Drei Tage bis zum Endergebnis Neues Wahlrecht in Bremen sorgt für mehrtägige Auszählung

Bremen. Drei Tage bis zum Wahlergebnis. Was im ersten Moment klingt wie ein Scherz, wird bei der nächsten Bürgerschaftswahl in Bremen Realität. Das neue Wahlrecht sorgt eine Verfünffachung der zu zählenden Stimmen.
25.01.2010, 06:47
Lesedauer: 3 Min
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Neues Wahlrecht in Bremen sorgt für mehrtägige Auszählung
Von Wigbert Gerling

Bremen. Bremen. Drei Tage bis zum Wahlergebnis. Was im ersten Moment klingt wie ein Scherz, wird bei der nächsten Bürgerschaftswahl in Bremen Realität. Das neue Wahlrecht sorgt eine Verfünffachung der zu zählenden Stimmen.

Am Sonntag, 22. Mai 2011, soll die nächste Bürgerschaftswahl sein. Der angestammte Stimmungsmix aus klingenden Sektgläsern bei den Siegern und klagenden Kommentaren bei den Verlierern, aus glücklichen Gewählten und unglücklich Gescheiterten stellt sich aber dann wohl nicht gleich noch am selben Abend ein. Denn an diesem Sonntag wird noch lange nicht endgültig geklärt sein, wie die Abstimmung über das Landesparlament tatsächlich ausgegangen ist.

Jede Wahlberechtigte und jeder Wahlberechtigte hat im Mai 2011 erstmals fünf Stimmen, die er auf unterschiedliche Kandidaten und Parteien verteilen kann. Und standen bisher auf dem Wahlzettel in den Kästchen mit dem Parteikürzel immer nur fünf Kandidaten mit Namen, so sind künftig alle Bürgerschaftsbewerber mit Daten zur Person aufgeführt. 2007 beispielsweise umfasste die SPD-Liste insgesamt 59 Personen, ebenso bei der CDU. Bei den Grünen waren es 30, bei der FDP 25. Das macht schon 173 Namen, von den zahlreichen Aspiranten weitere Parteien einmal abgesehen. Sie alle stehen nun auf dem Wahlzettel - daneben jeweils ein Kreis für das Kreuz. In Hamburg wurde der Zettel dadurch ellenlang, und in Bremen wird er auf diese Weise ebenfalls eine ganz andere Größe haben als bisher.

Fünfmal so viele Stimmen auszählen - das ist laut Parlamentspräsident Christian Weber absehbar nicht am Wahlsonntag von 18 Uhr bis Mitternacht zu schaffen. Also folgen, so Bürgerschaftsdirektor Karl-Heinz Hage, "drei Tage Spannung", bis endgültig feststeht, wer Bremen in den folgenden vier Jahren politisch prägt.

In den Wahllokalen wird lediglich dokumentiert, wie die Wahlbeteiligung war. Alle Wahlurnen werden dann am Sonntagabend an einen zentralen Ort zur Auszählung transportiert. Schließlich ist in den Schulen und Amtsräumen, die für den Sonntag in ein Wahllokal verwandelt worden waren, am Montag wieder der normale Betrieb.

Dann wird ausgezählt. Am Sonntag soll die Konzentration der Helfer bis Mitternacht beansprucht werden. Und dann ist auf jeden Fall noch an den nächsten beiden Tage die Zeit von 8 Uhr bis etwa 18 Uhr fest einkalkuliert, um schließlich genau zu ermitteln, wer gewonnen und verloren hat.

Prognosen werden unsicherer Auf den Automatismus, wonach am Sonntagabend nach 18 Uhr die Zuverlässigkeit der Prognosen stetig steigt und damit schon vor dem offiziellen Ergebnis der Wahlausgang fast mit Sicherheit feststeht, ist dann auch nicht mehr so viel Verlass wie bisher. "Die Prognosen am Wahlabend sind unsicherer als früher," erklärt Präsident Christian Weber. Bisher seien die Hochrechnungen nach und nach mit den einlaufenden tatsächlichen Ergebnissen angereichert worden, womit ihre Zuverlässigkeit immer weiter gestiegen sei. Wenn nun der Hauptanteil der Stimmzettel erst am folgenden Montag und Dienstag auseinandergefaltet und gelesen wird, fließe dieser Informationsstrom am Sonntag noch eher spärlich.

Bisher haben die Meinungsforschungsinstitute zur Ermittlung ihrer Vorhersage des endgültigen Ergebnisses an dem Sonntag immer wieder Wählerinnen und Wähler nach der Stimmabgabe gebeten, ihre tatsächliche Entscheidung per Kreuz nun noch einmal zu wiederholen, um damit die Hochrechnung verlässlicher zu machen. Ob dies auch weiter so gehandhabt wird, wenn die Wahlmöglichkeiten im Mai 2011 wachsen und die Befragten mit dann fünf Stimmen unterschiedliche Parteien und Kandidaten wählen können, das steht offenbar noch nicht fest.

In Kürze, so heißt es, werde in Gesprächen mit Meinungsforschern noch geklärt, welcher Aufwand betrieben werden kann, um auch bei einer Stimmauszählung bis Mittwoch doch auch schon am Wahlsonntag eine Prognose mit größtmöglicher Nähe zur Wirklichkeit zu bekommen.

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