Luftfahrtmesse Farnborough Milliardenauftrag für Airbus

Zum Auftakt der Luftfahrtmesse Farnborough hat Airbus einen Auftrag in Milliardenhöhe bekannt gegeben. Bremen könnte profitieren: Hier werden die Flügel der Großflugzeuge ausgerüstet.
12.07.2016, 00:00
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Milliardenauftrag für Airbus
Von Lisa Schröder

Zum Auftakt der Luftfahrtmesse Farnborough hat Airbus einen Auftrag in Milliardenhöhe bekannt gegeben. Bremen könnte profitieren: Hier werden die Flügel der Großflugzeuge ausgerüstet.

Virgin Atlantic, die Fluggesellschaft des britischen Milliardärs Richard Branson, bestellt beim Flugzeughersteller zwölf ­Großraumjets. Der Gesamtwert der Maschinen des Typs A350-1000 liegt bei umgerechnet 3,9 Milliarden Euro. Gleich am Morgen der Messe bei London hatte Flugzeugfinan­zierer ALC drei A350 und einen Mittelstreckenjet vom Typ A321 bei Airbus geordert. Im ­Laufe des Tages gingen weitere Aufträge ein.

Für Airbus kommen die Geschäfte nicht überraschend. Sie sind in der Regel schon längst vor der Messe besiegelt. Farnborough gibt den Unternehmen die entsprechende Bühne, um neue Aufträge zu verkünden. Die International Airshow ist eine der wichtigsten Luftfahrtmessen der Welt. Deshalb ist sie zugleich ein Kräftemessen zwischen den beiden großen Konkurrenten Airbus und Boeing.

Am ersten Tag der Messe vermeldete sodann auch der amerikanische Mitbewerber Boeing Vorverträge in Milliardenhöhe aus China. Die Donghai Airlines und die zur China Southern Airlines gehörende Fluggesellschaft Xiamen sind demnach mit Boeing in konkreten Verhandlungen. Es geht dabei um einen Gesamtwert von mehr als sieben Milliarden Dollar. Die britische Bank Standard Chartered kaufte zudem zehn Boeing 737 im Wert von knapp einer Milliarde Dollar.

Brexit könnte Folgen für Bremen haben

Die Messe vor den Toren Londons fällt in diesem Jahr mitten in die Diskussion um einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Der Brexit könnte am Ende auch für Airbus und seine Standorte in Bremen und Hamburg weitreichende Folgen haben. Doch welche, das ist ungewiss. Wie lange die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien nach einer Entscheidung für oder gegen den Austritt dauern werden, ist offen. Zölle oder andere Handelshemmnisse, eine eingeschränkte Mobilität der Mitarbeiter oder unterschiedliche Industriestandards – all das ist nach dem Brexit nicht auszuschließen und hat Folgen für das Unternehmen.

Solche Unsicherheiten erschweren das Geschäft. Es verwundert deshalb nicht, dass Airbus-Chef Tom Enders kurz nach dem Referendum sagte, man wolle Investitionsvorhaben in Großbritannien überdenken.

In Großbritannien unterhält das Luft- und Raumfahrtunternehmen über 20 Standorte mit etwa 15 000 Beschäftigten. Alle Flügel der Airbus-Flugzeuge werden dort hergestellt. Am Standort in Bremen werden die Flügel der Großflugzeuge dann ausgerüstet.

Großbritannien für Airbus unentbehrlich

„Großbritannien bleibt ein Teil unserer Familie“, betonte Enders und beschrieb das Land für Airbus als wesentlich und unentbehrlich. „Unsere Standorte in Großbritannien gehören zu den effizientesten und konkurrenzfähigsten von Airbus.“ Und Wettbewerbsfähigkeit sei der Schlüssel für Standorte und Investitionen – ob nun in Großbritannien, Frankreich, Deutschland oder anderswo in der Welt. Der Airbus-Chef hatte sich vor dem Referendum für den Verbleib Großbritanniens ausgesprochen.

Welche Konsequenzen der Brexit habe könne, dazu will Airbus sich jedoch nicht äußern, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. „Wir wollen dazu nichts sagen. Wir kennen die Auswirkungen noch nicht.“

Trotz der Unwägbarkeiten und jüngsten Einbußen bei den Aufträgen: Sowohl Boeing als auch Airbus äußerten sich zu Beginn der Messe optimistisch. Airbus geht davon aus, dass der Bedarf an Passagier- und Frachtjets in den nächsten zwanzig Jahren deutlich steigen wird. Bis zum Jahr 2035 werden weltweit voraussichtlich 33 070 neue Verkehrsflugzeuge benötigt, sagte Airbus-Verkaufschef John Leahy. Damit hob Airbus seine eigene Vorjahresprognose um weitere 500 Maschinen an.

Doppelstöckiger Flieger ist kaum gefragt

Boeing setzt den Bedarf inklusive kleinerer Regionaljets sogar bei 39 620 Flugzeugen an und übertraf ebenfalls die eigene Einschätzung von 2015. Der Großteil des ­Bedarfs dürfte laut Prognosen beider Hersteller auf Mittelstreckenjets wie den Airbus A320neo und die Boeing 737-MAX ent­fallen. Im Langstreckengeschäft ging der Trend zuletzt stärker zu mittelgroßen Jets mit zwei Triebwerken wie Boeings 787 „Dreamliner“, dem langjährigen Verkaufsschlager 777 und dem Airbus A350, die sich auf weniger gefragten Strecken rentabel einsetzen lassen.

Virgin Atlantic will mit den zwölf bei Airbus bestellten Maschinen nach eigener Aussage vor allem ihre Boeings Jumbo-Jet 747 ersetzen. Noch ist unklar, ob die Fluggesellschaft wie angedacht sechs weitere Maschinen des Typs A380 bei Airbus bestellen wird. Virgin Atlantic wollte dafür keine Zusage geben, eine Kaufoption aber halten. Der weltgrößte Passagierflieger ist inzwischen weniger gefragt. Airbus ringt seit Jahren um neue Aufträge für den doppelstöckigen Flieger. Für 2016 hat Verkaufschef John Leahy sich kein Verkaufsziel für die Maschine gesetzt, nachdem er die selbst gesetzte Latte im Vorjahr verfehlt hatte.

Die Messe im britischen Farnborough dauert noch bis zum Sonntag. Vor zwei Jahren sammelten die Aussteller Verträge und ­Vorverträge über 201 Milliarden US-Dollar ein.

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