Großreederei schließt Büro Maersk verlässt Bremen

Die größte Containerreederei der Welt wird künftig nicht mehr mit einer eigenen Niederlassung in Bremen vertreten sein. Bereits zum Ende des Monats schließt ­Møller-Maersk sein Vertriebsbüro.
23.03.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Maersk verlässt Bremen
Von Philipp Jaklin

Die größte Containerreederei der Welt wird künftig nicht mehr mit einer eigenen Niederlassung in Bremen vertreten sein. Bereits zum Ende des Monats schließt der dänische Öl- und Schifffahrtskonzern ­Møller-Maersk sein Vertriebsbüro in der Überseestadt.

Entsprechende Informationen aus Branchenkreisen hat das Unternehmen mit Sitz in Kopenhagen inzwischen dem Bremer Senat bestätigt.

Betroffen von der Schließung sind offenbar zehn Mitarbeiter. Sie hatten sich bis zuletzt von Bremen aus um die Betreuung von Spediteuren und Direktkunden sowie andere Innendienstätigkeiten gekümmert. Diese Aufgaben soll künftig die Deutschlandzentrale von Maersk in Hamburg mit übernehmen. Erhalten bleiben soll den Angaben der Reederei zufolge das Büro in Bremerhaven, das sich um die Abfertigung der Schiffe kümmert.

4000 Stellen fallen weltweit weg

Der Branchenriese aus Dänemark hat besonders stark unter der anhaltenden Krise der Containerschifffahrt zu leiden. Weil in den Boomzeiten so viele Schiffe in Auftrag gegeben und gebaut wurden, gibt es heute massive Überkapazitäten. Entsprechend niedrig sind die Frachtraten, die von den Reedereien kassiert werden. Dazu kommt das schwache Wachstum in China und Schwellenländern wie Brasilien. Møller-Maersk hat außerdem das Problem, dass der Preisverfall auf dem Rohölmarkt die Ölsparte des Konzerns massiv belastet.

Im vergangenen Jahr war der Gewinn des Unternehmens mit Sitz in Kopenhagen daher um mehr als 80 Prozent auf 925 Millionen Dollar eingebrochen. Møller-Maersk hat deswegen ein umfangreiches Sparprogramm beschlossen. Bis zum Ende des kommenden Jahres sollen etwa 4000 von heute insgesamt 88.000 Stellen weltweit wegfallen.

Für Maersk-Chef Nils Smedegaard Andersen ist die Lage auch deswegen kritisch, weil das Unternehmen zuvor noch nie in der Öl- und Schifffahrtssparte gleichzeitig sparen musste. Bislang konnte der größte Konzern Dänemarks Probleme des einen Geschäfts stets mit Gewinnen in der jeweils anderen Sparte ausgleichen. Der Jahresumsatz von Møller-Maersk lag zuletzt bei 40,3 Milliarden Dollar.

"Folge des Wettbewerbsdrucks"

Robert Völkl, Geschäftsführer des Bremer Rhedervereins, hält die Schließung der Maersk-Niederlassung für „eine Folge des Wettbewerbsdrucks“ in der Branche. Ohnehin sei es in Zeiten des weltweiten digitalen Datenaustauschs weitgehend egal, wo eine Buchung entgegengenommen und eine Rechnung erstellt werde. Vorteile könne die Präsenz einer Großreederei an einem Standort wie Bremen für lokale Logistikfirmen haben. Zudem diene eine solche Niederlassung der Kontaktpflege.

Größere Büros in Bremen haben beispielsweise die Containerreedereien MSC und OOCL. Die „Orient Overseas Container Line“ mit Konzernsitz in Hongkong hat sogar seine deutsche Hauptniederlassung in Bremen. Mehrere Dutzend Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

Maersk hat weltweit 590 Schiffe im Einsatz – mit einer Transportkapazität von insgesamt mehr als drei Millionen Standardcontainern. Die dänische Reederei bedient von Bremerhaven aus regelmäßig Schifffahrtsrouten ins Baltikum, nach Norwegen, Russland, Nord- und Südamerika, in den Nahen Osten sowie nach China.

Branche in Krise

Dass Reedereien ihre eigenen Vertriebsniederlassungen unterhalten, war lange Zeit unüblich in der Branche. Noch bis Ende der 1980er-Jahre beauftragten sie meist Linienagenten und Schiffsmakler mit der Aufgabe, Buchungen für Ladung entgegenzunehmen, Rechnungen zu schreiben und die Schiffe in den Häfen abzuwickeln. Heute haben zumindest die Großreedereien hierfür meist eigene Büros vor Ort.

Allerdings sorgt die Krise der Branche auch hier für zunehmenden Kostendruck. Und Experten rechnen nicht damit, dass sich die wirtschaftliche Lage der Containerreedereien in absehbarer Zeit deutlich verbessern wird. So betrachtet die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor‘s vor allem die drohende weitere Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums in diesem Jahr als Risiko für die Branche. Nach Einschätzung der Marktbeobachter verschärft der Trend zu immer größeren Mega-Containerschiffen zudem das Problem der Überkapazitäten.

Møller-Maersk-Konzernchef Andersen hatte zuletzt dennoch versucht, Hoffnung zu verbreiten. „Zum Jahresbeginn hat es etwas besser ausgesehen“, sagte Andersen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. „Wir gehen davon aus, dass sich das Geschäft zwischen Asien und Europa in diesem Jahr besser entwickelt.“

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