Ärger in der Rückertstraße Obdachlose und Mieter konkurrieren um Wohnungen

„Rückertstraße bleibt!“ – mit diesem Slogan kämpfen Mieter seit einem Jahr um ihre Wohnungen in einem Haus in der Neustadt. Das Gebäude soll geräumt werden, um Obdachlosen unterzubringen.
18.01.2016, 00:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Obdachlose und Mieter konkurrieren um Wohnungen
Von Jürgen Hinrichs

„Rückertstraße bleibt!“ – mit diesem Slogan kämpfen Mieter seit einem Jahr um ihre Wohnungen in einem Haus in der Neustadt. Das Gebäude soll geräumt werden, um Obdachlosen unterzubringen.

Ein lohnendes Geschäft für den Vermieter, der pro Person und Nacht nach Angaben der Sozialbehörde 16 bis 30 Euro kassiert, in Ausnahmefällen auch mehr. Die Höhe sei abhängig von der Ausstattung.

„Die Rechnung ist einfach“, sagt Ariane von Mach, die zu den neun Mietern gehört, „das Geschäftsmodell mit Obdachlosen und Geflüchteten ist lukrativer als die dauerhafte Vermietung.“ Ihre Kritik: „Eine sichere und soziale Unterbringung dieser Menschen darf nicht der profitorientierten Praxis skrupelloser Immobilienbesitzer untergeordnet werden.“

Eine Besonderheit in dem Fall ist, dass es sich bei den Mietern nach eigenen Angaben zum Teil um Sozialarbeiter handelt, die mit der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen und obdachlosen Menschen betraut sind. In einem der Flugblätter der Initiative wird kritisiert, dass die ohnehin stärker werdende Konkurrenz um bezahlbaren Wohnraum noch befördert werde, wenn eine ureigene sozialpolitische Aufgabe Privaten überlasse werde, die daraus ein Geschäft machten.

Lesen Sie auch

Das Haus in der Rückertstraße 2 steht in unmittelbarer Nähe zu einem Gebäude, das bereits als Herberge für Obdachlose genutzt wird. Der Betreiber hat auf Anfrage bestätigt, dass er das Nachbarhaus übernehmen will, um seine Herberge zu erweitern. Für weitere Einzelheiten verwies er auf die Sozialbehörde und den bisherigen Eigentümer des Hauses.

Eine Anfrage beim Anwalt des Eigentümers blieb ergebnislos. Bernd Schneider, Sprecher von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne), betont, dass seiner Behörde zunächst nicht bekannt gewesen sei, dass in dem Haus in der Rückertstraße noch Mieter wohnen. Er bedauert den Konflikt, der dadurch entstanden ist: „Das ist nicht in unserem Sinne.“

Gegen die Mieter wird jetzt mit Räumungsklagen vorgegangen. Für den 27. Januar ist vor dem Amtsgericht eine Verhandlung anberaumt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+