Stadt will zwei neue Wachen bauen

Mehr Personal für Bremens Feuerwehr

Zwei neue Wachen und 75 neue Mitarbeiter: Nachdem es 2015 mehr Einsätze gab, soll die Bremer Feuerwehr aufgerüstet werden. Kritik kommt von der Linken: Die Einsatzkräfte müssten eher beim Brand sein.
16.02.2016, 00:00
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Mehr Personal für Bremens Feuerwehr
Von Jürgen Hinrichs
Mehr Personal für Bremens Feuerwehr

Das Gelände zwischen Universität und Stadtwaldsee: Hier könnte eine neue Feuerwache entstehen.

Studio B

Zwei neue Wachen und 75 neue Mitarbeiter: Nachdem es 2015 mehr Einsätze gab, soll die Bremer Feuerwehr aufgerüstet werden. Kritik kommt von der Linken: Die Einsatzkräfte müssten eher beim Brand sein.

Flammen überall, ein Großbrand, der von den Autos und Carports auf Häuser übergriff. So war das im Oktober im Bremer Ortsteil Horn, als Brandstifter Feuer gelegt hatten. Zuerst vor Ort: die Freiwillige Feuerwehr. Ihre Kollegen, die Profis, kamen erst Minuten später. Ein Beispiel, wie es nicht sein sollte. Der Bremer Senat hat sich deshalb ein neues Brandschutzkonzept verordnet, das noch vor der Sommerpause als Landesgesetz verabschiedet werden soll. Die Stadt Bremen wird darüber hinaus ein Ortsgesetz bekommen, in dem erstmals festgeschrieben ist, wie schnell und mit wie vielen Kräften die Berufsfeuerwehr am Einsatzort sein muss.

Zielmarke ist heute, dass vom Alarm bis zum Eintreffen nicht mehr als 13 Minuten vergehen dürfen und mit der ersten Einsatzwelle mindestens acht Kräfte losgeschickt werden. Daran soll festgehalten werden, erklärte Innensenator Ulrich Mäurer in einem Gespräch mit dem WESER-KURIER. Mit dem Unterschied freilich, dass aus einem guten Willen ein fester gesetzlich verbriefter Vorsatz wird. „In den meisten Gebieten der Stadt sind wir weitaus besser“, so Mäurer. In anderen Teilen aber auch schlechter, wie das Beispiel aus Borgfeld zeigt. Mit dem neuen Ortsgesetz werde nun klar geregelt, dass der allgemeine Standard ohne Wenn und Aber auch in den weniger besiedelten Randbereichen gelte.

Doch ein Gesetz allein macht die Feuerwehr noch nicht schneller. „Wir wollen zwei neue Wachen bauen“, kündigte Mäurer an. Eine im Norden der Stadt, damit Horn, Lehesterdeich, Oberneuland und Borgfeld besser versorgt werden können. Und eine im Süden, von wo aus die Einsatzfahrzeuge zu Bränden in Habenhausen, Kattenturm, Kattenesch und Arsten ausrücken. Aufgelöst wird die Wache an der Bennigsenstraße in Hastedt. Das Personal dort soll sich auf die beiden neuen Wachen verteilen.

Mehr Personal für die Feuerwehr

Die landeseigene Grundstücksgesellschaft Immobilien Bremen hat den Auftrag, für die geplanten Feuerwachen geeignete Flächen zu suchen. Mäurer favorisiert im Norden der Stadt einen Standort zwischen Universität und Stadtwaldsee. „Da gibt es den alten Campingplatz, das wäre wegen der Anbindung zum Hochschulring ideal.“ Für den Süden denkt die Behörde an einen Platz in Habenhausen, in der Nähe der Erdbeerbrücke. Aus den bisher fünf Wachen, die sich wie Perlen an einer Kette durch das Stadtgebiet ziehen, wären dann sechs geworden. Die siebte Wache ist in Vegesack.

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Der Plan kostet etliche Millionen Euro, allerdings im einstelligen Bereich, wie der Senator betonte. Hinzu kommen noch höhere Aufwendungen beim Personal, das aufgestockt werden soll. Nach Darstellung von Mäurer wird der Bestand von 535 Kräften auf 610 hochgeschraubt. Der Grund sei nicht die Neuorganisation der Wachen, sondern die Situation im Rettungsdienst der Feuerwehr. Die Zahl der Einsatzfahrten sei im vergangenen Jahr noch einmal drastisch gestiegen. Nach Darstellung der Feuerwehr sind es im Jahr 2015 rund 73 000 Einsätze gewesen, 6000 mehr als im Jahr zuvor.

13 Minuten bis zum Löschen - ist die Bremer Feuerwehr zu langsam?

Anfang März werden das neue Brandschutzkonzept und die Gesetzespläne in der Innendeputation beraten. Kritik gibt es bereits heute. Die Fraktion der Linken in der Bürgerschaft fordert, dass die Stadt Bremen sich den Zielvorgaben von Bremerhaven anpasst: Keine 13, sondern nur neuneinhalb Minuten, bis mit dem Löschen begonnen werden kann. Und keine acht, sondern zehn Kräfte beim ersten Angriff auf das Feuer. Das sei bundesweiter Standard und von den Berufsfeuerwehren empfohlen. Bremen gehe einen gefährlichen Sonderweg, erklärte die Linken-Fraktionsvorsitzende Kristina Vogt. Mit dem neuen Landesgesetz solle dieser Weg nun auch Bremerhaven vorgeschrieben werden, so Vogt. Doch da widerspricht der Innensenator: „Den Kommunen bleibt weiterhin freigestellt, ob sie der Feuerwehr zeitliche Vorgaben machen und welche Fristen sie dabei wählen.“

Bremerhaven kann also bei der alten Regelung bleiben, egal, wie Bremen sich entscheidet. „Wir haben beschlossen, der Empfehlung der Berufsfeuerwehren zu folgen und geben das Ziel von neuneinhalb Minuten vor“, erklärte Stadtrat Jörn Hoffmann (SPD), der im Magistrat für die Feuerwehren zuständig ist. Bremerhaven habe jüngst sechs vergleichbare Städte abgefragt, alle hätten diesen Standard gewählt oder würden sogar noch besser liegen.

Das eine sei der Anspruch, das andere die Wirklichkeit, kommentierte der Innensenator die Zielvorgabe in Bremerhaven. „Bremen kann seinen Vorsatz zu 95 Prozent erfüllen, Bremerhaven schafft es nur zu 67 Prozent.“ Wie die Linken-Fraktion mutmaßt, habe er tatsächlich vorgehabt, die Bremer Lösung in das Landesgesetz zu schreiben – eine einheitliche Regelung für beide Städte. Bremerhaven habe allerdings interveniert und darauf hingewiesen, dass diese Vorgaben zu ambitioniert seien. Deshalb habe er sich dafür entschieden, den Passus wieder herauszunehmen und es weiterhin beiden Kommunen zu überlassen, welche Regelungen sie treffen wollen.

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