Onlyglass erweckt Glasfassaden zum Leben Mega-Monitore für die Welt

Glas prägt moderne Städte. Die Fassaden sind spektakulär, aber häufig auch als kühl und ausdruckslos verschrien. Only-glass aus Verden will mit Riesenmonitoren in den Fenstern die Fassaden zum Leben erwecken.
01.03.2015, 00:00
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Mega-Monitore für die Welt
Von Jörn Hüttmann

Glas prägt moderne Städte. Die Fassaden sind spektakulär, aber häufig auch als kühl und ausdruckslos verschrien. Only-glass aus Verden will das ändern: Riesenmonitore direkt in den Fenstern sollen die Fassaden zum Leben erwecken.

Die Idee entstand in New York. Reinhard Cordes, Geschäftsführer von Onlyglass, stand am Times Square. Über ihm die berühmten Leuchtreklamen und Bildschirme, die direkt vor den Fassaden hängen. „Da dachte ich mir, das kann man schöner und attraktiver in die Fenster integrieren“, sagt Cordes. Heute, Jahre nach seinem Besuch, wird der erste integrierte Riesenbildschirm für ein Projekt auf der Hamburger Reeperbahn produziert, und es laufen Gespräche mit einem Hotel am Times Square.

„Unser Ziel ist es, Glasfassaden zum Medium zu machen“, sagt Reinhard Cordes. Gebäudeschluchten, die zwar spektakulär sind, aber von kaum einem beachtet werden, sollen so zur Kommunikation genutzt werden. Dafür gibt es viele Möglichkeiten: Werbung, Kunst, Film- und Fotopräsentationen können auf den Fassaden gezeigt werden, wie auf normalen Monitoren. Nur eben größer. Und im Unterschied zum Times Square behalten Fassaden, die von Onlyglass bestückt werden, ihr ursprüngliches Aussehen – wenn gerade kein Video läuft. Mit einem Mausklick vom Büroturm zur Public-Viewing-Arena, so die Vision von Onlyglass.

Dabei setzt das Verdener Unternehmen auf LED-Technik. Mit Leuchtdioden besetzte Stränge werden vertikal mit einigen Zentimetern Abstand in die Fensterscheiben eingelassen. Für die Koordinierung der einzelnen Fensterscheiben ist ein Computer zuständig. Für den Nutzer unterscheide sich die Bedienung kaum noch von der eines externen Monitors an einem normalen Rechner, sagt Cordes. „Alles im 16:9-Format geht ohne weitere Anpassung.“ Aber auch Sonderformate seien ohne größere Anpassung machbar.

Was von außen mit einem Abstand von 30 oder mehr Metern ein Monitor ist, sieht von innen fast wie eine normale Scheibe aus. „Wir haben eine Transparenz von 75 bis 85 Prozent“, sagt Cordes. „Das heißt, man kann normal weiter rausschauen.“ Konzentriert sich der Blick auf die Scheibe, sind die LED-Stränge noch deutlich zu erkennen. Wenn der Blick aber Objekte auf der Straße hinter der Scheibe fokussiert, blendet das Gehirn die im Fenster integrierte Technik weitgehend aus.

Von der ersten Idee bis zum fertigen Riesenbildschirm war es jedoch ein langer Weg. „Wir haben vier Jahre Entwicklung und Marktbearbeitung hinter uns“, sagt Cordes. Über den finanziellen Aufwand will er nicht sprechen. Fest steht: Ohne die Firma Frerichs Glas im Rücken, die ebenfalls Reinhard Cordes gehört, wäre Only-glass kaum so weit gekommen. Das ausgegründete Unternehmen Onlyglass konnte vom Know-how des mittelständischen Glasverarbeiters mit etwa 200 Mitarbeitern profitieren.

Darüber hinaus haben Cordes und seine Techniker sich bei der Entwicklung der LEDs Hilfe von außen geholt. „Für uns arbeiten auch zwei Professoren.“ So müsse Onlyglass nicht jedes Spezialwissen selbst vorhalten und profitiere von der Zusammenarbeit mit den Hochschulen in Braunschweig und Aachen/Jülich. „Das ist ja auch Ziel der Wirtschafts- und Wissenschaftspolitik, dass Unternehmen und Universitäten kooperieren“, sagt Cordes. So ist es dem vierköpfigen Technikerteam gelungen, die Screens, wie sie bei Onlyglass heißen, bis zur Marktreife zu entwickeln.

In den Werkshallen der „Gläsernen Fabrik“ von Frerichs Glas waren Anfang des Jahres die ersten verkauften LED-Fenster einem letzten Test unterzogen worden, bevor sie für den Versand fertig gemacht wurden. „Wir brennen sie ein, damit mögliche Schwachstellen nicht erst auf der Baustelle auffallen“, sagt Cordes. Es sind die Türen und Glasfronten für den Fahrstuhl eines Neubaus auf der Hamburger Reeperbahn.

Die spektakuläre Technik aus Verden hat jedoch ihren Preis. „Ein einhundert Quadratmeter großer Screen kostet im Durchschnitt etwa 400 000 Euro“, sagt Cordes. Das reine Gas für diese Fläche wäre schon für etwa 20 000 Euro zu haben. „Das Glas hat aber nur noch einen untergeordneten Wert, es ist nur noch der Träger.“ Deshalb ist Onlyglass im Gegensatz zum regional agierenden Frerichs Glas international orientiert. „Wir haben drei Schwerpunkte: den Mittleren Osten, China und Brasilien“, sagt Cordes. Dort wurden eigene Niederlassungen für die Kundenakquise aufgebaut. „Wir sind an 150 Projekten dran“, sagt Cordes. „Aber das heißt nicht, dass alle Projekte auch realisiert werden. Und erst recht nicht, dass alle Projekte von uns realisiert werden.“ Das Geschäft mit Premium-Bauten, für die die Screens aus Verden interessant sind, sei langwierig. Zwischen dem ersten Kontakt und der Entscheidung liegen in der Regel fünf bis sechs Jahre. „Deshalb gehen wir auch davon aus, dass wir noch zwei bis drei Jahre brauchen, bis sich das Unternehmen rentier

t.“

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