Bremen und Niedersachsen einigen sich Neues Sperrwerk in der Geeste

Die Geeste bekommt ein neues Sperrwerk. Darauf haben sich die Umweltressorts von Niedersachsen und Bremen geeinigt. Dadurch soll Bremerhaven und das Hinterland besser vor Hochwasser geschützt werden.
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Von Frank Miener

Die Geeste bekommt ein neues Sperrwerk. Darauf haben sich die Umweltressorts von Niedersachsen und Bremen geeinigt. Dadurch soll Bremerhaven und das Hinterland besser vor Hochwasser geschützt werden.

Die Stadt Bremerhaven und das niedersächsische Hinterland sollen besser vor Hochwasser geschützt werden: In der Geeste soll ein neues Sperrwerk entstehen. Darauf haben sich Vertreter des Umweltsenators und des niedersächsischen Umweltministeriums am Dienstag verständigt und eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Den Auftrag der Realisierung soll die Hafengesellschaft Bremenports erhalten. Die Gespräche über die neue Anlage liefen bereits mehrere Jahre.

Das neue Geeste-Sperrwerk, das sich aktuellen Plänen zufolge vom Fähranleger im Stadtteil Geestemünde durch den Fluss bis zum anderen Ufer ziehen soll, soll frühestens Mitte des kommenden Jahrzehnts das bisherige Sturmflutbollwerk unter der Kennedy-Brücke ablösen. 1961 in Betrieb genommen, musste sich das Bollwerk bereits ein Jahr später in dem Hochwasser bewähren, das unter anderem in Hamburg zu verheerenden Schäden geführt hatte. „Heute ist es nicht mehr auf dem Stand der Zeit“, sagt Bremenports-Geschäftsführer Robert Howe. Zum einen steige der Meeresspiegel – bei den großen Fluten der vergangenen Jahre fehlten nur wenige Zentimeter – zum anderen gibt es Flächen im Vorfeld, die regelmäßig überspült werden.

Es geht um den Schutz der Bevölkerung

„Ein Neubau des Geeste-Sperrwerkes ist notwendig, um die Bevölkerung zu schützen“, sagte Bremens Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne). Die Deichlinie ist in diesem Bereich zudem sehr zerstückelt, so dass die Hochwasserschützer von Bremenports bei einer Flut zahlreiche zeitaufwendige Sicherungen vornehmen müssen. Bei einer Überflutung könnte das Wasser bis weit in die Stadt laufen und auch niedersächsisches Gebiet im Bereich der Autobahn 27 erreichen. „Aufgrund des prognostizierten Klimawandels ist zukünftig mit höher auflaufenden und heftigeren Sturmfluten zu rechnen“, sagte der Senator. Die Umsetzung des 2007 beschlossenen Generalplans Küstenschutz sehe die Verstärkung der niedersächsischen und bremischen Deiche entsprechend der neuen Anforderungen vor.

Das bestehende Bauwerk unter der Kennedybrücke könne nicht auf die Sollhöhe von 6,70 Metern über Normal-Null erhöht werden. „Das kann nur durch einen Neubau des Geeste-Sperrwerkes – und damit einhergehend eine großräumige Deichverlegung – erreicht werden“, sagte Lohse. Rund 30 Millionen Euro kostet das neue Sperrwerk, 70 Prozent davon zahlt der Bund. Den restlichen Betrag teilen sich die Länder Bremen und Niedersachsen nach einem bestimmten Schlüssel, da beide vom Hochwasserschutz profitieren; so soll es mit der am Dienstag unterzeichneten Vereinbarung auch weitergehen. Demnach wird das Bauwerk geteilt, Bremen übernimmt dann die Anschlüsse an die Deiche.

Anwohner fürchten eine "Verschandelung des Ausblicks"

Andere Varianten waren im Laufe des Verfahrens angedacht, unter anderem auch eine Anlage direkt in der Mündung der Geeste. Das wäre aber technisch aufwendig und teuer geworden. In einer Bürgerbeteiligung wurde dann die jetzt bevorzugte Lösung gefunden. Doch auch die war zunächst nicht unumstritten, weil in einer früheren Variante eine Verlegung des Fähranlegers notwendig gewesen wäre. Anwohner wollten den Baulärm nicht ertragen und befürchteten eine „Verschandelung des Ausblicks“. Es wurde ein Kompromiss gefunden, der Magistrat beschloss diese Variante vor einiger Zeit als Vorzugsvariante.

Bremenports hätte gerne schon früher mit den Arbeiten angefangen. Mehrere Jahre sind seit den ersten Planungen vergangen, unter anderem wegen der Debatte über Standort und Kosten. Denn nachdem in Bremerhaven und Bremen die Grundlagen festgezurrt waren, hatten sich die Fachleute in Niedersachsen bei der Beurteilung und der Finanzierungszusage Zeit gelassen. Der ursprünglich anvisierte Termin für eine Fertigstellung 2018 oder 2019 ist nicht mehr zu halten. Die Pläne sind zwar weitgehend fertig gestellt, doch der notwendige Planfeststellungsbeschluss steht aus – ein Antrag kann erst nach der Klärung der Finanzierung gestellt werden. Die Finanzierung ist nun geklärt – wann die Arbeiten am neuen Sperrwerk anfangen, konnte am Dienstag aber noch niemand sagen.

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