An ihrer mangelnden Effizienz hat sich inzwischen wenig geändert.

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