Claudia Bogedan geht auf Kritiker zu Neue Senatorin will Lehrermangel stoppen

Die designierte Senatorin für Kinder und Bildung, Claudia Bogedan, ist sich sicher, dass mit den geplanten zusätzlichen 200 Lehrkräften in Bremen der Unterrichtsausfall gestoppt werden kann.
15.07.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Wigbert Gerling und Sara Sundermann

Claudia Bogedan, designierte Senatorin für Kinder und Bildung, hat sich vorgenommen, sofort nach ihrer Wahl in die Landesregierung das Gespräch mit Kritikern an ihrem Ressortzuschnitt zu suchen. Sie nehme die Bedenken ernst und werde sich „mit allen zusammensetzen“, erklärte sie in einem Interview mit dem WESER-KURIER. Der geplante Wechsel des Themenfeldes Kinder von der Sozial- zur Bildungsverwaltung hat Widerstand ausgelöst und geht CDU und FDP nicht weit genug. Sie fordern ein Ressort für Bildung und Kinder, ergänzt um die Jugendpolitik.

An diesem Mittwoch wählt die Bürgerschaft den Senat. Es wird damit gerechnet, dass Sozialdemokrat Carsten Sieling in die Landesregierung einzieht und Nachfolger von Jens Böhrnsen im Amt des Bürgermeisters wird. Claudia Bogedan soll Senatorin für Kinder und Bildung werden und wäre dann ebenfalls neu Senat.

Kurz nach der Kandidatur hatte Sieling Ende Mai angekündigt, es würden 200 Lehrkräfte zusätzlich „an die Tafel“ kommen. Ein Weg seien neue Organisationsformen, die es möglich machten, Lehrpersonal von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Claudia Bogedan unterstützt dies im Gespräch mit dem WESER-KURIER. Und sie ist sich sicher, dass mit dem zusätzlichen Personal der Unterrichtsausfall gestoppt werden kann. Das Bürgertelefon könne genutzt werden, um Vertretungen sicherzustellen: „Das Bürgertelefon funktioniert doch sehr gut. Die Informationen müssen zusammenlaufen, und es kommt darauf an, wie dies am schnellsten geht, damit das Bildungsressort handlungsfähig ist.“

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege hatte am Vortag auf ein Gutachten verwiesen, wonach es „erhebliche rechtliche Probleme“ bereiten könne, wenn der rot-grüne Senat die Zuständigkeit für Kinder dem Bildungsressort übertrage und die Einheit von Kinder- und Jugendhilfe aufgebe. Der Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen hatte erklärt, wenn schon eine Reform geplant werde, dann sollte auch die Jugendhilfe zum neuen Ressort von Claudia Bogedan wechseln.

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas vom Bruch erklärte, die neue Bildungssenatorin stehe „vor großen und schwierigen Aufgaben“. In keinem anderen Bundesland, so der christdemokratische Bildungsexperte, hänge der Bildungserfolg „so sehr von der Herkunft der Kinder ab wie derzeit in Bremen“. Für die CDU-Fraktion bleibe die Bildung ein Kernthema und der wichtigste Schlüssel zur Bekämpfung von Armut, betonte vom Bruch. Die christdemokratische Opposition werde die Bildungspolitik der neuen rot-grünen Regierung und die Arbeit der neuen Bildungssenatorin kritisch begleiten und erwarte von ihr, dass sie den Schülerinnen und Schülern zukünftig eine Unterrichtsgarantie zusichert.

Die angekündigte Zusammenlegung der Bereiche Bildung und Kita in einem Ressort ist aus Sicht des Christdemokraten „ein erster Schritt, bleibt aber halbherzig“. Sinnvoll wäre es, auch den Kinder- und Jugendschutz an das Bildungsressort zu überführen. Es geht zudem um Zukunftsthemen, die Claudia Bogedan anpacken müsse. Dazu zählen laut vom Bruch die Digitalisierung des Unterrichts und die Stärkung der Eigenständigkeit von Schulen.

Die FDP unterstützt den Vorschlag, bei einer Reform nicht nur die Zuständigkeit für Kinder, sondern auch für Jugendliche dem Bogedan-Ressort zuzuordnen. Die Bildungspolitikerin Julie Kohlrausch erklärte: „Wir müssen davon wegkommen, Teilaspekte zu betrachten – wir brauchen einen ganzheitlichen, systematischen Ansatz, damit wir die bestmöglichen Chancen für Kinder und Jugendliche eröffnen können.“

„Sie tritt an mit der Aufgabe, die Übergänge zwischen Kitas und Schulen zu verbessern – das ist eine Herkulesaufgabe“, sagte Christian Gloede, Sprecher des Landesvorstands der Bildungsgewerkschaft GEW. Baustellen für Claudia Bogedan bleiben aus seiner Sicht die Umsetzung der Inklusion und die hohe Arbeitsbelastung von Lehrern, Sozialpädagogen und Sozialarbeitern an Schulen.

„Wir hoffen, dass sich Frau Bogedan schnell einarbeitet, damit der begonnene Dialog mit Eltern und Schulen nahtlos fortgesetzt werden kann“, erklärte Andrea Spude vom Zentralen Elternbeirat als Vertreterin der Eltern von Schulkindern. „Und wir wünschen uns natürlich, dass sie für eine bessere finanzielle Ausstattung im Bildungsbereich kämpft.“

„Die Eltern finden es gut, dass die Verantwortung für Kitas und Schulen jetzt in einer Hand liegt“, sagte Andreas Seele von der Zentralen Elternvertretung der Kitas. Dadurch werde es möglich, dass Schulen Einblick erhalten, welchen sprachlichen Förderbedarf Kindergartenkinder haben. „Wir haben große Erwartungen an Frau Bogedan“, so Seele.

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