Bremer Bürgerschaftswahl Mohr-Lüllmanns Wahlkampf im Verborgenen

Bremen. "Ich will Bürgermeisterin werden", sagt Rita Mohr-Lüllmann. Klar, sagt sie das. Mohr-Lüllmann ist Spitzenkandidatin der CDU bei der Bürgerschaftswahl. Doch wer sie in der Bremer Öffentlichkeit erleben möchte, muss in der Regel lange suchen.
06.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Mohr-Lüllmanns Wahlkampf im Verborgenen
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. "Ich will Bürgermeisterin werden", sagt Rita Mohr-Lüllmann. Klar, sagt sie das. Mohr-Lüllmann ist Spitzenkandidatin der CDU bei der Bürgerschaftswahl, sie muss auf Sieg sitzen, alles andere wäre ein Witz.

Mohr-Lüllmann sagt auch, dass sie und ihre Partei am 22. Mai gute Aussichten haben: "Die Chancen auf eine Regierung ohne Sozialdemokraten standen nie besser als heute." Gut und schön, wenn die CDU das glaubt, doch wann geht es eigentlich los mit dem Kampf um die Macht? Wo ist die Spitzenkandidatin, und was macht sie?

Ein später Freitagnachmittag im CDU-Haus am Wall. Die Partei hat zur Pressekonferenz geladen und will ihr Wahlprogramm vorstellen. Es spricht Rita Mohr-Lüllmann, nicht der Parteivorsitzende also, sondern die Spitzenkandidatin. Ungewöhnlich. Als die SPD in Bremen ihr Programm vortrug, war es der Parteichef, und das ist eigentlich auch Sitte so. Immerhin hat man Mohr-Lüllmann jetzt aber mal zu Gesicht bekommen, denn in der breiten Öffentlichkeit tritt sie bisher nicht auf. Sie, eine Frau, die im Land Bremen vorsichtig gesagt noch nicht so großartig bekannt ist, macht Wahlkampf in den Hinterzimmern ihrer Partei und auf den Vorstandsetagen von Unternehmen.

Mohr-Lüllmann sagt vor der Presse jetzt ihr Erstens, Zweitens und Drittens auf. Ein müdes Mantra politischer Zielvorstellungen, und ganz typisch, wenn Parteien vor Beginn der heißen Phase kurz mal zeigen wollen, was für ein tiefgehendes Schiff sie sind. Auf 52 Seiten hat die Bremer CDU aufgeschrieben, was sie anders machen will als Rot-Grün, und die Spitzenkandidatin referiert nun, wie das im Einzelnen aussehen soll. Bildung scheint kurz auf, Innere Sicherheit, Wirtschaft natürlich, die Finanzen, und was sonst bei solchen Gelegenheiten immer im Angebot ist. Mohr-Lüllmann spult herunter, was von ihr und der CDU erwartet wird, altbekannte Positionen, die deswegen nicht schlecht sein müssen. Aber reicht das?

Draußen vorm CDU-Haus steht vis-à-vis die Wallmühle. Man schaut direkt drauf, und die Flügel bewegen sich. Wind, denkt man, ein bisschen mehr Wind könnte sie ruhig machen. Mohr-Lüllmann tritt an diesem Nachmittag seltsam zaghaft auf und gar nicht so, wie eine Frau das tun müsste, um die Leute für sich einzunehmen, auch wenn es in diesem Fall nur die Journalisten sind. Einer von ihnen mäkelt gleich zu Anfang an einem Foto herum, es prangt auf der ersten Seite des Wahlprogramms und kommt im Druck tatsächlich nicht so gut rüber.

"Ihr Bild ist unscharf"

"Frau Mohr-Lüllmann", bemerkt der Reporter, "ihr Bild ist unscharf." Da ist was dran, vielleicht sogar mehr, als ihr lieb sein kann. Denn wie soll man wissen, wofür jemand steht, oder besser: wer jemand ist, wenn dieser Mensch sich dermaßen rar macht?

Nach jüngst veröffentlichten Ergebnissen einer Forsa-Umfrage, die unsere Zeitung in Auftrag gegeben hat, ist Rita Mohr-Lüllmann im Land Bremen lediglich 43 Prozent der Wahlberechtigten bekannt. Ihr Wahlgegner, Bürgermeiser Jens Böhrnsen von der SPD, kommt auf einen exakt doppelt so hohen Wert. In Bremerhaven allein liegt die CDU-Spitzenkandidatin bei gerade einmal 21 Prozent. "Das ist dramatisch wenig", meint Forsa-Chef Manfred Güllner. Noch weiter geht die Schere bei der Frage auseinander, für wen die Wählerinnen und Wähler votieren würden, könnten sie den Bürgermeister direkt wählen: Böhrnsen kommt auf 62 Prozent, Mohr-Lüllmann auf 14.

"Wenn das mit der CDU und ihrer Spitzenkandidatin noch was werden soll, muss die Partei schnell etwas unternehmen, um sie bekannt zu machen", sagt Güllner. Werbung allein bringe aber nichts, "es braucht auch die Strahlkraft der Person."

Mohr-Lüllmann, scheint es, fechten ihre schlechten Umfragewerte nicht an. Ein Treffen mit ihr im Café Stecker, das ist praktisch, sie muss vom CDU-Haus nur kurz um die Ecke. Eigentlich sollte beim Cappuccino gemeinsam nach Terminen geguckt werden, ein Auftritt der Spitzenkandidatin, den der Journalist beobachten kann, doch partout lässt sich keiner finden. "Ich bin jeden Tag Stunde um Stunde unterwegs, glauben Sie mir", sagt Mohr-Lüllmann, "es sind nur keine öffentlichen Termine." Sie spricht von einem "stillen Wahlkampf", der sich stark auch nach innen richte, in die eigene Partei. Dazu etliche Begegnungen mit den Chefs Bremer Unternehmen: "So kann ich abfragen, was sie von mir erwarten."

Schon wahr, aber bringt das Stimmen? "Nach Ostern beginnen wir die nächste Phase und personalisieren stärker", kündigt die CDU-Frau an. Irgendwann vor der Wahl kommt natürlich auch die Kanzlerin, das gibt Bilder, die könnten was bringen, ein bisschen mehr Popularität. Gut brauchen könnt' sie's ja, gut brauchen könnt' sie's garantiert.

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