Abriss ist eine Option Musicaltheater Bremen hat keine Zukunft

Jetzt steht es fest: Der Vertrag zwischen Betreiber und Besitzer des Musicaltheaters in Bremen wird nicht verlängert. Es wird nach einer neuen Nutzung gesucht, ein Abriss ist wahrscheinlich.
09.02.2017, 21:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Musicaltheater Bremen hat keine Zukunft
Von Pascal Faltermann

Jetzt steht es fest: Der Vertrag zwischen Betreiber und Besitzer des Musicaltheaters in Bremen wird nicht verlängert. Es wird nach einer neuen Nutzung gesucht, ein Abriss ist wahrscheinlich.

Ende des Jahres fällt der Vorhang. Das Musicaltheater Bremen wird nicht mehr als Theater bespielt. Der Vertrag zwischen dem Eigentümer der Immobilie am Richtweg, Rolf Specht, und der Unterhaltungsagentur „Mehr! Entertainment“ wird nicht verlängert. Rolf Specht sieht sich nach einer neuen Nutzung für das Musicaltheater um. Das teilten beide Parteien am Donnerstagvormittag mit. Ein möglicher Rückbau beziehungsweise Abriss des Gebäudekomplexes soll die eine Option sein, die andere ein hochwertiges Komfort-Kino.

In die Öffentlichkeit geriet die Sache nach einer Anfrage des WESER-KURIER. Immobilienunternehmer Specht ließ per Pressemitteilung verlauten, dass der Betreiber des Musicaltheaters, die Unterhaltungsagentur "Mehr! Entertainment", den bestehenden Mietvertrag über das Jahr 2017 hinaus nicht verlängern will. Das Schreiben des Unternehmens sei mit der Agentur abgestimmt gewesen, so Specht.

Eigentümer will den Gebäudekomplex anderweitig nutzen

Die Gegenseite sieht das aber anders: „Wir hatten nie ein Angebot zur Verlängerung vorliegen“, entgegnete Anne-Marie Theurich, Pressesprecherin von „Mehr! Entertainment“ am Donnerstag. Eigentümer Specht habe in einem Gespräch klar gemacht, dass er den etwa 20.000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex anderweitig nutzen wolle.

Lesen Sie auch

Darum sei man im Hause „Mehr! Entertainment“ sehr überrascht gewesen über die Aussage, dass Specht sich eine Weiterführung des Musical-Betriebs gewünscht habe. Zu den bestehenden Konditionen hätte die Veranstaltungsagentur aus Düsseldorf über eine Fortführung nachgedacht, versichert Theurich.

Dieser Aussage widerspricht wiederum Specht. Die Agentur habe nie verlängern wollen. Es sei sicherlich eine betriebswirtschaftliche Entscheidung von „Mehr! Entertainment“ gewesen, erwidert er auf Nachfrage des WESER-KURIER. „Bremen ist kein einfacher Musical-Standort“, vermutet der 64-jährige Unternehmer, der Anfang 2016 den Komplex am Richtweg erworben hatte.

Bis Jahresende gibt es noch einige Veranstaltungen

So oder so habe festgestanden, dass der Mietvertrag mit dem aktuellen Betreiber nur noch bis Ende des Jahres laufe und Instandsetzungsarbeiten anstehen würden. Bis Jahresende sind auch noch einige Veranstaltungen geplant: Max Raabe und sein Palast Orchester sind beispielsweise am 15., 16. und 17. Februar im Musicaltheater zu sehen, im September läuft an mehreren Tagen das Musical „Cats“.

Lesen Sie auch

Specht versichert, dass auch Gespräche mit weiteren Interessenten nicht zum Erfolg geführt hätten. Dem Vernehmen nach soll es Verhandlungen mit großen Agenturen wie BB Promotion oder Stage Entertainment gegeben haben. Der Unternehmer selbst will sich dazu aber nicht äußern.

Stattdessen sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Residenz-Gruppe Bremen: „Ich hätte mir gewünscht, dass das Gebäude weiterhin ein Theater bleibt.“ Specht hat sein Geld mit Seniorenwohnungen verdient und bereits mehr als 75 Pflegeheime realisiert.

Zahlreiche neue Ideen für das Areal

Nun stellt „Bremens Unternehmer des Jahres 2010“ neue Überlegungen für die zukünftige Nutzung des rund 8000 Quadratmeter großen Areals an. „Wir haben zahlreiche Ideen, an diesem spannenden Standort etwas Interessantes zu entwickeln“, sagt Rolf Specht. Da die Option eines Theater-Betriebes nun weggefallen sei, gebe es nur noch zwei Möglichkeiten: Zum einen ist das der Abriss des Gebäudes, um dort Wohnungen und Gewerberäume zu bauen.

Lesen Sie auch

Dabei könnten an die 100 Wohnungen mit Concierge-Service entstehen. Zum anderen ein Komfort-Kino mit angrenzendem Gewerbe- und Gastronomiebereich. Somit sei auch der Erhalt einer Kulturstätte weiterhin eine Option. Specht will demnächst bei drei Architekturbüros eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, um die Möglichkeiten für einen Neubau auszuloten. Das sei auch vom Baurecht abhängig, sagt Specht.

Die Nachricht über das Aus für die Spielstätte ist für die lokalen Veranstalter ein Schock. Bereits in der vergangenen Woche hatten Jan Trautmann, Veranstalter und Geschäftsführer von „Bremen Events & Concerts“ und Oliver Mücke von Koopmann Concerts darauf aufmerksam gemacht, dass sie nicht für 2018 planen können, weil Termine im Musicaltheater nicht gebucht werden konnten.

Knapp 200.000 Besucher im Jahr

Dabei hatte die Veranstaltungsstätte eine gute Entwicklung hinter sich: Die Besucherzahlen stiegen auf knapp 200.000 im Jahr und die Programmauslastung nahm zu. Das Musicaltheater mit seinen 1450 Plätzen genießt einen guten Ruf.

Das war nicht immer so. Zentralbad, Markthalle, Astoria, Showpark und Musicaltheater Bremen – das Gelände am Richtweg hat eine lange Geschichte. Nachdem viele Investoren gescheitert waren, finanzierte die Stadt den Umbau zu einem Musicaltheater.

Im Februar 1999 wurde mit „Jekyll & Hyde“ die erste Premiere gefeiert. Seit März 2011 ist die Stadt als Eigentümer raus aus dem Theater – den Kredit für die Umbaukosten muss sie noch bis 2019 abbezahlen. Ursprünglich sollte die jährliche Tilgung in Höhe von etwa 2,1 Millionen Euro bereits 2018 abgeschlossen sein. Grund für die längere Laufzeit sind laut Wirtschaftsbehörde Zinsschwankungen. Unterm Strich zahlt die Stadt 40 Millionen Euro.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+