Gastkommentar über Fahrverbote Mein Freund, der Diesel

Michael Haberland, Präsident des Automobilclubs "Mobil in Deutschland" findet, man dürfe keinen pauschalen Angriff auf alle Autos mit Verbrennungsmotor zulassen.
26.04.2017, 22:30
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Michael Haberland

Michael Haberland, Präsident des Automobilclubs "Mobil in Deutschland" findet, man dürfe keinen pauschalen Angriff auf alle Autos mit Verbrennungsmotor zulassen.

Ab 2018 sollen in Stuttgart an Tagen mit hoher Feinstaub-Belastung Fahrbeschränkungen gelten. Darüber wird auch in anderen Großstädten nachgedacht. Dies wird Diesel-Fahrzeuge treffen, die die aktuell strengste Abgasnorm „Euro 6“ nicht erfüllen.

Faktisch könnte das in Deutschland rund 13 Millionen Diesel-Autos betreffen und wäre damit die größte Enteignungswelle, die es je gegeben hat. Verordnet mit Grenzwerten aus der EU. Existenzen und ganze Familien sind bedroht, weil die Politik sich weder auf ein europäisch einheitliches Vorgehen noch auf einen realistischen Fahrplan einigen kann. Jahrelang wurde den Autofahrern der Diesel als Antriebstechnik der Zukunft verkauft.

Die Argumente sind stimmig:

1. Deutlich bessere CO₂ Bilanz: Der im Vergleich zu Benzinern geringere Verbrauch führt dazu, dass auch weniger Kohlendioxid aus dem Auspuff kommt. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern hilft auch der gesamten CO₂ Bilanz.

2. Geringere Kraftstoffkosten: Weil Diesel mehr Energie enthält als Benzin, braucht ein Dieselfahrzeug für vergleichbare Leistung weniger Sprit und spart Geld.

3. Kaum Kohlenmonoxid: Sofern die Systeme zur Abgasreinigung funktionieren, ist der moderne Diesel keine schmutzige Technik. Bei der Kohlenmonoxid-Emission schneidet er sogar besser ab. Mit zehn Gramm CO pro verbranntem Liter Kraftstoff ist der Selbstzünder zehnmal sauberer als ein Benziner.

4. Kraftvolles Drehmoment: Bei vergleichbarer Leistung sind Dieselmotoren kräftiger als Ottomotoren. Das liegt vor allem am früh einsetzenden maximalen Drehmoment, das dem Turbolader zu verdanken ist. Zugleich wird Sprit gespart, da bei niedriger Drehzahl der Motor mehr Kraft entfaltet.

5. Ungefährlich und kann Leben retten: Schon ein kleiner Funke kann Benzin entflammen. Diesel ist hingegen praktisch nicht entflammbar, erst wenn er mindestens 55 Grad warm ist. Bei Raumtemperatur oder normaler Außentemperatur ist das quasi nicht möglich.

Angriff auf unsere Mobilität

„Mein Freund, der Diesel“ hat uns sowohl die Autoindustrie als auch die Politik immer versichert. Sparsam, sicher, umweltfreundlich und rettet Leben. Jetzt soll alles anders sein? Weil Grenzwerte zu niedrig sind und einige grüne Juristen sich austoben? Und die Politik ist machtlos gegen dieses Treiben?

Außer den Grünen und Linken unterstützt niemand diese Haltung. Sowohl von CDU, CSU, SPD und FDP gibt es andere Signale. Machen wir uns nichts vor: Das ist kein Angriff auf den Diesel, das ist ein Angriff auf das Auto insgesamt mit Verbrennungsmotor. Ein Angriff auf unsere Mobilität. Das dürfen wir nicht zulassen.

politik@weser-kurier.de

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+