Vattenfall und Stadtwerke München planen nächstes Projekt Offshore-Windpark DanTysk eröffnet

Im Altonaer Kaispeicher in Hamburg hat eine Riege prominenter Politiker den Windpark Dan Tysk offiziell eröffnet.
02.05.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Markus Lorenz

Es war eine Feierstunde mit ganz viel Abstand: Im Altonaer Kaispeicher in Hamburg hat am Donnerstag eine Riege prominenter Politiker den Windpark Dan Tysk offiziell eröffnet. Denn die Windfarm von Vattenfall und der Stadtwerke München, die 400 000 Haushalte mit Strom versorgt, liegt 250 Kilometer vom Ort des Zusammentreffens entfernt in der Nordsee an der Seegrenze zu Dänemark. Das 80 Turbinen umfassende Offshore-Kraftwerk bildet nun den nördlichsten Landpunkt Deutschlands, 70 Kilometer westlich von Sylt und 90 Kilometer vom dänischen Esbjerg – was den Namen erklärt („Dan“ für Dänisch, „Tysk“ für Deutsch).

Für die Feier zum Anschluss ans Stromnetz waren die Gäste von überallher angereist. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel aus Berlin, sein schwedischer Amtskollege Mikael Damberg aus Stockholm, ebenso Vattenfall-Konzernboss Magnus Hall, Florian Bieberbach vom Co-Betreiber aus München sowie Ministerpräsident Torsten Albig aus Kiel.

Hamburg war nicht von ungefähr Schauplatz des Startschusses auf Distanz. An der Elbe ist die Dan-Tysk-Planungs- und Betriebsgesellschaft angesiedelt. Auch befindet sich in der Hansestadt die internationale Windenergiezentrale von Siemens, das die Turbinen geliefert hat.

„Die norddeutschen Länder unterstützen die deutsche Offshore-Windenergie-Branche“, sagte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Sie seien entschlossen, „das große Potenzial an Wertschöpfung, Arbeitsplätzen, Innovationen und Exportmöglichkeiten zu nutzen und die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Branche nachhaltig wachsen“ könne. Scholz, der Hamburg zu Europas Hauptstadt der Windenergieunternehmen ausbauen will, betonte die „Grundlastfähigkeit“ der Offshore-Stromproduktion an 340 Tagen pro Jahr. Albig unterstrich, die Windfarm vor der Küste Schleswig-Holsteins trage zum Erreichen der deutschen Klimaziele bei. „Mit der Eröffnung wird die Energiewende wieder ein Stück mehr umgesetzt.“

Gabriel schwärmte von einer „ingenieurwissenschaftlichen und technischen Meisterleistung“ beim Bau der 80 Rotoren in der rauen Nordsee. „Das zeigt, dass wir es können.“ Zugleich betonte der Wirtschaftsminister aber, dass die Bundesregierung an der Nutzung der Kohlekraft festhalte. Das war der Grund für die Anwesenheit zweier Greenpeace-Aktivistinnen. Als sie während der Feierstunde gegen die Energieerzeugung aus Kohle protestierten, wurden sie vom Sicherheitspersonal aus dem Raum gedrängt.

Dan Tysk in Zahlen: Die 80 Siemens-Maschinen leisten je 3,6 Megawatt, zusammen also 288 Megawatt. Die jährliche Stromproduktion soll rund 1,3 Milliarden Kilowattstunden erreichen. Die Baukosten lagen bei mehr als einer Milliarde Euro. Der Strom wird über ein Umspannwerk und eine Konverterplattform vor Ort via Seekabel auf das schleswig-holsteinische Festland bei Büsum geführt. Eine weitere Konverterstation in Büttel (Kreis Dithmarschen) speist die Energie ins deutsche Höchstspannungsnetz ein.

Die Windtürme stehen in vier Reihen jeweils rund einen Kilometer voneinander entfernt. Das Feld hat eine Länge von 19 Kilometern. Von der Küste Sylts aus sind die 148 Meter hohen Rotoren selbst bei bester Sicht nicht zu erkennen. Der Bau hatte im Februar 2013 begonnen.

Die Vorgeschichte ist indes weit älter. Schon im Jahr 2000 lag ein erster Antrag für ein Offshore-Kraftwerk vor. 2007 kaufte Vattenfall die Rechte und holte sich die Stadtwerke München ins Boot, die 49 Prozent der Anteile übernahmen. Mit ihrer Zusammenarbeit beim Bau von Dan Tysk sind beide Unternehmen so zufrieden, dass sie gerade den Bau einen zweiten Windparks gleich westlich von Dan Tysk angekündigt haben. Auch das Kraftwerk „Sandbank“ soll 288 Megawatt Leistung bringen.

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