Senat plant Machbarkeitsstudie

Neue Pläne für den Europahafen

Der angekündigte Rückzug des Cornflakes-Herstellers Kellogg aus Bremen eröffnet städtebauliche Perspektiven über das Werksgelände hinaus. Benachbarte Betriebe wollen in die Planung einbezogen werden.
07.03.2017, 21:57
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Neue Pläne für den Europahafen
Von Jürgen Theiner
Neue Pläne für den Europahafen
dpa

Der angekündigte Rückzug des Cornflakes-Herstellers Kellogg aus Bremen eröffnet städtebauliche Perspektiven über das Werksgelände hinaus. Benachbarte Betriebe wollen in die Planung einbezogen werden.

Groß denken – das hat man sich in den Senatsressorts für Bau und Wirtschaft vorgenommen, seit klar ist, dass der Nahrungsmittelhersteller Kellogg seinen Bremer Standort schließen wird. Im Grundsatz bietet sich nicht nur dessen rund 15 Hektar großes Gelände zur städtebaulichen Entwicklung an, sondern der gesamte Bereich südlich des Europahafens. Dort sind zurzeit noch mehrere Firmen ansässig, aber das muss ja nicht für alle Zeit so bleiben.

Für die Bauwirtschaft stellt das Areal ein absolutes Filetstück dar. Mit Wohnen am Wasser ließe sich eine Menge Geld verdienen. Allerdings streben weder der Bau- noch der Wirtschaftssenator eine solche reine Wohnnutzung an, die Interessenvertretung der Hafenwirtschaft schon gar nicht. Alle reden von einer städtebaulich sinnvollen Mischung, meinen damit aber sehr unterschiedliche Dinge.

Klar scheint gegenwärtig nur eines: Eine neue Bebauung des Kellogg-Geländes und erst recht des Gesamtbereichs südlich des Europahafens dürfte kaum in den nächsten fünf Jahren Gestalt annehmen. Die Planer müssen mit längeren Zeiträumen kalkulieren, denn es gibt erhebliche Hindernisse für jedwedes Konzept.

Investitionen in den Hochwasserschutz

Problem Nummer eins: Die Landmasse zwischen Weser und Europahafen liegt außerhalb der Deichlinie. Wollte man dort Wohnbebauung realisieren, wären zunächst massive Investitionen in den Hochwasserschutz erforderlich. Problem Nummer zwei: In Teilen des Gebietes, insbesondere am früheren Standort der Atlas-Werft, schlummern erhebliche Altlasten im Boden. Wer immer sich also an einem großen Wurf versucht, müsste ganz sicher zweistellige Millionenbeträge für die Beseitigung dieser Planungshürden in die Hand nehmen.

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Noch ist auch nicht sicher, wann Kellogg sein Firmengelände endgültig räumen wird. Zwar endet die Produktion um die Jahreswende, doch war zuletzt zu hören, dass das Hochregallager möglicherweise noch bis 2019/20 genutzt wird. Das Bauressort des Senats macht kein Geheimnis aus seinen Präferenzen. Staatsrätin Gabriele Friderich hält einen klaren Wohnschwerpunkt für sinnvoll, angereichert mit gewerblichen und möglicherweise auch kulturellen Elementen.

Im Gespräch mit dem WESER-KURIER kündigt Friderich eine Machbarkeitsstudie an, die ausdrücklich nicht nur das Kellogg-Gelände, sondern auch die Grundstücke benachbarter Gewerbebetriebe wie der Spedition Reimer, Rickmers Reismühle und des Lebensmittellogistikers Vollers einbeziehen soll. „Das ist ja die Chance, die sich jetzt bietet. Die dürfen wir nicht verstreichen lassen“, sagt Friderich.

Zusammen mit ansässigen Betrieben

Wenn Heiner Heseler von einer sinnvollen Mischung spricht, schwebt ihm etwas anderes vor. Heseler war früher Staatsrat in der Wirtschaftsbehörde und ist jetzt Geschäftsführer der Initiative Stadtbremische Häfen (ISH), also der Lobby der Hafenwirtschaft. Viele ISH-Mitglieder würden das Gebiet südlich des Europahafens planungsrechtlich am liebsten so belassen, wie es ist: nämlich als Standort für Hafen- und Produktionsbetriebe. Heseler ist klar, dass diese Position kaum durchsetzbar sein wird, doch einen gewerblichen Schwerpunkt favorisiert auch er.

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Und was sagen Kelloggs Nachbarn? Sie möchten jedenfalls nicht, dass über ihre Köpfe hinweg geplant wird. Christian Vollers ist geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Lebensmittellogistikers. Vollers beschäftigt im Schuppen 6 am Europahafen rund 170 Mitarbeiter, ein Viertel des deutschen Teeverbrauchs wird dort umgeschlagen. Im Schuppen 6 nutzt Vollers derzeit rund 10.000 Quadratmeter. Auf den restlichen 8000 würde er gern weitere Firmen ansiedeln, die mit Tee zu tun haben.

Ein solcher Verbund würde sich aus Vollers' Sicht durchaus in eine künftige Mischnutzung des Gesamtareals einfügen, auch wenn Wohnungen in der Nähe entstünden. „Ich finde es legitim, dass sich die Stadt über so etwas Gedanken macht. Aber dann bitte zusammen mit den ansässigen Betrieben“, bringt Christian Vollers seine Erwartungen auf den Punkt.

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