E-Auto

Mercedes baut Elektrotransporter für Hermes

Lieferdienste setzen zunehmend auf Elektrotransporter. So wie Hermes. Der Paketdienstleister hat 1500 Transporter bei Mercedes bestellt - weitere Fahrzeuge könnten folgen.
16.05.2017, 00:00
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Mercedes baut Elektrotransporter für Hermes
Von Katharina Elsner
Mercedes baut Elektrotransporter für Hermes

Mit Elektro-Transportern von Daimler, hier ein Vito E-Cell, will der Paketzusteller Hermes bis 2025 seine Fracht in allen großen deutschen Innenstädten emissionsfrei ausliefern.

Daimler, dpa-tmn

Lieferdienste setzen zunehmend auf Elektrotransporter. So wie Hermes. Der Paketdienstleister hat 1500 Transporter bei Mercedes bestellt - weitere Fahrzeuge könnten folgen.

Hanjo Schneider hat den guten Füller mitgebracht. Mit dem habe er schon viele wichtige Verträge unterschrieben, sagt er. Nun steht er am Montag in Hamburg in einer Mercedes-Filiale und setzt mit diesem Füller seine Unterschrift auf den nächsten Vertrag. Die Kooperation mit dem Autobauer wird Schneider, Vorsitzender des Aufsichtsrates beim Paketdienst Hermes, einen Satz neuer Elektrotransporter bescheren. Mercedes baut 1500 Sprinter und Vito, von denen 50 ab 2018 zuerst in Hamburg und Stuttgart, später in anderen Städten in Deutschland, Pakete ausliefern sollen.

1500 – das ist die Zahl der Fahrzeuge, die Hermes selbst besitzt, die nach und nach durch Mercedes ersetzt werden sollen. Fast alle seien noch Diesel, einige auch mit Gas oder einer Brennstoffzelle ausgerüstet, sagt Claudia Schanz, Sprecherin des Unternehmens. Dazu kommen 10 500 Autos, die von Hermes' Vertragsfirmen gekauft oder geleast werden. Schanz: Diese Firmen verwalten den Fuhrpark selbst, darauf hat Hermes keinen Einfluss. Aber: „Grundsätzlich werden diese Transporter alle drei, vier Jahre ausgetauscht und Hermes will den Partnern das Angebot unterbreiten, auf E-Transporter umzusatteln“, sagt Schanz.

Mercedes baut nicht nur die Autos, sondern stellt für Hermes auch die Infrastruktur, also etwa Ladestationen oder Software, die die Transporter vernetzen, schneller durch die Stadt schicken und Pakete effizienter austeilen soll. Über Nacht würden die Batterien dann an den Logistikstandorten aufgeladen, so sei es zumindest geplant, sagt Schanz. Wie viele Kurzladestationen in Hamburg oder Stuttgart bald zusätzlich auftauchen, darüber schweigt Hermes, ebenso darüber, wie weit die Transporter fahren, wie lange die Batterien also reichen.

Zehn Milliarden Euro für Elektromobilität

Mercedes stellt in den nächsten Jahren 150 Millionen Euro bereit, um seine Vans-Sparte elektrisch fit zu machen. Insgesamt will der Daimler-Konzern, zu dem Mercedes gehört, zehn Milliarden Euro in den Bereich Elektromobilität investieren. Wann die Firma ihre Transporter komplett auf Elektro umschalte, wisse er nicht, nur, dass sie die produzieren wollen, sagt Andreas Leo, Sprecher des Konzerns. „Ab 2018 werden wir wieder E-Transporter Vans in Serie herstellen.“

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Der letzte Versuch von Daimler war nicht geglückt, bereits 2011 gab es einen E-Vito. Auch Hermes habe ein paar gekauft, der Markt sei damals aber noch nicht bereit gewesen. „Die Nachfrage ist gestiegen, von mehreren Seiten“, sagt Leo. Die Transporter für Hermes sind nur ein Baustein, Mercedes hat mehr als 2000 unterschiedliche Ausprägungen des Sprinters, der als Rettungs- oder Feuerwehrwagen, für Handwerker oder Pflegetransporte dient. Alle haben andere Anforderungen.

Wie viele elektrische Transporter in den nächsten Jahren dazukommen, kann Leo nicht sagen. „Es ist jetzt zu früh konkrete Stückzahlen zu nennen. Wir sind in der Lage, die Nachfrage der Kunden nach Anlauf der Produktion in hohen Stückzahlen zu befriedigen.“

Auch Deutsche Post nutzt E-Transporter

Hermes ist nicht der erste Lieferdienst, der E-Autos nutzt. Die Deutsche Post hatte bereits 2014 das Start-Up Streetscooter gekauft, eine Ausgründung der Universität Aachen, die Elektrolieferwagen produziert. Die Post hat nach eigenen Angaben 2500 Fahrzeuge in Deutschland im Einsatz, dazu kommen mehr als 10 000 E-Bikes. Und: Die Post baut aus – will bis Ende des Jahres 20 000 Autos produzieren. Außerdem hat sie gerade die ersten E-Transporter an ein externes Unternehmen verkauft: den Fischproduzenten Deutsche See in Bremerhaven.

Ein anderer Paketdienst, DPD, setzt außerdem auf Lastenräder. In Nürnberg stellt DPD Pakete auch mit elektrisch unterstützten Rädern zu. Dafür arbeitet das Unternehmen mit einem kleinen Depot, in dem Pakete für die Innenstadt zwischengelagert und umgeladen werden. Ob und wann Hermes auch in Bremen Elektrotransporter auf die Straßen schickt, will Hermes-Sprecherin Schanz nicht sagen. Die Deutsche See setzt ihre Lieferwagen vorerst auch nur in Köln ein. Und wo Mercedes die E-Vans baut, sei final noch nicht entschieden, sagt Andreas Leo. In Bremen sind Transporter bislang kein Teil der Modellpalette.

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