Arbeitsmarktbericht Mehr Arbeitslose in Bremen

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven hat es im Juli 911 Arbeitslose mehr gegeben, als noch im Vormonat. Saisonale Faktoren und Arbeit suchende Flüchtlinge haben die Zahlen im Juli steigen lassen.
28.07.2016, 17:36
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Mehr Arbeitslose in Bremen
Von Alexandra Knief

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven hat es im Juli 911 Arbeitslose mehr gegeben, als noch im Vormonat. Saisonale Faktoren und Arbeit suchende Flüchtlinge haben die Zahlen im Juli steigen lassen.

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven gab es im Juli 911 Arbeitslose mehr, als noch im Vormonat. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Arbeitslosen auf 39516. Das gab der Vorsitzende der Geschäftsführung, Götz von Einem, am Donnerstag bei der Präsentation der Zahlen seines Agenturbezirks bekannt. Überrascht von dem Anstieg zeigte er sich allerdings nicht, denn dieser sei im Sommer nicht unüblich. „Viele Jugendliche haben sich zwischen Schul- oder Ausbildungsende und Studienbeginn arbeitslos gemeldet“, sagt er. Außerdem zeige sich im Juli ein erwarteter höherer Zugang von Flüchtlingen in die Grundsicherung und viele Betriebe seien in der Sommerpause.

Auch bundesweit stieg die Arbeitslosenquote aus den gleichen Gründen um 0,1 Prozentpunkte auf sechs Prozent. Insgesamt habe sich der Arbeitsmarkt im Juli aber weiterhin gut entwickelt, betonte Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg. Lasse man die saisonbedingten Einflüsse außen vor, sei die Zahl der Erwerbslosen weiterhin rückläufig.

Anzahl offener Stellen auf neuem Rekordhoch

In Bremen betonte Götz von Einem, dass der aktuelle Bestand an offenen Arbeitsstellen im Bezirk mit fast 7200 auf einem neuen Rekordhoch liegt. Um die offenen Stellen auch besetzen zu können, wolle die Arbeitsagentur weiterhin besonders stark auf Qualifikationsmaßnahmen setzen.

Sowohl in Bremen als auch bundesweit zeigt sich weiterhin ein Anstieg bei der Flüchtlings-Arbeitslosigkeit. Bundesweit seien laut BA im Juli 141000 geflüchtete Menschen bei den Jobcentern arbeitslos gemeldet gewesen – rund 10000 mehr als im Vormonat. Auch die Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven hat für den Juli erstmals Zahlen zur Flüchtlingsarbeitslosigkeit in Bremen veröffentlicht. So sind im Bezirk der Agentur, zu dem auch der Landkreis Osterholz gehört, aktuell 6766 Menschen im Kontext von Fluchtmigration aus Drittstaaten als Arbeit suchend registriert. Auch zu vorliegenden Schul- und Berufsabschlüssen der Flüchtlinge hat es Erhebungen gegeben.

„73 Prozent verfügen über keinen Hauptschulabschluss, beziehungsweise es liegen noch keine Angaben vor“, sagt Heike Brabandt, Integrationslotsin in der Agentur für Arbeit. Das sehe zwar im ersten Moment desolat aus, bei den meisten Betroffenen liege es aber an einem langwierigen Anerkennungsverfahren. „Viele Flüchtlinge kommen mit Qualifikationen und bringen Zeugnisse aus ihren Herkunftsländern mit. Aber es ist ganz schwierig, diese einzuordnen. Es gibt in Deutschland mittlerweile mehrere Institutionen, die diese Einordnung vornehmen, aber das ist ein sehr zeitintensiver Prozess“, sagt Brabandt. Die Zahlen dürfen aber auf keinen Fall so interpretiert werden, dass die betroffenen Migranten zwangsläufig keinen Schulabschluss haben. Die Qualifikationen müssten nur erst einmal eingeordnet werden. Bei vielen Flüchtlingen ist diese Einordnung bereits gelungen. So verfügen fast 1000 der Arbeit suchenden Flüchtlinge über ein Abitur/eine Hochschulreife, 175 bringen eine Fachhochschulreife mit, mehr als 200 eine mittlere Reife und rund 450 verfügen über einen Hauptschulabschluss.

Ohne Papiere ist Geduld gefragt

In Bezug auf einen vorliegenden Berufsabschluss ist das Problem der Einordnung ein noch größeres. Bei 90 Prozent der Flüchtlinge liegt bisher kein formaler Berufsabschluss vor. „Die Ausbildungssysteme in den Herkunftsländern sind häufig anders als unsere“, sagt Brabandt. „Anders als bei uns gibt es dafür oftmals keine Zeugnisse, weil es kein institutionalisiertes System ist“, so die Integrationslotsin. Es müsse also erst einmal geklärt werden, inwieweit bereits absolvierte Lehren anerkannt werden können. „Nehmen wir das Beispiel des Bäckers. Hier macht man eine Lehre und kriegt sein Zeugnis, seinen Gesellenbrief", sagt Brabandt. „Zu mir kommen Leute aus dem Iran, die haben über 15 Jahre als Bäcker gearbeitet, bringen tolle Fotos mit, von den Backwaren, die sie hergestellt haben, haben aber keinerlei schriftliche Bestätigung dafür.“

Ohne Papiere ist der Weg in den Arbeitsmarkt laut Herbert Rüb von der Beratungsstelle NQE im Landesprogramm „Weiter mit Bildung und Beratung“ oft mit Geduld verbunden. „Es wird geguckt, ob ein Weg über Berufsanerkennungsverfahren möglich ist oder gegebenenfalls auch eine Zulassung zur sogenannten Externprüfung. Dabei handelt es sich um eine Zulassung zur Abschlussprüfung für eine Berufsausbildung aufgrund von Berufserfahrung.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+