Auftakt der "Bremen Classic Motorshow" Oldtimer als Geldanlage: Da rollt die Rendite

Oldtimer haben sich zur Geldanlage entwickelt. Der Boom scheint ungebrochen, wie Beispiele auf der Bremen Classic Motorshow zeigen, die heute beginnt.
06.02.2015, 00:00
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Oldtimer als Geldanlage: Da rollt die Rendite
Von Jürgen Hinrichs

Oldtimer haben sich zur Geldanlage entwickelt. Der Boom scheint ungebrochen, wie Beispiele auf der Bremen Classic Motorshow zeigen, die am heutigen Freitag beginnt. Doch wer auf das „Garagengold“ setzt, sollte wissen, dass der Markt sich stark spreizt, warnt ein Sachverständiger vom TÜV-Rheinland, der historische Fahrzeuge bewertet.

Es sind vier Räder, mehr ja nicht, und es ist Blech, aus dem dieses Auto geformt ist. Der Motor, gut, er hat zwölf Zylinder und bringt 280 PS zusammen, das ist mal was Besonderes. Aber sonst? Ein Auto eben. Oder doch viel mehr?

„Solche Autos drücken den Zeitgeist aus“, sagt Norbert Schroeder, „sie stehen für eine Epoche.“ Und wenn es wie in diesem Fall ein so seltenes wie begehrtes Exemplar ist, geht der Sachverständige noch einen Schritt weiter, dann spricht er von einer Skulptur, von Kunst und Design. „Da fällt es selbst mir schwer, objektiv zu bleiben.“

Schroeder steht vor einem Ferrari, und das ist es doch schon. Der Name allein! Inbegriff von Luxus und Leidenschaft, von Rasanz und den Rennen, die damit verbunden sind. Doch jetzt mal runter vom Gas. Schroeder streicht mit der Hand über den schwarzen Lack, klarer Befund: „kein Originallack mehr“. Solche Dinge müssen ihn interessieren, dafür ist er Sachverständiger und taxiert den Wert historischer Fahrzeuge. „Schauen Sie, das Aluminium, schön mit Patina.“ Vieles, was ihm gefällt, das meiste. „Das Gesamtbild ist stimmig.“

Und also, wie viel?

„Der Wagen hat mal 30 000 Mark gekostet und ist heute natürlich deutlich mehr wert.“ Schroeder weicht aus. Wie viel? Drei, vier, fünf Millionen? „Wenn das man reicht“, sagt er.

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Dass es nicht mehr der ursprüngliche Lack ist, egal, bei diesem Auto spielt das keine Rolle. Hier, erklärt der Experte, ist es allein schon die Baureihe, ein 250er GT SWB aus dem Jahr 1960, die den Wert ausmacht. Nur 73-mal ist der Ferrari in dieser Version vom Band gerollt. Und nun steht eines dieser raren Exemplare in den Bremer Messehallen und schmückt die Bremen Classic Motorshow, die heute ihre Pforten öffnet.

So wie die Messe boomt, die in ihrem zwölften Jahr wieder Besucherrekorde erwartet, so tun es auch die Autos, die dort ausgestellt sind. Der Wert von Oldtimern ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Längst sind deshalb auch Kapitalanleger in das Geschäft eingestiegen. Doch Schroeder dämpft die Euphorie, wenn jetzt überall von „Garagengold“ die Rede ist oder von der „rollenden Rendite“. Er sieht bei den Klassikern eine klare Spreizung. Sündhaft teure Autos werden demnach noch teurer. „Das sind die wenigen Ikonen, die meist dem historischen Rennsport zuzuordnen sind und Einstandspreise in Millionenhöhe erzielen.“ So wie der Ferrari, der auf der Messe ausgestellt ist. Schroeder: „Solche Autos treiben den Markt und können andere mitziehen.“

Nur eben nicht alle. „Vorsicht bei den sogenannten Gebrauchsklassikern im Preissegment zwischen 10 000 Euro und 80 000 Euro“, warnt der Sachverständige, „da können Wartungs- und Pflegekosten mögliche Gewinne schnell zunichtemachen.“ Sein Fazit: „Geldanlage ja, aber man muss mit hohen sechsstelligen Beträgen einsteigen und sicher sein, dass Originalität und Qualität des Wagens stimmen.“

Bei dem Aston Martin, der auf der Bremen Classic Motorshow gleich neben dem Ferrari geparkt wurde, hat Schroeder keinen Zweifel, dass es mit dem Wert weiter nach oben geht. Noch so ein Auto, das in den 60er-Jahren Renngeschichte geschrieben hat und nun von den Kennern wie ein heilig’s Blechle verehrt wird. Schroeder weiß es für diesen Wagen nicht ganz genau,

er hat aber recherchiert, wie sich ein Aston Martin aus derselben Epoche in den vergangenen vier Jahren allgemein entwickelt hat: Von einem Wert, der 2010 bei bis zu 250 000 Euro lag und 2014 bereits stramm auf 700 000 Euro zugegangen ist.

Die Ausreißer nach oben ziehen den Markt mit, hat Schroeder gesagt. Sie sorgen aber auch dafür, dass ein Gradmesser wie der Deutsche Oldtimer Index nicht besonders aussagekräftig ist. Die Prüfgesellschaft DEKRA hat jetzt die neuesten Zahlen veröffentlicht und für das vergangene Jahr einen Wertzuwachs von 4,5 Prozent ausgemacht. Im Jahr zuvor seien es sogar acht Prozent gewesen.

Da rollt die Rendite, gewiss, aber so wie es die Ausreißer nach oben gibt, wird es sie auch nach unten geben. Die DEKRA mahnt deswegen zur Zurückhaltung und weist auch auf die Risiken hin: „Ein auf den ersten Blick attraktiver Oldtimer kann sich durchaus als ,Blender’ entpuppen, der nur oberflächlich aufgehübscht wurde.“

Norbert Schroeder kennt solche Fälle zuhauf. Der Betrug, sagt er, fängt oft schon bei den Fahrzeugpapieren an, „wenn ich Kopien sehe, werde ich misstrauisch“. Das Auto wird zum Original zurechtgebogen, ist aber längst keines mehr. „Nehmen wir einen Porsche 906“, erklärt der Sachverständige, „ich würde mich bei den vielen Fakes, die ich schon gesehen habe, gar nicht mehr trauen, so einen Wagen zu kaufen.“

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