Creditreform-Studie

Mindestlohn schadet Bremer Firmen nicht

Die Vorurteile waren gewaltig. Bis zu 900.000 Arbeitsplätze werde der Mindestlohn kosten, prophezeite das Münchner Ifo-Institut. Doch in Bremen sieht es fünf Monate nach der Einführung ganz anders aus.
10.06.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Mindestlohn schadet Bremer Firmen nicht
Von Kristina Läsker
Mindestlohn schadet Bremer Firmen nicht

Der Mindestlohn hat dem Bremer Mittelstand nicht geschadet, sagt eine Studie.

dpa

Die Vorurteile waren gewaltig. Bis zu 900 000 Arbeitsplätze werde der Mindestlohn kosten, prophezeite das Münchner Ifo-Institut. Andere Experten warnten vor steigenden Preisen, vor überbordender Bürokratie in kleinen Betrieben oder gar Firmenpleiten. Gut fünf Monate nachdem Bundesministerin Andrea Nahles (SPD) im Januar deutschlandweit die Lohnuntergrenze von 8,50 Euro eingeführt hat, ist von solchen Horrorszenarien aber wenig zu sehen. Auch nicht in Bremen.

Im Gegenteil. Großteile des hiesigen Mittelstands haben – dem Mindestlohn zum Trotz – ihr Personal zuletzt gehalten (61,4 Prozent) oder aufgestockt (25,4 Prozent). Knapp jeder fünfte Betrieb will dieses Jahr weiter einstellen. Das ergibt eine am Dienstag vorgestellte Umfrage von Creditreform. Die Wirtschaftsauskunftei hat dazu mehr als 1000 mittlere und kleine Betriebe in der Metropolregion Bremen/Oldenburg zur Wirtschaftslage befragt.

Negative Auswirkungen des Mindestlohnes seien nicht erkennbar, sagt Peter Dahlke, Geschäftsleiter von Creditreform in Bremen. Laufende Geschäfte würden durch die neuen Lohnuntergrenzen nicht beeinträchtigt. Mehr als ein Drittel der Firmen rechnet mit steigenden Erlösen in diesem Jahr. „Der Mindestlohn hat – was Umsatzerwartungen angeht – keine Auswirkung“, sagt Dahlke.

Auch die Stimmung ist gestiegen: Mehr als die Hälfte der Mittelständler – also Firmen mit maximal 500 Mitarbeitern und bis zu 50 Millionen Euro Umsatz – hält die Lage für „sehr gut“ oder „gut“. Das sind sogar mehr als 2014, damals hatte sich die Laune deutlich verbessert. Das liegt auch an höheren Umsätzen. Jeder Vierte meldet ein Plus.

Ausgenommen ist die Baubranche: Nur bei einem Zehntel der Firmen stiegen die Umsätze, auch die Erwartungen sind pessimistischer. Schuld daran sei der verschärfte Wettbewerb um Bauprojekte, sagt Dahlke. Durch europaweite Ausschreibungen kämen häufiger ausländische Firmen in der Region zum Zug, sagt Dahlke.

Das wichtigste Hemmnis für den Mittelstand bleibt der Mangel an guten Fachkräften. Insbesondere im Baugewerbe ist die Not groß. Knapp 60 Prozent der Baufirmen halten gemäß der Umfrage das Fehlen von passenden Bewerbern für ihre größte Belastung. „Der Fachkräftemangel schlägt voll durch, Mittelständler haben damit zu kämpfen“, sagt Anwalt Dahlke. Ein Grund, warum die Baubranche weniger investiert als etwa der Handel und die überdurschnittlich vielen Dienstleister in der Region.

Laut Studie ist die Investitionsbereitschaft der Mittelständler 2014 ganz leicht auf 46,8 Prozent gestiegen. Doch damit liegt die Region weit unter dem Bundesschnitt. Deutschlandweit wollen 53,6 Prozent aller kleinen und mittleren Unternehmen mehr Geld in neue Produkte und Dienstleistungen stecken – und damit deutlich mehr. Die bremische Zurückhaltung ist bemerkenswert: Wegen des geringen Zinsniveaus ist es so günstig wie nie, an frisches Geld zu kommen. „Alle Branchen kommen leichter an Kredite“, sagt Dahlke. Allerdings hätten viele Banken ihre Ansprüche erhöht. Sie forderten mehr Berichtsmaterial und tiefere Einblicke in die Bilanz.

Doch eines schafft die gestiegene Lust am Investieren kaum: So sehr der Mittelstand der deutsche Jobmotor ist und bleibt, so wenig wird absolut investiert. Knapp ein Drittel der befragten Betriebe – unabhängig von ihrer Branche – investiere überhaupt nur ein Prozent der gesamten Erlöse, sagt Dahlke von der Creditreform. „Das sind ganz geringe Werte.“

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